Bio-Tabak und Fair Trade-Zigaretten

Auf eine Zigarette mit evidero

Rauchen ist schädlich - nicht nur für Raucher sondern auch für die Umwelt und die Tabakanbauer. Bio- und Fairtradezigaretten sind daher sinnvoll.
tobacco's dry field in Cuba© iStockphoto / ambaradan

Guten Tag. Es ist Zeit für eine Beichte: Ich habe geraucht. Nur wenige Stunden, bevor Sie diesen Text lesen. Und ich werde es wieder tun. Lassen Sie mich zu meiner Verteidigung bitte folgendes anbringen: Ich unterstütze das Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden und mittlerweile auch das in Gaststätten, ich finde Zigarettenwerbung gehörte verboten – und ich rauche ziemlich wenig. Aber hin und wieder bilde ich mir ein, eine Kippe anzünden zu müssen – als Belohnung, Beruhigung oder bloß Beschäftigung.

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Torsten Mertz

Torsten Mertz

Torsten Mertz ist Geograph, Redakteur und Autor. Er arbeitet in einem renommierten Münchner Nachhaltigkeits-Verlag, ist Verfasser des “Schnellkurs Ökologie” und schreibt gerade an einem weiteren Band der Kochbuch-Reihe „Gemüse ist mein Fleisch“. Bei evidero bloggt er über sein Lieblingsthema: die Gewissensfragen, mit denen sich ein interessierter Konsument heute konfrontiert sieht.

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Klar, rauchen stinkt und ist ungesund. Das aber betrachte ich als mein persönliches Problem, solange ich niemanden einqualme. Das größere Übel des Rauchens liegt darin, was es anderen zufügt. Ich meine nicht nur die Belästigung und Gefährdung der Passivraucher. Denn damit sind die negativen Auswirkungen des Rauchens längst nicht ausreichend beschrieben. Die für uns weitgehend unsichtbare Katastrophe des Rauchens hängt mit der Tabakproduktion zusammen: Großflächige Abholzungen in Lateinamerika und Afrika zum Beispiel. Das liegt zum einen daran, dass die Böden nach einigen Jahren Tabakmonokultur ausgelaugt und vergiftet sind. Dann werden die Tabakfelder verlegt und verdrängen den Nahrungsmittelanbau und natürliche Wälder. Vor allem fehlt es in den Anbauländern meist an Geld für Gas, Öl und Kohle, so dass laut Greenpeace rund 62 Prozent der weltweit geernteten Tabakblätter über Holzfeuern getrocknet werden. Dabei dachte ich bisher, dass der Tabak in der Sonne trocknet. Nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums sind aber mehr als acht Kilogramm Holz nötig, um ein Kilo Virginia-Tabak zu trocknen. Die Organisation Fairtade Deutschland spricht sogar von unfassbaren 160 Kilo Holz pro Kilo Tabak und nennt folgende Faustregel: „Ein durchschnittlicher deutscher Raucher vernichtet alle drei Monate einen Tropenbaum“.

Das ist starker Tobak, fürwahr. Und damit nicht genug: Jede Menge Pestizide und andere Agrochemikalien wie synthetische Dünger und Wachstumsregulatoren werden auf die Tabakfelder geschüttet. Das schädigt nicht nur Gewässer und Böden, sondern vor allem die Gesundheit der im Tabakanbau beschäftigten Menschen. Arbeiter – darunter häufig Kinder – erkranken zudem auf Tabakplantagen häufig an der „Grünen Tabakkrankheit“, die durch Hautkontakt mit den nikotinhaltigen Blättern entsteht und zu Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Kopfschmerzen, Atemnot und Herz-Kreislauf-Erkrankungen führt.

Doch wenn Tabak eines der wichtigsten Agrarprodukte der Welt ist, wäre es dann nicht wenigstens sinnvoll, den Tabakanbau nachhaltiger zu gestalten? Ist das zynisch oder konsequent? Auf jeden Fall scheint es ein Tabuthema zu sein, denn was wie Rauchen grundsätzlich nicht nachhaltig sein kann – wie unter anderem der Deutsche Nachhaltigkeitsrat meint – das soll offenbar auch nicht verbessert werden, sondern besser gleich ganz verschwinden.

So weigert sich etwa Fairtrade Deutschland grundsätzlich, Tabak als fair gehandelt zu klassifizieren. Zugleich darf auch keine Zigarette mit „bio“ werben, auch wenn der Tabak selbst tatsächlich ökologisch angebaut wurde. So hat es der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe entschieden, dabei ist in der Europäischen Bioverordnung das Thema Gesundheit gar kein Kriterium. Das musste die bekannteste „Öko“-Zigarettenmarke American Spirit erfahren, die übrigens – entgegen der landläufigen Meinung – nur für ihre „Organic“-Linie auch ökologisch angebauten Tabak verwendet. Immerhin versucht die Santa Fe Natural Tobacco Company (mittlerweile ein Teil des Tabakkonzerns R.J. Reynolds Tobacco Company (Camel)), den gesamten Anbau umweltfreundlicher und sozialer zu gestalten. Und – das ist vor allem für die Gesundheit entscheidend – es wird auf die unzähligen giftigen Zusatzstoffe verzichtet.

Richtig positiv aus dem Zigarettenregal sticht einzig die Marke Yuma hervor. Sie trägt – das ist wohl das höchste der Gefühle – immerhin ein Zertifikat des anerkannten Schweizer Instituts für Marktökologie (IMO). Das ist die Marke meiner Wahl: fair gehandelt und – pssst – aus Bio-Tabak: ohne Pestizide, ohne Zusatzstoffe und ohne Kinderarbeit. Immer noch nicht gesund, aber zumindest für die Produzenten eine echte Verbesserung ihrer Lebens- und Arbeitsbedingungen: Ein kleiner Zug für die Lunge und ein großer Schritt in Richtung nachhaltige Landwirtschaft.

Weitere Informationen:

Report Umweltrisiko Tabak – von der Pflanze zur Kippe des Deutschen Krebsforschungszentrums: http://www.dkfz.de/de/presse/pressemitteilungen/2009/dkfz_pm_09_59.php

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11 thoughts on “Auf eine Zigarette mit evidero

  1. Früher zog man sich den Tabak am Bahndamm selber hoch, Rothändle und Reval waren Wirtschaftswundermarken, es bestand die Möglichkeit, für eine Packung Zigaretten wer weiß was einzutauschen. Heute ist Moral die konvertierbare Währung geworden und man dealt sich weiter durch die Landschaft, dies mal mit korrekten Zigaretten. Warum nicht – die Sucht ist geblieben, wenn auch hübsch verpackt. Und ja – auch ich habe mal geraucht und bin froh, es nicht mehr zu tun.

  2. Interessanter Artikel! Ich rauche zwar seit einiger Zeit nicht mehr – bis dahin habe ich aber immer in gutem Glauben American Spirits geraucht. Sollte ich irgendwann mal wieder zur Zigarette greifen, wird also Yuma (vorher noch nie gehört!) die Marke meiner Wahl sein.

  3. hallo herr mertz,
    was kostet denn so ne lässige schachtel yuma, gibts die in jedem laden? wenn nicht, wo darf ich denn beziehen? – direkt über sie?
    gruß

    • Nee, Herr Qualminger, pardon, Qualtinger, ich handle nicht mit Drogen. Die Kippen gibt es im gut sortierten Rauchwarenhandel oder im Bioladen, aber freilich nicht in jedem, finde sie auch nur hin und wieder. Kosten: 5,50 die Packung (19 Stück), also durchaus im Rahmen!

      Beste Grüße
      T. Mertz

      • es ist ihnen aber schon klar, dass sie hier eine zigarette bewerben, die in ihren nikotin-, kondensat- und kohlenmonoxidwerten mindestens genau so hoch (teileise höher) als "übliche" zigaretten liegen?
        gruß

        • damit haben Sie leider Recht – aber klar ist auch, dass Rauchen immer ungesund ist und unbedingt immer nur in Maßen genossen (!) werden sollte. Wer die Hauptbestandteile nicht in seine Lugen lassen will, der sollte eben nicht rauchen. Und ob zwei Zigaretten 0,5 oder 0,9 mg Nikotin enthalten ist sicherlich ohnehin unerheblich. Bei einer Packung am Tag sieht das schon anders aus. Außerdem hoffe ich, dass mein Beitrag NICHT als WERBUNG verstanden wird. Drauf möchte ich ausdrücklich hinweisen…

          • ihr beitrag IST werbung! nichts anderes! darauf möchte ich hinweisen.

          • das ist doch albern und falsch: Nicht einmal Schleichwerbung ist dieser Beitrag, da kann ja nun der Autor nix dafür, wenn diese eine Marke die einzige mit einem Siegel ist – sollte er sie deshalb EXTRA NICHT nennen? damit er nicht in den Verdacht gerät Werbung zu machen? Aber interessant, dass auch das Benennen eines Tabus wieder die gleichen Reflexe hervorruft … Herr Qualtinger, da hatte ich mehr von Ihnen erwartet (nach ihren übrigen Kommentaren zu anderen Artikeln)

            PS: es wurde noch nirgendwo festgestellt, dass eine "stärkere" Zigarette schädlicher ist als eine "leichte", die Studien gehen darüber völlig auseinander, heutige Risikoforscher rechnen eher mit der Gesamtzahl an Zigaretten in einem Leben als mit zweifelhaften Milligrammangaben eines Naturprodukts …

          • lieber herr peter, wenn mein ruf bei ihnen nun schon ruiniert ist, darf ich sie ja sicher auch noch nach ihrer, entweder naivität, oder schlimmerem im sinne ihrer wahrnehmung von eindeutigem abfragen? was meinen sie?

  4. Sehr schön geschrieben! Ich gehöre eigentlich auch zu den Radikalen, die am liebsten den ganzen Kreislauf des Tabakanbaus und -konsums ausheben würden. Aber ich muss zugeben, dass, wenn der Stopp der Tabakproduktion auf kurze und mittlere Sicht leider schon nicht machbar ist, (jemals?), dass der bewußte Konsum vielleicht schon etwas bewirken könnte.
    Aber was mich noch so sehr am Rauchen bzw. den Rauchern stört, ist, sind die FILTER. Die liegen überall rum und vergiften weiter die Luft, in Bushaltestellen zum Beispiel, in irgendwelchen Ritzen, wo selten/nie geputzt wird. Die Filter allein sind schon eine Riesensünde für die Umwelt! Ich wäre schon froh, wenn die Raucher, so ungern ich sie erdulden muss, wenigstens ein richtiges Naturprodukt zu sich nähmen.

  5. Hallo hier Picou, ich bin Raucherin und habe solange es sie gibt Zigaretten ohne Zusatz geraucht. Durch Zufall bin ich auf Yuma gestoßen.DDer Preis ist Ok, da ich mit einer Packung ca.4Tage auskomme

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