Berlin- Stadt der Möglichkeiten

Nachhaltigkeits­rallye durch Berlin

„Berlin – Hauptstadt der Möglichkeiten", sagt Dr. Michael LaFond, Chef des Instituts für kreative Nachhaltigkeit. Nachhaltigkeitsrallye durch Berlin.

Taugt die Hauptstadt als Vorbild für die Metropole der Zukunft?

Das Web-TV-Magazin von evidero ist kurz, knapp und informativ – für manche Themen bleibt da zu wenig Zeit, um ihrer Vielfalt gerecht zu werden. Deshalb hier die Nachhaltigkeitsrallye per Rikscha durch Berlin – diesmal in voller Länge.

„Berlin – Hauptstadt der Möglichkeiten”, sagt Dr. Michael LaFond, Chef des Instituts für kreative Nachhaltigkeit. Der Wahlberliner aus Seattle sieht die Stadt im permanenten Umbruch, große stadtplanerische Sünden Seite an Seite mit Hoffnung machenden Ansätzen.

Sein Institut veranstaltet Stadt-Touren für ein internationales Publikum. Die Besucher lernen Berlins „grüne“ Seiten kennen und besuchen Orte, die besonders sind im Sinne der „creative sustainability“. Für evidero startet Michael LaFond zu einer speziellen Nachhaltigkeitsrallye per Rikscha. Seine Frage:

Ist die Hauptstadt zukunftsfähig?

Autor

David Vehreschild

David Vehreschild ist freier Autor und Inhaber von weltrekord-tv...

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Ist sie also gewappnet, Berlinern und Besuchern, unzähligen Menschen aller Kulturen, Generationen, Ausbildungen und Vermögensverhältnisse auch in Zukunft  lebenswerten Raum zu bieten? Gesunde Lebensumstände? Friedliches Miteinander? Geistige Wachstumsmöglichkeiten? Der Nachhaltigkeits-Doktor beginnt im Regierungsviertel. Die dort verbauten Umwelttechnologien – wie etwa die integrierte Solaranlage im Paul-Löbe-Haus – gefallen ihm besser als die Politik der Regierung: „Super Technologien – aber sie sind nicht sichtbar gemacht! Um voranzukommen, muss man das kommunizieren: Was ist hier oben auf dem Dach? Was ist hier im Keller? Was ist hier nachhaltig am Haus?“

Michael LaFond glaubt an die Kraft der Symbole. Deshalb sieht er auch in der Quadriga auf dem Brandenburger Tor ein zweifelhaftes Zeichen für Macht und Krieg. Wenn es nach ihm ginge, würde dort ein Mann in einer Fahrradrikscha thronen – Symbol des anstehenden Zeitenwechsels. Immerhin haben die Berliner Aktivisten erreicht, dass der Platz um das Brandenburger Tor zur Fußgängerzone wurde.

Das Parlament der Bäume und andere Alternativen

Die kreative Seite Berliner Bürgerwillens findet LaFond im Parlament der Bäume. Auf einem Teilstück des ehemaligen Todesstreifens mahnt der Künstler Ben Wargin, Berlins Vergangenheit nicht aus den Augen zu verlieren und nicht alle Freiflächen sofort mit Glaspalästen zu bebauen. Dieses Anliegen teilen die Aktivisten im Zeltdorf der occupy: Berlin-Bewegung. Sie wollen die letzten Stücke Niemandsland in der City besetzen – für die Allgemeinheit. An Berlins erstem Mehrfamilien-Passivhaus hat Michael LaFond sogar selbst mitgearbeitet. Es verbindet ökologische mit sozialen Alternativen: Hier leben mehrere Generationen unter einem Dach und unterstützen sich gegenseitig – ein Mittel auch gegen die Vereinsamung im Alter.

Michael LaFonds Favorit ist die Kapelle der Versöhnung, ein Gotteshaus aus Recyclingmaterial. Sie ist erbaut mit den Steinen einer alten Kirche, die im Todesstreifen stand und deshalb zu DDR-Zeiten gesprengt wurde. „Das ist mein Lieblingsprojekt im Sinne der kreativen Nachhaltigkeit. Eine interessante Idee – für Kirchen, aber vielleicht auch für Konsumtempel – wie wir aus alten Sachen etwas Neues machen können.“

Platz für Ideen hat Berlin immer.

 

One thought on “Nachhaltigkeits­rallye durch Berlin

  1. Nachhaltigkeit und Kunst, kein unbekanntes Thema aber recht neu und noch vielschichtig offen, ausgehend von der sozialen Revolution der Kunst "soziale Plastik" entwickelte sich hier überall in der Welt eine besondere Art der Kommunikation über die substanziellen Werte, heißt, Gesellschaft umzugestalten im Komplex der Technologie und systematischen Arbeit an Prozessen, die für die Zukunft Wege weisen, Kreativität zur Eigengestaltung der Umwelt nachhaltig aufzeigen, Potenziale wecken durch den spielerischen Umgang mit den Materialien. Noch nachzuhaken wäre hier aber besonders, die Nachhaltigkeit mit natürlichen Ressourcen zu fundamentieren, die Kunst bezieht sich zu einem großen Teil hier noch auf Materialien, die umweltbezogen problematisch erscheinen. Das liegt jedoch an der Vorgabe, gut, der Weg ist bereitet. Wiederum ist für die Zukunft Bewusstsein zu schaffen, Dinge in die Kreativwirtschaft einzubeziehen, die in Gemeinschaften aufgeblüht und weiter getragen werden, Krisenflächen, ökologische, ökonomische Sonderpositionen, problematische urbane Zonen, das sind die Orte, die besetzt und gestaltet werden und dem Anspruch der nachhaltigen Entwicklung standhalten sollen. Nachhaltigkeit heißt hier, Arbeit mit Menschen vor Ort, Bezüge schaffen, Orte finden, Orte nach vorne zu bringen, mit neuen Ideen für eine gerechtere Umwelt zu besetzen, gemeinschaftlich einen Konsens finden für ein harmonisches Zusammenleben unter besonderen Bedingungen, es gibt KünstlerInnen die sich seit Jahren diesem Ziel verschrieben haben, erfolgreich umsetzen und für mich zu den Neuen Kreativen des Jahrhunderts zählen. Es ist die neue Avantgarde, die hier realistische und erfolgversprechende Ziele künstlerisch nachhaltig absteckt. So arbeiten manche KünstlerInnen schon seit einiger Zeit im ländlichen wie städtischen Raum mit konstruktiven Ansätzen für eine sanfte Umwelt, ein nachhaltiges soziales Gefüge und eine potenzielle Hilfe zur Selbsthilfe. Anschaulich stellen sich die Projekte mit umfangreichen Wissen über die Situationen vor Ort dar und liefern neue Ansätze. Die KünstlerInnen beziehen ihr Werk auf Veränderung und Transparenz, Klarheit und Objektivität durch Subjektivität, der Mensch im Vordergrund, der soziale Komplex als Aufgabe und Ziel, Räume geben den Begriffen tiefe, Räume bilden Beziehungen und stellen im Vergleich Wertigkeiten her. Spielerisch und gezielt einwirkend auf die Lebensbereiche gilt es künstlerisch immer neue Ansätze zu entwickeln, ein große Herausforderung. So läßt sich die Avantgarde nie endgültig einfach handhabbar von Außen definieren, sie definiert jedoch sich selbst und das nachhaltig.

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