Umstrittenes Plakat von Hebammen: Zu viel Natur für die Stadt – Umstrittene Plakate der Hebammen für Deutschland

Im Kampf um die Zukunft der Hebammen wurde ein Werbeplakat mit einem Neugeborenen erstellt. Nun gibt es Streit, ob dieses aufeghängt werden darf.
von Annette Bonse
Plakat der Hebammenmoculade design, rosskamp design © für Deutschland e.V.

Streit um ein Protestbild mit einem Neugeborenen. Das Außenwerbeunternehmen DEGESTA befürchtet zu viel Gerede und wollte das Plakat der “Hebammen für Deutschland” nicht aufhängen.

Protestplakat Hebammenmoculade design, rosskamp design © für Deutschland e.V.
Umstrittenes Plakat der “Hebammen für Deutschland”

Was auf dem Poster zu sehen ist, gehört eigentlich zu den natürlichsten Dingen der Welt: Ein neugeborenes Baby. Doch es liegt nicht, eingehüllt in ein flauschiges Handtuch, in den Armen seiner Mutter. Stattdessen ist es nackt und etwas verschmiert (so wie wir alle einmal ausgesehen haben) – und das Neugeborene wird allein von seiner Nabelschnur im leeren Raum gehalten. Unter diesem Sinnbild der Schutzlosigkeit die Message: „Ohne Hebammen hängen wir in der Luft“.

Ein Bild, das anstößt

Mit dem Poster will der Verein „Hebammen für Deutschland“ anlässlich des Internationalen Hebammentages am 5. Mai auf die schwierigen Arbeitsbedingungen und die schlechte Bezahlung des Berufsstands aufmerksam machen. Laut der Vorsitzenden Nitya Runte, soll das Plakat „aufrütteln“ und „Menschen dazu bringen, darüber zu reden“. Zuviel Gerede befürchtete jedoch das Außenwerbeunternehmen DEGESTA, das vom Verein mit der Plakatierung in Bonn beauftragt worden war. Zwar erklärte das Unternehmen, die Arbeit der Hebammen „in keiner Weise boykottieren“ zu wollen – man fürchte aber aufgrund der „extremen Darstellung“ die „Erregung öffentlichen Ärgernisses“ – und lehnte den Auftrag ab.

„Öffentlicher Ärger“ angesichts eines Babys?

Eine begründete Befürchtung? Traurig, wenn dem so wäre, finden die Hebammen – schließlich zeigt das Plakat lediglich den Beginn eines neuen menschlichen Lebens so wie er tatsächlich ist. Ein alltäglicher Anblick in der Geburtshilfe – aber zu viel für die Fußgängerzone?

Die „Hebammen für Deutschland e.V.“ haben schließlich doch noch einen anderen Anbieter gefunden, der sich bereit erklärt hat, das Plakat aufzuhängen. Bleibt abzuwarten, ob es unter den Bonnern tatsächlich Menschen gibt, bei denen das Bild eines gerade zur Welt gekommenen Babys Ärger erregt.

Autorin: Annette Bonse
Annette Bonse hat ihre Kindheit und Jugend in Deutschlands Metropole der Wutbürger verbracht. Da von Stuttgarts revolutionärem Geist zu dieser Zeit noch nicht viel zu spüren war, verschlug es sie auf der Suche nach Alternativen zur schwäbischen Beschaulichkeit unter anderem nach Kansas, Montpellier und Guatemala...


  • Irina

    Ich kann es überhaupt nicht verstehen, es werden so viele Plakate aufgehängt, die meiner Meinung nach wirklich unter der Gürtellinie sind. Ich finde das Plakat gut und passender könnte es nicht sein, wenn man das plakat mit Blümchen und co. verziehren würde, würde es nie so ankommen wie es sein soll. Und ich finde es höhste das Problem der Hebammen zu verkünden und viele Bürger darauf aufmerksam zu machen!!!
    Lg Irina

  • Jenny

    Die Tatsache das schon viel über das Bild diskutiert wird, zeigt doch einfach das es GENAU das RICHTIGE ist. Es fällt auf und regt zum nachdenken und diskutieren an. Es freut mich das sich doch noch ein vernünftiger Anbieter gefunden hat der das Plakat aufhängt. Meiner Hebamme hab ich es zu verdanken das ich bereits 2 Wunderbare Hausgeburten erleben durfte. Ein 3.Kind ist nun unterwegs und ich hoffe sehr das meine Hebamme noch weiterpraktiziert für eine erneute Hausgeburt zum Jahreswechsel 🙂