Transport mit dem Fahrrad: Vom Drahtesel zum Packelefanten

Wer kein Auto besitzt, muss schwere oder sperrige Gegenstände irgendwie anders transportieren. Mit der richtigen Ausrüstung geht das mit dem Fahrrad.
von Volker Eidems
Transport mit dem Fahrrad© sashkalenka - Fotolia.com

Wer tägliche Strecken mit dem Fahrrad zurücklegt, wird auch in die Situation geraten, Einkäufe oder größere Gepäckstücke befördern zu müssen. Die Getränkekiste, die im Porsche 911 schon Probleme macht, ist auch für den Transport auf einem klassischen Fahrrad nicht perfekt designt. Doch es gibt auch hier Wege, die Lademöglichkeiten zu erhöhen.

Von Packtasche bis Vorderrad-Gepäckträger

Am einfachsten und bei vielen als ständige Begleiter anzutreffen sind die guten alten Sattel- oder Packtaschen. Moderne Systeme verfügen über Klemmsysteme, durch die sich die Taschen mit nur einem Griff vom Gepäckträger abnehmen lassen.

Für längere Touren empfiehlt sich eine dritte Tasche, die quer über die Seitentaschen gelegt wird. Wetterfeste Modelle von Fahrrad-Ausrüstern kosten eine ganze Stange Geld, wer sparen will sollte sich auf den Weg in einen Motorradladen machen: Bei vergleichbarer Qualität kostet wasserdichte Ausrüstung hier oft nur einen Bruchteil, sofern es keine exklusive Ledertasche im Easy-Rider-Style ist. Praktisch sind auch Fahrradkörbe, die links oder rechts vom Gepäckträger angebracht werden und die sich bei Nichtgebrauch einfach wegklappen lassen.

Wer sich kein Bäcker- oder Postrad leisten will, der kann auch über den Vorderrad-Gepäckträger nachdenken. Das Fahren erfordert zwar eine gewisse Umstellung, wenn im Lenkerbereich Lasten transportiert werden, die Gestelle sind aber leicht zu montieren und kosten nicht die Welt. Allerdings sind sie in der Regel nicht für Fahrräder mit Federgabel geeignet.

Transporträder und Lastenräder

Transporträder sind in vielen deutschen Städten auf dem Vormarsch und greifen damit eine Tradition auf, die mit der Massenverbreitung des Automobils verdrängt wurde. Es gibt Zwei- und häufiger Dreiräder, mit Gepäckkästen vorn oder hinten, in denen Kinder, Getränkekisten, Einkäufe oder das Musik-Equipment Platz finden.

Zweirädrige Transporträder haben meist einen sehr langen Radstand, was sie weniger wendig als normale Fahrräder macht. Werden schwere Lasten transportiert, sollte außerdem auf eine gleichmäßige Gewichtsverteilung links und rechts geachtet werden.

Transporträder sind sehr praktisch, haben im Vergleich zum Fahrrad aber zwei Nachteile: Zum Einen sind sie verhältnismäßig teuer, unter Anderem aufgrund der meist kleinen Stückzahlen, die produziert werden, aber auch, weil ihre Rahmen verstärkt sind und bessere Bremskomponenten etc. verbaut sein sollten.

Zum Anderen sind sie recht schwer. Insbesondere wenn stabile Transportkisten fest verbaut sind, wird man wohl keine längeren Radtouren damit unternehmen wollen. Eine gute Gangschaltung mit niedrigen Gängen sollte am Transportrad also auf keinen Fall fehlen.

Eine etwas leichtere Alternative bieten alte Bäcker- oder Posträder, die über große und stabile Vorder- und Hinterrad-Gepäckträger verfügen, auf die bei Bedarf Körbe oder Kisten geschnallt werden. Leider verkauft oder versteigert die Post ihre ausgedienten Modelle nicht (mehr), nach Angaben der Pressestelle gehen die Räder direkt in die Verschrottung – sehr schade, so bleibt einem nur der Weg über Kleinanzeigen und Auktions-Plattformen.

Mein Favorit: Der Fahrrad-Anhänger

Mit einem Lastenrad legt man sich fest und bindet seine Investition an ein Gefährt, das für weite Touren nicht besonders gut geeignet ist. Mir persönlich ist da der Transportanhänger lieber, den ich bei Bedarf an- oder abkuppeln und an verschiedene Räder hängen kann.

Während Kinderanhänger mittlerweile zum Standard gehören, sind die leichteren reinen Transportanhänger noch immer selten anzutreffen. Am komfortabelsten sind sogenannte Monoglider, einrädrige Anhänger, die an beiden Seiten der Hinterachse des Zugfahrrads angebracht sind. Mehr Platz bieten die zweirädrigen, die entweder mit einer Kupplung an der Hinterachse oder an der Sattelstange befestigt werden. Bei letzteren lässt sich dann jedoch der Gepäckträger nicht mehr nutzen, für mich ein klares Ausschlusskriterium.

Auf ebener Strecke macht sich ein Anhänger für den Fahrer kaum bemerkbar, schwieriger wird es bei Steigungen. Durch die ineffizientere Gewichtsverteilung zwischen Zugfahrzeug und Hänger wirkt der beladene Anhänger hier wie ein Bremsklotz.

Doch es gibt auch hier eine Lösung namens Schubanhänger. Wer elektrischer Unterstützung gegenüber aufgeschlossen ist, sollte sich die Modelle von Bergfix und Bobtec genauer ansehen. Der motorisierte Anhänger funktioniert wie ein Antrieb beim Pedelec, er unterstützt also, wenn der Fahrer in die Pedale tritt, und schiebt von hinten. Über Rekuperation, der Energie-Rückgewinnung, kann der Anhänger bei Bedarf auch das ganze Gespann abbremsen und die dabei freiwerdende Energie zum Wiederaufladen des Akkus verwenden.

Auch Schubanhänger lassen sich einfach an verschiedene Räder an- und abkoppeln, leider gibt es bisher keine klare Rechtslage zu ihrem Gebrauch, weil motorisierte Hänger in eine Gesetzeslücke fallen. Das kann im Fall eines Unfalls zum Verlust des Versicherungsschutzes führen, ganz sicher fährt man also derzeit nur auf Privatwegen.

Volker Eidems (Soziologe M.A.) ist gern unterwegs, am liebsten mit dem Rad. Wenn die Strecken aber zu lang oder die Koffer zu groß für den Fahrradanhänger sind, nutzt er möglichst das ökologischste alternative Verkehrsmittel – und das ist gar nicht so einfach zu ermitteln...
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