Transalp-Erfahrungen: Mit dem Mountainbike durch die Alpen – Die erste Teilstrecke

Personal Trainer Bernd Schiermeister berichtet von seiner Radtour durch die französischen Alpen. Eine Woche, 450 km, 10.000 Höhenmeter.
von Bernd Schiermeister
Endlich wieder bergab@ Bernd Schiermeister

Steile Klippen, schmale Pfade, atemberaubende Landschaftsbilder. Eine Gruppe von Mountainbikern sucht sich ihren Weg – oder, wie sie es nennen: ihren Trail – durch die französischen Alpen. Ihr Teamleiter, Bernd Schiermeister, berichtet bei evidero von der Tour, den Schwierigkeiten, und warum es sich trotz allem gelohnt hat. Heute: Tag eins bis drei!

Zuerst möchte ich Ihnen einmal unsere Truppe vorstellen: Vier  – sagen wir mal – leistungsorientierte Hobbysportler zwischen 35 und 50, die sich gemeinsam durch die Alpen kämpfen wollen. Dass die Gruppe so “klein” ist, liegt vor allem an der Infrastuktur auf dem Weg: Mit zu vielen Personen wird das Übernachten schwierig. Das Limit für meine Touren liegt bei acht Teilnehmern.

Angeregt durch den Trail “Chemins du Soleil”, eine bekannte Mountainbike-Strecke in Frankreich, habe ich mir eine individuelle Route von Sisteron nach Sospel überlegt. Der Trail liegt im Bereich Alpes Maritim, ganz im Süd-Osten Frankreichs. Als Reisezeit hatte ich mir Ende August ausgesucht, das Wetter ist dann stabil, aber auch sehr warm. Das Gepäck von etwa neun Kilogramm transportieren wir übrigens auf dem Rücken und lassen es uns nicht etwa hinterher-transportieren.

© Bernd Schiermeister © Bernd Schiermeister

Der erste Tag

Unsere Tour begann an der „Porte de la Provence“ in Sisteron. Das Dörfchen am Fluss Durance bietet eine sehr beeindruckende Landschaft: Die bizarren Fels-Massive und die Zitadelle aus dem 16. Jahrhundert auf 500 Metern Höhe haben uns zum Schwärmen gebracht. Ach ja, eigentlich wollten wir doch biken.

Zu Beginn der Reise lachte uns gleich die Sonne an. Nach einer kurzen Runde durch den Ort und einer kleinen Straßen-Etappe geht es über eine Brücke ins Gelände. Geröll, Steigungen und dann wieder Geröll. Soll das so weitergehen? Nein, wir kommen in einen Pinienwald. Der Untergrund der Single-Trails, so nennt man die schmalen Mountainbike-Pfade, besteht nun aus Waldboden, Felsen, Lava und Kalkstein. Herrlich zu fahren! Keine größere Steigung, schöne schmale Trails. Nachher kommen ein paar Passagen, auf denen wir die Räder schieben müssen, aber darauf waren wir vorbereitet. Ich stelle fest: Die Zeit reicht nicht. Die Durchschnitts-Geschwindigkeit ist weitaus geringer als geplant. Später auf einem Straßenstück können wir den Rückstand zum Glück wieder wett machen.

Den ersten Etappenort Digne Le Bains erreichen wir um 18 Uhr. Es ist ein Badeort und wird Hauptstadt des Lavendels genannt. Das Umland mit den Lavendelfeldern hat der Stadt den Namen gegeben. Über der malerischen Altstadt thront die Kathedrale St. Jerôme mit dem typischen provencealischem Glockenturm. Der Lavendel war bereits in griechischer und römischer Zeit in der Provence bekannt und wurde im 19. Jahrhundert wiederentdeckt. Er wird heute für Parfümerie, medizinische Produkte und Körperpflege verwendet.

Die Sonne bleibt uns übrigens auf der ganzen Tour treu. Die Temperaturen liegen immer über 27 Grad, manchmal gar bis 35 Grad. Aber in den Bergen ist die Luft trotz der Hitze sehr angenehm.

© Bernd Schiermeister © Bernd Schiermeister

Der zweite Tag

Wir biken am nächsten Tag gut gelaunt den Bergen entgegen. Nach einer kleinen Bachdurchfahrt kommen wir in das Waldgebiet “Dominale de Coussonen Foret”. Schmale Single-Trails winden sich durch einen dicht bewachsenen Nadelwald. Es gibt einige “Schiebepassagen”. Der Trail bringt einen ein wenig aus der Puste, ist aber gut befahrbar. Die Abfahrt hingegen ist schwierig – vor allem mit Reisegepäck auf dem Rücken – und zwingt uns einige Male zum Absteigen. Der Pfad besteht aus Geröll, ist sehr schmal und links geht es steil bergab. Aber wir genießen ein sehr schönes Panorama und sind nun bis auf 1205 Meter über Normalnull (NN) angestiegen, beziehungsweise gefahren. Über einige Ortschaften geht es hinunter bis nach St. Andres les Alpes, wo wir ein familiäres Quartier gebucht haben. Der Ort ist lebhafter als der Rest der Bergregion, das liegt wohl am nahe gelegenen Lac de Castilion, einem beeindruckend türkis leuchtenden Stausee. Den Abend genießen wir in der Dämmerung bei Live-Musik und einem Gläschen Wein.

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Der dritte Tag

Für den nächsten Tag habe ich bewusst eine kleinere Etappe, circa 30 Kilometer lang, ausgewählt. Nach einem schönen Frühstück geht es vom Tal du Verdon (900 Meter über NN) bis hoch zu dem Ort Courchons (knapp 1.300 Meter über NN). Der Schotterweg ist prima, aber es geht bergauf. Doch wir sind schließlich auch hier, um Sport zu machen – und nicht, um die Füße hochzulegen.

Oben angekommen werden wir durch den Ausblick belohnt. Blicken wir zurück, sehen wir das Tal des Flusses Verdon und unsere Übernachtungs-Ortschaft St. Andres les Alpes. Blicken wir nach links, sehen wir den Stausee, der Touristen anzieht wie die Fliegen. Wir erreichen nun den Eingang zum Geogres du Verdon, der Verdonschlucht. Der Fluss Verdon zieht sich durch das Bergmassiv und hat dabei eine der schönsten und eindrucksvollsten Schluchten der Alpen geschaffen.

Wir kontrollieren noch einmal unsere Bikes und vor allem die Bremsen. Es geht bergab. Ein einzigartiger, aufregender Trail. Bei 700 Metern über NN bleibt unser Höhenmeter stehen. Wir sind in Castellane. Im Schatten der Kirche erfrischen wir uns mit dem Wasser des Brunnens. Da wir zeitig angekommen sind, nutzen wir die Gelegenheit und relaxen ein wenig am Fluss Verdon. Die kleine Gemeinde wimmelt nur so von Touristen. Hoch über Castellane thront die Kirche Notre Dame du Roc auf dem 184 Meter hohen Kalkfelsen. Wir finden eine liebevoll eingerichtete, fast schon luxuriöse Unterkunft vor und lassen zufrieden den dritten Tag ausklingen. Die Hälfte hätten wir geschafft!

Lesen Sie im nächsten Teil, wie unsere Radtour weiterhin verlaufen ist. Und wenn ich Sie neugierig gemacht habe: Im März leite ich ein Sportcamp in Nordholland, den entsprechenden Service finden Sie unter diesem Artikel. Schauen Sie doch einmal rein!

Bernd Schiermeister ist Personal Trainer im Bereich Fitnesstraining. Seine Schwerpunkte liegen beim Radfahren, Rumpftraining, Laufen, Wandern und Rückentraining...