Karriere-Tipps am Weltfrauentag: Hop oder top im Job – der Sprachstil macht den kleinen Unterschied

Männer und Frauen leben vor allem am Arbeitsplatz in verschiedenen Sprachwelten. Frauen, die beide Sprachsysteme beherrschen, können bewusster kommunizieren und daraus berufliche Vorteile ziehen.
Jutta Echterhoff
von Jutta Echterhoff
Chancen im Beruf durch den Sprachstil© animaflora - Fotolia.com

Seit Anfang 2016 sind große Unternehmen in Deutschland dazu verpflichtet, neue Aufsichtsratsposten mit mindestens 30 Prozent Frauen zu besetzen oder eigene Ziele für die Erhöhung des Frauenanteils in Management-Positionen zu definieren. Das klingt zunächst einmal gut. Doch der Weg dorthin bleibt für Frauen steinig.

Einer der Gründe liegt im unterschiedlichen Sprachstil der Geschlechter, der Frauen beim Aufstieg in die Chefetagen zum Stolperstein werden kann. Durchsetzungsvermögen und Führungskompetenz spiegeln sich eher im männlichen Sprachstil wider. Frauen, die das durchschauen, aufgreifen und mit ihrem Stil kombinieren, haben gute Karten für eine Weiterentwicklung im Unternehmen. Dazu muss man allerdings erst mal verstehen, wie Frauen und Männer in Punkto Kommunikation am Arbeitsplatz ticken.

Die Geschlechter kommunizieren anders

Während der männliche Sprachstil eher sach- und lösungsorientiert ist, legen Frauen mehr Wert auf die Übermittlung von Inhalten und die emotionale Beziehung zu ihrem Gegenüber. Das führt zu Verständigungsproblemen, Missverständnissen, Verunsicherungen und Frustrationen auf beiden Seiten. Frauen ziehen dabei in der Regel den Kürzeren, vor allem wenn es um die nächste Beförderung geht.

Männer sind sach- und lösungsorientiert

Männer stellen mithilfe ihres Sprachverhaltens gerne ihre Rangstellung heraus, das heißt, ihr Sprachsystem funktioniert vertikal oder auch hierarchisch. Inhaltlich ist der Stil direkt, sach- und lösungsorientiert. Ein Mann braucht Fakten. Mit der Aussage einer Kollegin „Ich finde, wir sollten zu dem Thema ein Meeting einberufen“, kann er nichts anfangen, ist eher verwirrt (gibt es jetzt ein Meeting oder nicht? Soll ich das einberufen oder macht sie das selber?).

Mit einer konkreten Ansage wie „Morgen um 12 Uhr machen wir ein Meeting“ weiß er, wo er dran ist. Die Kollegin hat sich jedoch (unbewusst) für eine höflichere Variante entschieden, weil sie auf kollegialer Augenhöhe kommunizieren wollte. Ihre Idee lässt Raum für Diskussionen, wirkt aber in den Augen des Kollegen (und Vorgesetzten) eher unsicher als nett.

Frauen benutzen Sprache nicht als Machtmittel

Das ist für viele Frauen ein echtes Dilemma. Sie schätzen ein angenehmes Arbeitsklima und möchten von ihren Kolleginnen und Kollegen gemocht werden. Sie benutzen Sprache weniger als Machtmittel als ein Instrument, um emotionale Nähe herzustellen.

Persönliche Informationen sind ihnen ebenso wichtig wie fachliche. Sie trennen die Sach- und Beziehungsebene nicht voneinander. Ihr Sprachsystem funktioniert horizontal und zeichnet sich durch non-hierarchische Regeln aus. Das ist in vielen Situationen ein Zeichen von Stärke, etwa wenn es darum geht, im Team zu arbeiten. Wenn es aber um die nächste Beförderung geht, werden diese Frauen gerne übersehen, während die vertikal kommunizierenden Kollegen an ihr vorbeiziehen.

Frauen hören besser zu und reden weniger

Eine echte Kernkompetenz von Frauen ist das Zuhören, was allerdings auch zu weniger Redeanteil führt. Sie unterbrechen weniger (wäre ja unhöflich) und sammeln Informationen, indem sie mehr Fragen stellen. Das kann zwar als neugierig und wissbegierig gelten, oder aber als unwissend oder unsicher. Auch rechtfertigen sie sich (auch in eMails) zunächst für ihre Vorgehensweise und kommen erst am Ende des Gesprächs oder der Mail auf die eigentliche Botschaft zu sprechen.

Männer werden an dieser Stelle ungeduldig, weil sie nach der Information suchen. Ihnen würde ein ja oder nein reichen, ohne Umschweifen. Zudem sprechen Frauen häufiger als Männer im Konjunktiv und in der Wir-Form („Wir könnten ja mal versuchen“ anstelle von „Ab jetzt machen wir das so und so“). Letzteres zeugt eher von Durchsetzungskraft und von Management-Kompetenz.

Eine Frau wird erst an dem Tag dem Mann wirklich gleichberechtigt sein, an dem man auf einen bedeutenden Posten eine inkompetente Frau beruft. – Francoise Giroud, französische Schriftstellerin und Politikerin (1916-2003)

Umgang mit Lob ist unterschiedlich

Auch der Umgang mit Lob ist anders. Männer brüsten sich mit dem Erfolg und schreiben ihn sich selbstbewusst auf die eigene Kappe, selbst wenn ein ganzes Team daran beteiligt war. Sie lenken auch das Gespräch auf ihre Erfolge und sind stolz auf ihre Leistung. Frauen hingegen nehmen Lob nicht so selbstverständlich an. Sie stellen ihr Licht häufig unter den Scheffel oder schreiben den Erfolg dem ganzen Team zu.

Auch hier lässt sich resümieren: Der Karriere ist dieses Verhalten nicht zuträglich.

Bewusste Kommunikation am Arbeitsplatz

Wie also sollen Frauen am besten kommunizieren? Sich den männlichen Sprachstil aneignen? Viele fühlen sich mit einem männlichen Sprachstil einfach nicht authentisch. Und wozu auch das hierarchische System adaptieren, wenn das eigene System auch seine Stärken hat. Eine gute Lösung ist die Kombination beider Stile. Voraussetzung ist, dass man die Unterschiede kennt. Eine geschärfte Wahrnehmung führt hier zu mehr Flexibilität in der eigenen Kommunikation, einer besseren Zusammenarbeit beider Geschlechter und schließlich zu einem Stolperstein weniger, der Frauen mit Karriereabsicht in den Weg gelegt wird.

Wie sind deine Erfahrung mit den unterschiedlichen Sprachstilen am Arbeitsplatz?
Wie setzt du dich am besten durch? Wir freuen uns auf deine Tipps.

Jutta Echterhoff
Jutta Echterhoff ist Kommunikationswissenschaftlerin mit Schwerpunkt PR, Content Marketing und Personal Branding. In ihrer evidero Rubrik echtSTARK! stellt sie Frauen vor, die durch einen bewussten Lebens- oder Arbeitsstil Außergewöhnliches leisten.

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