Die Kunst der Selbstliebe: Sei gut zu dir!

Menschen, die gut für sich selbst sorgen leiden weniger an Ängsten, Depressionen und Lebenskrisen. Wir erklären warum.
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von maaS Magazin
Gut für sich sorgen durch Entspannung © _chupacabra_ - Fotolia.com

„Tu deinem Leib Gutes, damit deine Seele Lust hat, darin zu wohnen“, riet die lebenspraktische Mystikerin Teresa von Avila den Menschen bereits vor 500 Jahren. Doch seien wir ehrlich: Es fällt uns auch heute noch erstaunlich schwer, im täglichen Leben gut zu uns selbst zu sein und fürsorglich und rücksichtsvoll mit uns umzugehen.

Anstatt uns in schwierigen Zeiten tröstend zur Seite zu stehen, reagieren wir mit harscher Selbstkritik und geißeln uns noch selbst. Anstatt unser Bedürfnis nach Ruhe ernst zu nehmen, jagen wir uns noch eine weitere Runde durch den geschäftigen Alltag. Und während wir dafür sorgen, dass es den Menschen um uns herum gut geht, vergessen wir nur allzu oft uns selbst. Kein Wunder also, dass wir uns erschöpft und überfordert fühlen.

Und so kommt die amerikanische Psychologin Kristin Neff in ihren Studien über Selbstmitgefühl zu der alarmierenden Schlussfolgerung: „Niemanden behandeln wir so schlecht wie uns selbst“. Die Forschungsergebnisse aus diesem neuen Wissenschaftsgebiet belegen, dass Menschen, die gut für sich selbst sorgen, sich weit schneller von Lebenskrisen erholen, weniger zu Ängsten, Depressionen und Burnout neigen und über mehr Selbstvertrauen verfügen.

Erst eine gesunde Portion Selbstliebe verleiht uns offenbar die nötige Gelassenheit und innere Stärke für die Bewältigung des Alltags und befähigt uns dazu, unser seelisches Gleichgewicht auch in den Stürmen des Lebens nicht zu verlieren.

Weshalb uns Selbstfürsorge so schwer fällt

Unser Leben wäre um vieles leichter, wenn wir uns in schwierigen und schmerzhaften Situationen Mitgefühl und Fürsorge entgegenbringen könnten. Wenn wir uns, anstatt uns selbst anzuklagen und zu kritisieren, selbst so behandeln würden, wie wir es mit geliebten Menschen tun.

Die wir ganz selbstverständlich in den Arm nehmen, sie trösten und ihnen Mut zusprechen. Warum geben wir uns nicht die Wärme und Zuneigung, die wir unseren Kindern, Partnern und FreundInnen so freigiebig verschenken? Weshalb lassen wir uns gerade dann, wenn wir unser Mitgefühl am dringendsten bräuchten, immer wieder selbst im Stich?

Aus psychologischer Sicht sind die Ursachen dafür in frühen Prägungen und Glaubenssätzen zu finden, die bis heute unser Leben bestimmen. Wir haben die kritischen Stimmen unserer Eltern und frühen Bezugspersonen verinnerlicht und zwar so tief, dass wir meinen, es wären unsere eigenen. Und immer noch gehorchen wir diesen Stimmen, die uns beharrlich einreden, dass wir so, wie wir sind, nicht gut genug wären, und die uns dazu antreiben, ein anderer, ein ‚besserer‘ Mensch zu werden.

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maaS ist ein Mut-Mach-Magazin mit Impulsen für ein erfülltes Leben. Die Herausgeberin Anita Maas möchte mit diesem etwas anderen Magazin Menschen inspirieren und ermutigen, ihren eigenen Weg zu gehen. Jede Ausgabe widmet sich einem Thema, das von allen Seiten beleuchtet wird.

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Wie wir gut für uns selbst sorgen können

Doch ist es möglich, diese alten Muster der Selbstzweifel und Selbstvorwürfe aufzulösen und im Gegenzug Selbstakzeptanz und Selbstfürsorge einzuüben? Die moderne Hirnforschung ebenso wie die Positive Psychologie beantworten diese Fragen mit einem klaren Ja.

Selbstliebe, auch wenn sie uns nicht mit der Muttermilch eingeflößt wurde, können wir jederzeit erlernen und in unser Leben integrieren. Die Hirnforschung spricht in diesem Zusammenhang von der „Neuroplastizität“, also der Formbarkeit des menschlichen Gehirns. Diese macht es möglich, dass wir bis ins hohe Alter negative Verschaltungen mit neuen positiven Erfahrungen überschreiben können, pessimistische Glaubenssätze mit optimistischen und kritische innere Stimmen durch liebevolle ersetzen können.

Machen Sie sich bewusst: Schon ein Augenblick, in dem wir mitfühlend und liebevoll mit uns selbst umgehen, kann unseren ganzen Tag verändern. Und viele solcher Momente können unserem Leben eine ganz neue Richtung geben.

Rituale der Selbstliebe

Der amerikanische Psychologe Christopher Germer empfiehlt, sich kleine Oasen der Selbstfürsorge und Rituale der Selbstliebe im Alltag zu schaffen. Er rät, bewusst Dinge zu tun, die unseren Körper entspannen, unseren Geist anregen und unsere Seele nähren.

Gut für sich selbst zu sorgen, macht unser Leben und das der Menschen um uns herum reich und erfüllt. Und es bewahrt uns in schweren Zeiten davor, auszubrennen. Psychologische Studien belegen, dass Menschen, die sich öfters mal selbst verwöhnen, über weit mehr Ressourcen und Widerstandskräfte verfügen als Menschen, die sich immer antreiben und an der kurzen Leine halten.

Denn ja, wir sind wichtig! Sehr wichtig sogar! Wir sind der einzige Mensch auf der ganzen Welt, mit dem wir unser gesamtes Leben verbringen. Jeden Tag, jede Stunde, jede Minute. Vom ersten Atemzug bis zum letzten. Was also spräche dagegen, uns selbst die Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, die wir verdient haben? Unsere Einzigartigkeit zu erkennen, uns selbst anzunehmen und wertzuschätzen und mit uns so umzugehen wie mit unserer besten Freundin oder unserem besten Freund: warmherzig, fürsorglich und rücksichtsvoll?

Kleiner Selbstfürsorgetipp: Es ist wichtig zu wissen, was einem gut tut. Das vergessen wir in der Hektik des Alltags nur allzu schnell. Hierfür empfiehlt es sich, in einer ruhigen Minute einmal alle Dinge aufzuschreiben, die dich entspannen und dir Freude bereiten. Und dann gilt es, diese auch zu tun! Markiere dir hierfür drei Dinge, die du in der nächsten Zeit in die Tat umsetzen wirst. Es mag hilfreich sein, sich die Liste an einen Ort zu hängen, wo du diese jeden Tag sehen kannst.

Selbstliebe ist die Grundlage jeder Liebe

Nur wer sich selbst liebt, vermag auch seine Mitmenschen wahrhaft zu lieben. Und nur wer gut für sich selbst und seine Bedürfnisse sorgt, kann auch gut für andere sorgen.

Wir aber sitzen häufig einem folgenschweren Denkfehler auf und befürchten, dass wir mit unserer Fürsorge für uns selbst anderen etwas wegnehmen würden. Dabei sind es gerade Selbstfürsorge und Selbstmitgefühl, die uns die Ressourcen zur Verfügung stellen, die wir für unsere liebevolle Präsenz in der Welt benötigen. Indem wir gut für uns selbst sorgen, sorgen wir gut für die Welt. Indem wir um die eigenen Kraftquellen wissen und diese immer wieder auffüllen, finden wir zu mehr Zuversicht, Gelassenheit und Lebensfreude, die wir dann auf unsere Umwelt ausstrahlen.

Deshalb: Sei gut zu dir!

Dieser Text ist ein Artikelauszug von Christa Spannbauer (M.A.) aus dem Magazin maaS No. 5 ‚Körper und Geist‘.

Alle Ausgaben des maaS Magazins können hier eingesehen und bestellt werden.
Bisher erschienen sind die Titel No.1 Beruf und Berufung, No.2 Frauen und Männer, No. 3 Leben und Sterben, No. 4 Ich und Gemeinschaft, No. 5 Körper und Geist. Das neue maaS Magazin Geld und Glück erscheint im September 2017.

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Autoren: maaS Magazin
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