Basisch essen ist besser essen: Basische Ernährung – aber richtig! Worauf es ankommt

Die basische Ernährung soll der Gesundheit helfen. Aber worauf ist bei der basischen Ernährung zu achten?
von Christian Strempel
Ist basische Ernährung mit viel Gemüse gesund? © skokanna0999 - Fotolia.com

Lebensmittel weglassen oder in bestimmter Menge zu sich nehmen? Basische Ernährung ist immer ein Thema, das polarisiert. Christian Strempel, Oecotrophologe und Koch, erklärt, worauf es bei der basischen Ernährung ankommt.

Seit langem und auch wohl noch in der Zukunft, wird über die richtige Ernährung für den Menschen diskutiert. Sofern keine Erkrankungen vorliegen, wird eine abwechslungsreiche und vollwertige Mischkost empfohlen, so wie Sie von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung definiert wird. Daneben existieren noch verschiedene andere Ernährungsformen. Das Konzept der Trennkost oder des Fasten berufen sich auf eine basische Ernährungsweise. Im folgenden Artikel stelle ich euch die basische Ernährung vor und diskutiere verschiedene Ernährungskonzepte mit einem kritischen Auge.

Der Säure-Basen-Haushalt als Grundlage unseres Stoffwechselsystems

Ein ausgeglichener Säure-Basen-Haushalt ist von zentraler Bedeutung für die Funktionen von Proteinen, der Zellen sowie die Durchlässigkeit der Zellmembranen. Am Ablauf sämtlicher Stoffwechselprozesse im Organismus ist der Säure-Basen-Haushalt beteiligt. Der Begriff Säure-Basen-Haushalt beschreibt die Regulation der Wasserstoffionenkonzentration H+ im Organismus. Ein Maß für die Konzentration ist der pH-Wert. Der physiologische pH-Wert im Blut liegt bei 7,4+/- 0,05. Der pH-Wert wird durch verschiedene Puffersysteme in diesem Bereich gehalten. Dazu gehören: Hydrogencarbonat und Hämoglobin.

Die meisten Organe und Sekrete liegen im leicht basischen Bereich (7,5-8) der Magen jedoch liegt im saurem Milieu. Das hat seinen Grund, Krankheitserreger in Lebensmitteln können durch das saure Milieu abgetötet werden, Eiweiße können für die Verdauung vorbereitet werden. An der Regulation des pH-Wertes sind neben den Puffersystemen auch die Lunge und Niere beteiligt. Über diese Organe werden die sauren H+ Ionen ausgeschieden.

Azidose und Alkalosen – Übersäuerung vom Sport

Eine Azidose (Übersäurerung) oder eine Alkalose können zu einer Störung des Säure-Basen-Haushalts führen. Meist sind Krankheiten die Ursache (entgleister Diabetes Mellitus oder eine Niereninsuffizienz) für eine Übersäuerung und nicht die Ernährung! Die Behandlung dieser Erkrankungen hat höchste Priorität.

Eine Übersäuerung kann auch durch intensiven Sport entstehen, das hat sicherlich jeder schon mal erlebt. Man kommt an einem Punkt, da fällt das Atmen schwer, die Muskeln geben nach und man muss die Aktivität abbrechen. Ein Zeichen dafür, dass der Körper nicht mehr in der Lage ist, die Säure abzupuffern. Brechen wir die Aktivität ab, normalisiert sich der pH- Wert schnell wieder.

Einfluss der Ernährung auf den Säure-Basen-Haushalt

Die Säurelast der Lebensmittel oder Kostformen hängt von der Art der Lebensmittel ab. Pflanzliche Lebensmittel wie Gemüse, Obst und Getreide haben eine geringe Säurelast und wirken alkalisierend. Tierische Lebensmittel wie Milchprodukte, Fleisch, Fisch und Käse haben einen säuernden Effekt. Um den pH-Wert des Blutes nicht abzusenken, puffert unser Körper die sauren Teilchen ab. Diese werden über die Atemluft und die Haut abgeatmet. Wie stark säuernd oder alkalisierend ein Lebensmittel wirkt, kann man am pH-Wert des Urins abmessen.

Basische Ernährung unter die Lupe genommen

Verschiedene Ernährungsformen haben sich der Basischen Ernährung versprochen. Die bekannteste unter Ihnen ist die Trennkost von Howard Hay. Auch das Fasten hat das Ziel, den Körper vor einer Übersäuerung und Schlacken zu schützen. In der Trennkost sollt ihr kohlenhydrat- und eiweißreicher Lebensmittel möglichst getrennt voneinander essen. Nach Hays Auffassung besteht der Körper zu 80 Prozent aus basenbildenden Stoffen, so sollte auch die Ernährung aussehen: 2/3 Basenbildner: Gemüse, Obst und Salate und 1/3 Säurebildner: Fleisch, Fisch und Käse sowie Kohlenhydrate. Beim Fasten geht es um eine Entgiftung und Entschlackung des Körpers. Vorrangiges Ziel der Fastenkuren ist eine Gewichtsreduktion.

Doch ist eine basische Ernährung, wie sie von Hay beschrieben wird, gesund?

Aus Expertensicht ist die Trennkost nur zu empfehlen, wenn ihr den Anteil von Getreideprodukten und Milcherzeugnissen sowie Fisch erhöht. Die kommen in der Trennkost nämlich zu kurz!

  • Milchprodukte (Calcium)
  • Fisch (Jod und n-3 Fettsäuren)
  • Getreideprodukte (Eisen, Folat)

Wird deren Anteil erhöht, ist die Trennkost als Dauerkost geeignet. Übrigens ist die Behauptung, Kohlenhydrate und Eiweiße zu trennen, wissenschaftlich nicht begründet. Eine Übersäuerung des Körpers unter normalen Bedingungen ist nicht möglich.

Vom Fasten kann ich allerdings nur abraten. Die Behauptung, es würden sich Schlacken im Körper anhäufen, ist nicht richtig. Der Körper scheidet Stoffwechselendprodukte nämlich aus. Der durch das Fasten ausgelöste Hungerstoffwechsel führt zu einer Ketogenese. Ketone entstehen durch den Abbau von Fetten, die Ketonkonzentration im Blut steigt. Dies führt zu einer Azidose!

Abschließende Bemerkung zur basischen Ernährung

Eine reine basische Ernährung kann von wissenschaftlicher Seite empfohlen werden, wenn ihr den Anteil von Milchprodukten und Fisch erhöht. Denn viele wichtige Nährstoffe (Calcium, Vitamin B12, Eisen, Jod, Vitamin D), die säurebildende Lebensmittel liefern, fehlen, dies wirkt sich wiederum negativ auf die Gesundheit aus!

https://www.dge.de/

Christian Strempel ist gelernter Koch, studierter Oecotrophologe und DGE zertifizierter Ernährungsberater...
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