Sharing im Internet

Sharing Society Teil 1

Von wegen asozial – heutzutage wird geteilt, was das Zeug hält. Evidero-Autorin Annette Bonse erkundet neue Formen des Teilens im Zeitalter des Web 2.0.
Geteilte NachrichtenFoto: Soeren Stache @ dpa

Ob Informationen, Verkehrsmittel, Arbeits- oder Schlafplätze: Heutzutage wird geteilt, was das Zeug hält. Annette  Bonse hat neue “Sharing”-Konzepte im Web 2.0-Zeitalter erkundet und teilt ihre Erkenntnisse.

Ständig lese und höre ich überall, dass wir (unsere Generation, „die Deutschen“, der Weltbürger an sich…) immer selbstbezogener werden. Für dieses Phänomen wurde inzwischen sogar ein eigener Namen geprägt: Die Ich-Gesellschaft. Gleichzeitig stoße ich  jedoch in letzter Zeit auf immer mehr Innovationen und neue Ideen, die eindeutig gegen diese pessimistische Weltsicht sprechen. Dabei finde ich vor allem auffallend, dass ein uraltes soziales Prinzip heutzutage wieder sehr in Mode kommt: Das Teilen. Gerade im  Web 2.0 (das ja häufig im Ruf steht, uns alle zu bildschirmfixierten Tunnelblick-Monstern zu machen) wachsen ständig neue Konzepte wie Pilze aus dem Boden, die alle auf dem Prinzip des Teilens basieren. Im Verlauf des Schreibens an diesem Artikel bin ich auf eine so große Vielzahl und Vielfalt solcher Ideen und Innovationen gestoßen, dass eine kleine Serie daraus entstanden ist: Eine Serie über neue Formen des Teilens. Es folgt: Teil 1.

Sharing via Facebook

Bloggerin: Annette Bonse

Annette Bonse
Annette Bonse hat ihre Kindheit und Jugend in Deutschlands Metropole der Wutbürger verbracht. Da von Stuttgarts revolutionärem Geist zu dieser Zeit noch nicht viel zu spüren war, verschlug es sie auf der Suche nach Alternativen zur schwäbischen Beschaulichkeit unter anderem nach Kansas, Montpellier und Guatemala...
Fangen wir klein an: Der Share-Button auf Facebook. Zugegeben, nicht alles, was die lieben Facebook-Freunde täglich teilen, ist des Sharings wirklich wert. Wenn Freund X mehrmals am Tag aktuelle Nachrichten über seinen Lieblingsfußballverein postet und kommentiert oder wenn Freundin Y das 795. Foto von ihrem 2-jährigen Sohn beim Verspeisen von wahlweise Spinat/Bananen oder Legosteinen hochlädt, kann die geteilte Freude/das geteilte Interesse bisweilen ziemlich nerven. An sich ist der Share-Button aber eine schöne Sache, weil man dadurch über Freunde und Bekannte von Events erfährt und auf Dinge stößt, von denen man sonst unter Umständen nie gehört hätte: Die Ausstellungseröffnung um die Ecke, ein neuer Song, ein interessantes Interview, Konzerte, Partys oder einfach nur ein witziger Videoclip, der einem öden Arbeitstag einen ganz neuen Kick verleihen kann.

Das Internet: Problemlöser Nummer 1

Allgemein bin ich immer wieder erstaunt darüber, wie freigiebig und selbstlos Menschen online ihr Wissen mit anderen teilen. Obwohl ein online gestellter Ratschlag Zeit kostet und keinen Cent einbringt, hat sich das Internet in den vergangenen Jahren zum größten Hilfsnetzwerk überhaupt entwickelt. Auch mit der blödesten Frage kann man sich vertrauensvoll an eine Suchmaschine wenden – denn von irgendwem wurde sie auf jeden Fall schon einmal beantwortet. Mir ist es zum Beispiel einmal passiert, dass sich beim Spülen zwei Töpfe ineinander verkeilt hatten. Ich versuchte mein Glück mit Spülmittel, Bratfett, schmiss das Topf-Paar mit Schmackes auf den Boden – doch ein paar Beulen später saßen die beiden Töpfe noch immer bombenfest ineinander. Bis ich schließlich auf die Idee kam, mich mit meinem Problem an Google zu wenden. Und siehe da: Unter „zwei Töpfe ineinander verkeilt“ fand ich zum einen heraus, dass meine Topf-Problematik ein weit verbreitetes Phänomen zu sein scheint (gibt man „zwei Töpfe“ ein, vervollständigt die Suchmaschine das „ineinander“ ganz automatisch). Und zum anderen fanden sich direkt auch haufenweise Ratschläge für meine verzwickte Lage. Für alle, die einmal in dieselbe Situation kommen sollten teile ich hiermit gerne die von mir erfolgreich getestete Lösung: Einfach die beiden Töpfe ins Gefrierfach stellen, danach lösen sie sich wie von Zauberhand.

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