Selbstbewusstsein aufbauen durch Verkaufen: Verkaufen ist Kraft­sport für das Selbst­bewusst­sein

Wie Sie über Verkaufen Ihre Alltags-Ängste verlieren und in Ihrer Persönlichkeit wachsen. Tipps von unserem neuen evidero-Experten Dr. Martin Morgenstern – nicht nur für Verkäufer
von Martin Morgenstern
Durch Verkaufsgespräche Ängste besiegenFoto: © AIMSTOCK

Mussten Sie schon einmal jemandem etwas verkaufen? Zum Beispiel einem Kunden ein Angebot Ihrer Firma? Ihrem Chef eine gute Idee, die Sie hatten? Oder gar eine Versicherung oder einen Staubsauger an völlig wildfremde Menschen? Häufig hat man Hemmungen, jemandem etwas anzudrehen, das derjenige wohlmöglich gar nicht haben will. Aber vielleicht will er es ja doch. Und wenn wir tatsächlich etwas verkaufen, wächst unsere Persönlichkeit und wir verlieren langsam die Angst davor, unser Gesicht zu verlieren. evidero-Experte Martin Morgenstern erklärt, wieso das Verkaufen auch gegen Alltags-Ängste nützlich ist.

Jeder Mensch ist von Hause aus mit verschiedenen hemmenden Ängsten ausgestattet. Sie haben den Sinn, den Organismus Mensch am Leben zu halten. Allerdings ist die Software für das Angst-Programm seit der Steinzeit nicht mehr weiterentwickelt worden. Und damals war es keine gesunde Idee, progressiv auf fremde Menschen anderer Stämme zu zugehen und sofort eine zielorientierte Kommunikation zu beginnen.

Das aber genau ist die Aufgabe beim Verkaufen. Dort gilt es (in der Regel fremde) Menschen anzusprechen und zu einem Geschäft zu bewegen. Ähnlich ist das Prinzip auch bei Vorträgen oder Präsentationen, nur dass man es dort sogar noch mit mehreren Personen zu tun hat.

Update für das Angst-Programm

So kommt es, dass die allermeisten Menschen sich nicht wohl fühlen, anderen etwas zu verkaufen. Sie fühlen sich gestresst und gehemmt. Bereits der Gedanke daran löst häufig bereits ungute Gefühle aus, die das Gehirn anweisen nach Auswegen zu suchen.

Mit der inneren Stimme werden diese Ängste häufig begleitet mit Sätzen wie: „Was soll denn der andere oder die anderen denken?“. Wahrscheinlich kennen Sie diesen Satz auch aus anderen Situationen aus Ihrem Alltag, wenn Sie andere ansprechen oder zu etwas bewegen wollten. Und die innere Stimme und das hemmende Gefühl Sie dann aber doch davon abhalten. Danach denken Sie dann häufig: „Hätte ich doch…!“. Wird diesen Ausflüchten dann stattgegeben, fühlt sich das Angst-Programm bestätigt und gewinnt an Macht. Nun ist es Zeit, dem Programm ein Update zu verschaffen!

Mit folgenden sechs Schritten geht es:

  1. Als erstes müssen Sie die Angst unbedingt akzeptieren, weil „Indianer ohne Schmerz“ sich einer angstauslösenden Situation nicht stellen können. Denn dies würde ja zu Angst führen und das wiederum wäre mit dem Ego dann nicht vereinbar.
  2. Wir müssen genau das tun, wovor wir Angst haben. Deshalb Angst annehmen (denn jeder hat sie!) und dann immer, wenn die innere Stimme  „Nein“ sagt, sich überwinden, „Ja“ sagen und einfach tun, was wir eigentlich lassen wollten. Wenn Sie also z.B. Angst haben neue Kunden anzurufen, dann rufen Sie neue Kunden an. Wenn Sie Angst haben die Abschlussfrage zu stellen, dann stellen Sie Abschlussfragen, etc…
  3. Damit das funktionieren kann, gibt es ein paar Tricks. Trick eins ist die mentale Vorbereitung. Den für Verhalten zuständigen Gehirnzellen ist es relativ egal, ob Sie etwas in der Phantasie oder der Realität erfahren, sie merken es sich. Deshalb können Sie Ihre hemmenden Situationen bereits im Sessel vortrainieren. Machen Sie es sich dazu bequem, schließen Sie Ihre Augen und lassen Sie die Szenen mit Ihrem Wunschverhalten immer wieder vor Ihrem inneren Auge ablaufen. Unterstützen können Sie das noch, indem Sie dabei einen richtig schön treibenden Song hören. Wiederholen Sie diese Übung eine Woche lang täglich sieben Minuten, und Sie werden verblüfft sein, wie sehr sich dies auf Ihr reales Verhalten überträgt.
  4. Der nächste Trick heißt mentale Abhärtung. Das können Sie mit folgender Übung einfach erreichen. Laufen Sie eine Woche lang täglich für fünf Minuten mit erhobenen Händen (wie beim Ergeben beim „Räuber und Gendarm-Spiel”) durch die Innenstadt oder eine andere gut frequentierte Zone. Sie werden merken, wie sehr es Ihnen egal wird, was die anderen denken.
  5. „Was soll schon passieren?“ Dieser Satz wird Ihr neuer innerer Kampfslogan! Jedes Mal, wenn Sie Hemmungen spüren und sich aufmachen, trotzdem über die Hürde zu springen, sagen Sie sich: „Was soll schon passieren?!“. Nach ein paar Wiederholungen hilft Ihnen dieser Satz von Mal zu Mal mehr, wenn Sie ihre eigenen Grenzen austesten wollen.
  6. Machen Sie sich einen Sport daraus! Ängste zu überwinden wird Ihnen ein neues Lebensgefühl geben. Mit der Zeit werden Sie fast süchtig danach, innere Grenzen zu überschreiten. Sie werden belohnt mit einem phantastischen Gefühl der inneren Freiheit, wenn Sie Spaß daran haben,  hemmungslos mit anderen in Kontakt zu treten und das sagen, was Sie gerne möchten. Man kann sagen: Andere Menschen anszusprechen (wie beim Verkaufen) ist Kraftsport für das Selbstbewusstsein.

Für weitere Tipps und Anregungen empfehlen wir dieses Buch: 

Dr. Martin Christian Morgenstern ist Verhaltensforscher und Evolutionspsychologe. Als Experte für Mentale Stärke, Persönlichkeitsentwicklung, Motivation und Stressmanagement...