Die Traditionelle Chinesische Medizin Teil 3: Ba Guan, die Kunst des Schröpfens in der TCM

Das Schröpfen ist in der traditionellen Medizin vieler Kulturen bekannt und wird noch heute in der Traditionellen Chinesischen Medizin angewendet.
Grit Nusser
von Grit Nusser
Das Schröpfen in der TCM© Monika Wisniewska - Fotolia.com

Krankheiten und Schmerzen gelten in der Traditionellen Chinesischen Medizin als Folge einer Stauung von Blut und der Lebensenergie Qi. Durch das Erzeugen von Unterdruck auf den zu behandelnden Stellen soll die Blockade aufgelöst und so die Heilung eingeleitet werden. Grit Nusser und Xiaoying Shang, Autorinnen des Buches “Ba Guan: Die Anwendung des Schröpfens in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM)” geben heute einen Einblick in die Funktion und Wirkungsweise des Schröpfens.

Früher wurden die zu behandelnde Stellen, meist Muskelverhärtungen, eingeritzt und mit dem Mund ausgesaugt. Heute verwendet man Gläser, die beim Aufsetzen auf die Haut einen Unterdruck erzeugen, der den verhärteten Muskelpartien zunächst Blut entzieht und Platz schafft für frisches Blut, das die behandelte Stelle mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt.

Schröpfen gegen Schmerzen: Unterdruck regt die Lebensenergie Qi an

Wir verwenden dafür gerne Gläser, die mit einem Gummiball ein Vakuum erzeugen. Dadurch wird Haut in das Glas gezogen und es entsteht nach einiger Zeit meist ein blauer Fleck, ähnlich einem Knutschfleck. Diese Reaktion ist erwünscht. Durch diese Behandlung kann das Qi, die Lebensenergie, frei fließen, die Durchblutung und der Lymphfluss werden gesteigert, Verspannungen gelöst, Schmerzen gemindert und Einfluss auf innere Organe über Reflexzonen genommen.

Ba Guan hilft bei Schmerzen bis in die inneren Organe

Schröpfen ist sehr hilfreich bei Bandscheibenproblemen, Hexenschuss, Knieschmerzen und dem Karpaltunnelsyndrom. Es wird auch bei Kopfschmerzen und Migräne eingesetzt sowie bei Bronchitis, Asthma, Fieber, Erkältung und Grippe. Es wirkt stärkend und belebend bei Müdigkeit, Schwächezuständen, Wetterfühligkeit.

Auch bei Beschwerden der inneren Organe wie Nierenschwäche, Verdauungsproblemen und Herz-Kreislauferkrankungen findet die alte Heilkunst ihre Anwendung.

Wann darf man das Schröpfen nicht selbst machen?

Sollten einer oder mehrere der folgenden Punkte auf Sie zutreffen, wenden Sie das Schröpfen eingeschränkt an oder erst nach Abklingen der Symptome. Am besten holen Sie sich in diesen Fällen den Rat eines professionellen Anwenders ein:

  • bei Blutungsneigung oder Einnahme blutverdünnender Medikamente
  • bei allergischen Hautreaktionen
  • über frischen Knochenbrüchen, sichtbaren Gefäßen unter der Haut oder Krampfadern
  • während der Menstruation im Lumbalbereich
  • während der Schwangerschaft im Brust-, Bauch- und Lumbalbereich
  • über Augen, Ohren, Nase
  • bei Herz-, Nieren- und Lebererkrankungen, sowie starken Atembeschwerden
  • bei starkem Fieber
  • bei Drogenabhängigen
  • nach schwerem Essen und bei starkem Durst
  • Bei sehr kleinen Kindern und stark geschwächten Senioren sollte nur vorsichtig geschröpft werden

Yin und Yang im Einklang durch Schröpfen

Die Traditionelle Chinesische Medizin unterscheidet zwischen Yang Krankheiten. Yang wird mit Hitze und Fülle in Verbindung gebracht, Krankheiten sind Fieber, Entzündungen und Bluthochdruck. Yin Krankheiten dagegen stehen für Kälte und Leere oder Starre, wie Erkältungen, Müdigkeit, Schwäche und alle Formen von Muskelverspannungen.

Es gilt, die Energien auszugleichen und Yin und Yang zurück in Balance zu führen. Daher werden Yang Krankheiten immer mit Yin Therapien behandelt und umgekehrt. Eine Yang Krankheit mit Yang zu therapieren, wäre vergleichbar damit, einen Sonnenbrand mit heißen Umschlägen zu behandeln. Entsprechend werden Yin ­Erkrankungen nie mit Yin ­Therapie behandelt.

Diese Arten des Schröpfens gibt es

Wir unterscheiden drei Arten des Schröpfens, die jeweils der Yang oder der Yin Therapie zugeordnet sind.

Trockenes Schröpfen: Yang-Therapie bei Yin Erkrankungen, beispielsweise zur Anregung der Durchblutung, bei Verspannungen und Krämpfen, bei kaltem Schweiß. Dabei werden meist mehrere Gläser auf bestimmte Punkte oder Areale gesetzt. Wirkt mild ableitend, entkrampfend und regt die Durchblutung und den Lymphfluss an. Hilft sehr gut bei chronischen Beschwerden.

Blutiges Schröpfen: Ähnliche Wirkung wie Aderlass oder eine Blutegeltherapie, sollte aber Fachleuten vorbehalten sein! Dabei werden winzige Schnittwunden gemacht und ein Schröpfglas darauf gesetzt. Durch den Unterdruck entstehen kleinere Blutungen. Wird als Yin­ Therapie bei Yang Erkrankungen angewendet: Beispielsweise bei Fiebererkrankungen, dampfendem Schweiß, Rötungen (sowohl am Gelenk oder am Kopf), hohem Blutdruck. Wird meist bei akuten Beschwerden angewendet.

Schröpfmassage: Die Yang Therapie hilft besonders gut bei Schmerzen im Rücken, Nacken und Schultern. Sie wird meist neben der Wirbelsäule (entlang des Blasenmeridians) durchgeführt. Die Haut wird eingeölt (spezielle Öle oder einfaches Lebensmittelöl), das Glas aufgesetzt und in langen achtförmigen Strichen entlang geführt. Versuchen Sie es auch einmal an den Fußreflexzonen!

Grit Nusser
Expertin: Grit Nusser
Grit Nusser ist Sozialpädagogin, Heilpraktikerin, Gründerin, langjährige Leiterin und Dozentin u.a. für Akupunktur an der Tierheilpraktiker-Schule FAT in Gelsenkirchen.
Xiaoying Shang
Expertin: Xiaoying Shang
Xiaoying Shang ist Heilpraktikerin in Krefeld. Sie hat ein abgeschlossenes Medizinstudium und hat vorher als Neurologin in verschiedenen Krankenhäusern in China und Deutschland gearbeitet.
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