Rüdiger May besiegt seine Angst: So kann man Angst besiegen und nutzen

Wir alle haben mal Angst - das ist gar nicht schlechtes, sondern ein Schutzmechanismus des Körpers. Man muss nur herausfinden, wie man sie für sich nutzen kann.
von Rüdiger May
Mann springt von Klippe ins Meer - Angst überwinden© lassedesignen - Fotolia.com

Jeder von uns hat schon einmal Angst gehabt. Sei es in dunklen Gassen, vor einer Prüfung, vor bissigen Hunden oder vor dem Fliegen. Ex-Profi-Boxer Rüdiger May zeigt, dass und wie man sich Angst zunutze machen kann.

Wenn jemand behauptet, er hätte niemals Angst, dann belügt er entweder sich selbst oder die anderen. Angst und Furcht sind Gefühle, mit denen man sich immer wieder auseinandersetzen muss; egal, wovor man sich fürchtet.

Neutral betrachtet ist das Gefühl Angst eigentlich eine sehr clevere Einrichtung der Natur: Denn Angst ist und hat eine Schutzfunktion. Man gerät in einen Zustand, in dem die Sinne geschärft werden und die Aufmerksamkeit gesteigert wird. Es wird Adrenalin ausgeschüttet und das Schmerz-Empfinden wird gesenkt.

Wenn man Angst hat, kann man also auf eine Gefahr viel besser reagieren. Angst ist also nicht etwas rein negatives, das wird sie nur, wenn man sich vor ihr selber fürchtet. Wenn ich sage: Oh nein, jetzt fürchte ich mich, das muss ich sofort irgendwie abstellen, dann ist das der falsche Ansatz.

Besser ist es, die Angst als solche zu akzeptieren und sich zu sagen: Aha, hier ist also eine Situation vor der ich mich fürchte, da ist also eventuell wirklich eine Gefahr, also konzentriere ich mich auf eine gesteigerte Aufmerksamkeit und Wahrnehmung der Umwelt, um gewappnet zu sein für das, was da kommt.

Der Angst begegnen

Wenn ich in einem Kampf gemerkt habe, dass Angst aufkam, habe ich erstmal versucht, meine Atmung zu beruhigen. In stressigen Situationen atmet man ja häufig zu schnell, manchmal bis zur Hyperventilation. Eine Angst- oder Stress-Situation war für mich zum Beispiel, wenn ein kleinerer Gegner an mich herankam, um seine starken Schläge zu platzieren.

Für mich war dann wichtig, meine langen Beine zu nutzen, um aus der Gefahrenzone zu kommen. Die Situation nutzen, um die Atmung zu regulieren und wenn die sich beruhigt hatte, dann konnte ich auch wieder klar denken und auf den Angriff reagieren.

Genau so mache ich das auch im alltäglichen Leben. Ich lasse mich nicht von der Angst übernehmen, sondern ich übernehme die Angst! Ich sage mir: Ok, da ist jetzt eine gefährliche Situation, also wachbleiben, nicht überreagieren, in Ruhe die Situation bis zum Ende bereinigen. Oft neigt man dazu, im ersten Schreck bereits zu handeln und zu hoffen, dass es damit dann getan ist. Das bringt aber nicht unbedingt das beste Ergebnis.

Die Angst als Begleiter nutzen lernen

Man wird niemals vollkommen angstfrei leben können. Die Angst ist ein lebenslanger Begleiter, also muss man sich mit ihr arrangieren. Am wichtigsten finde ich es, die Angst anzunehmen und vor allem auch ernstzunehmen und sie nicht leichtfertig abzutun. Angst wird oft instinktiv ausgelöst und hat durchaus seine Berechtigung. Also: Situation analysieren und entsprechend reagieren. Die Angst kommt ja — meistens — nicht umsonst.

Ich gebe mal ein Beispiel: den Straßenverkehr. Im Straßenverkehr kann sich schnell mal eine unvorhergesehene, unübersichtliche und auch gefährliche Situation entwickeln. Das führt zu einem Angstgefühl und aus diesem heraus verkrampft man sich und reagiert langsamer und eventuell auch einfach schlecht.

Wenn ich merke, dass sich mein Bauch zusammenzieht und sich anschließend die ganze Muskulatur verkrampft, dann merke ich: Ich verkrampfe mich da gerade, also atme ich tief durch und warte, dass der Krampf sich löst und dann fließen die Gedanken auch wieder und ich kann die richtigen Entscheidungen treffen.

Das kann man zum Beispiel in Angstsituationen trainieren, in denen keine schnelle Reaktion erforderlich ist, um gewappnet zu sein eben für beispielsweise den Straßenverkehr. Die richtige Atmung ist letztlich der Schlüssel zum Umgang mit der Angst, genau wie für das Reaktionsvermögen oder die innere Balance.

Aufgezeichnet von Marc Saha und Manuela Hartung

Experte: Rüdiger May
Rüdiger May (Jahrgang 1974) macht Sport seit er denken kann. Als Zehnjähriger bestritt er seinen ersten Box-Kampf, mit 19 Jahren wurde er Profi-Boxer...
  • Christiane

    Ja, ja, die Sache mit dem Hyperventilieren. Kann man durch eine manuelle Therapeutin lindern lassen.
    Frauen neigen dazu, frau wird auch schwindeling, z. B., wenn sie Angst hat, über U-Bahnsteige zu gehen.
    Da nun heute, alle kreuz und quer gehen, sollen die Ängste zugenommen haben. man/frau kann sich heute wirklich nicht mehr darauf verlassen, wie die Leute gehen, also immer auf der Hut sein und versuchen, das
    Hyperventilieren in den Griff zu bekommen.

  • Christiane

    Situationen simulieren, bringt was, vorallem wenn man mehrere Lösungen – Auswege – sich geistig vorstellt., noch besser wenn man sich distanziert und fragt, was passiert da eigentlich? IIch habe an der VHS eine Heilpraktiker kennengelernt, der mit NLP Phobien behandelt. Ich traue ihm, da er für die Deutsche Lufthansa Trainings durchführt. Leute, die sich nicht trauen zu fliegen, können mit Hilfe dieser Trainings lernen, ihre Flugangst zu überwinden. Auch Ängste gegenüber Spinnen können mit NLP überwunden werden, er beschrieb in kurzen Zügen, wie er vorgeht, sodass unbegründete Ängste wie Seifenblasen zerplatzen. Angebrachte Ängste oder besser wie man sich verhält, wenn man Bananen löscht (Häfen in Rotterdam etc.) sind klar abgegrenzt. Genauso, wie man mit Hunden umgeht, um nicht gebissen zu werden. Gut ich bin mit großen Hunden aufgewachsen und weiß, dass man sie nicht beim Fressen stören darf. Sollte jemand einem Hund, während er frisst, streicheln wollen und der Hund beißt zu, dard sich der Gebissene nicht wundern. Ebenso dar er keine Hunde

  • Chris

    Bachblütenmischung Nr. 84?!?!?