Preise im öffentlichen Personennahverkehr : Überteuerte Bahn – teure Mobilität

Regelmäßig werden die Bahnpreise und die Preise für den öffentlichen Nahverkehr erhöht. Gerade aus Umweltgründen ist das mehr als unvorteilhaft.
von Volker Eidems
Teure Mobilitaet©iStockphoto.com/fotogaby

„Alle Jahre wieder“ lautet die Standardschlagzeile, die ich nicht mehr lesen mag, immer wenn im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) mal wieder die Preise anziehen. Bei manchen Verkehrsbetrieben ging es schon im Dezember los, andere folgen im Januar: Erhöhungen um einige Prozent stehen zum Jahreswechsel nicht nur bei der Deutschen Bahn (3,9 Prozent Fernverkehr; 2,7 Prozent Nahverkehr), sondern auch bei vielen lokalen oder regionalen Anbietern (München 2,3; Hamburg 2,8) auf dem Plan.

Ich kann verstehen, dass das die ÖPNV-Nutzer sauer macht, die sind umweltfreundlicher unterwegs. Eine Fahrt mit der Bahn aus dem 50 Kilometer entfernten Umland zur Münchner Stadtmitte etwa vermeidet nach Berechnungen des ifeu-Instituts knapp vier Kilogramm CO2 im Vergleich zum Pkw. Für dieses gute Gefühl rinnt ihnen beim Warten auf verspätete Züge der Regen in den Kragen, sie kriegen keinen Sitzplatz und stattdessen Krampfadern und so weiter – ist ja alles bekannt.

Die Deutsche Bahn hatte im vergangenen Jahr zum ersten Mal seit 2002 die Preise nicht angehoben, da der Verkehr nur eingeschränkt funktioniert hatte. Auch für das nächste Jahr sieht die Bahn schon Züge ausfallen, trotzdem wird wieder erhöht, „obwohl die Qualität des Angebots noch immer mangelhaft ist“, wie der Verkehrsclub Deutschland (VCD) kritisiert. Ich sehe auch viele Möglichkeiten, das Angebot zu verbessern, aber hat die Bahn in Schulnoten wirklich eine Fünf verdient?

Muss die Bahn immer teurer werden?

Ich habe mir das Argument der Verkehrsunternehmen angesehen, laut dem gestiegene Energie- und Personalkosten keine andere Möglichkeit lassen, als teurer zu werden.

Tatsächlich sind die Energiepreise 2011 überall sehr stark gestiegen. Neben den Auswirkungen von Börsenreaktionen zum Beispiel auf die Libyenkrise und (angekündigte) Energiewende lag die Ursache dafür auch in der weltweit weiterhin steigenden Nachfrage.

Das betrifft auch den Kraftfahrer-Preisindex des ADAC, er listet für Herbst 2011 gestiegene Kosten von 4,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Kraftstoffe verteuerten sich demnach um 13,9 Prozent, Reparaturen um 2,7 und die Posten Zubehör/Ersatzteile um 4,3 Prozent.

Mobilität wird also generell immer teurer, sie überholt dabei mit Vollgas sogar die Inflation – und die Preiserhöhungen für Busse und Bahnen liegen noch unter denen für die Fahrten im eigenen Auto. Dass der ÖPNV dringend verbessert werden sollte, bleibt eine wichtige Forderung, ich finde aber, sie hat nicht direkt mit der Debatte um die teureren Tickets zu tun. Und ich würde es gern mal erleben, dass sich eine Zeitung traut, den ADAC-Kraftfahrerindex für eine Schlagzeile zu nutzen, anstatt immer wieder gegen Busse und Bahnen zu giften; abgesehen vom Anprangern der Ölkonzernkartelle wird hier lieber achselzuckend geschwiegen.

Volker Eidems (Soziologe M.A.) ist gern unterwegs, am liebsten mit dem Rad. Wenn die Strecken aber zu lang oder die Koffer zu groß für den Fahrradanhänger sind, nutzt er möglichst das ökologischste alternative Verkehrsmittel – und das ist gar nicht so einfach zu ermitteln...
  • herr.jedermann

    Vielleicht ist es ja gar nicht die Teuerung an sich? (Denn die Argumente – höhere Energiekosten – betreffen uns ja auch: man könnte sie sogar verstehen!)

    Sondern es ist einesteils die Automatik, diese nicht zu fliehende Unausweichlichkeit, wegen der man – dazu gegenüber einem aufseherinstanzlichen gehätschelten Monopolisten – gleich wieder die ganze Ohnmacht zu spüren bekommt (die, der man auch sonst in unserer Art Leben andauernd begegnet.).

    Und andererseits ist es dieses Moment von Sinnlosigkeit daran: Wenn alles immer teurer wird… ist dann nicht das Ganze des Systems im Grunde irgendwie unsinnig? (15 Billionen Schulden der US-Amerikaner – müssten die ihren Staat nicht zurück an die Indianer verschenken? Und wozu müssen wir dann die Griechen – die, die wir selber sind – auch noch demütigen, weil sie sich erlaubt haben, was sich alle wünschen?)

    Ich meine also, dass es – gefühlt – gar keine Frage der Argumente mehr ist, sondern ein Spiel der Kräfte. Das Geld für die Banken (die Obili für die Energieunternehmen, die Ölmultis, die Versicherungen, die Beförderungsmonopolisten usw). Und man weiß doch auch als Kleiner heute (diese David/Goliath-Sache), dass der auf Dauer Stärkere am Ende nicht unbedingt gewinnt.

    Warum sollen wir aber so lange warten und die Riesen auf tönernen Füßen immer noch füttern? Das ist der ganze Unsinn.

    Alles besser aufteilen! Sofort!

  • Kann es sein, dass Kritik an der Bahn – der Monopolismus gehört sicher beendet – einfach auch zum guten Ton gehört? Klingt oft wie Mainstreamverhalten. Ich fahre viele tausend Kilometer im Jahr mit der Bahn und finde jeden Kilometer auf der Autobahn unnötiger, stressiger und vor allem unproduktiver. In vier Jahren war ein ICE gar nicht am Start und mehr als fünf Verspätungen habe ich nicht erlebt! GLÜCKSPILZ?

  • Volkhart Rudert

    Seit Jahren ziehe ich es vor mit der Bahn zu fahren, wo immer es geht; deshalb auch die Bahncard50. Bei uns fahren wenigstens Züge in dichter Zugfolge und die Menschen, die dort verantwortungsvoll ihren Dienst tun, haben wohl ein Recht darauf angemessen entlohnt zu werden und dies will ihnen wohl keiner verwehren. Klaglos kaufen sich viele alle 4 bis 5 Jahre ein neues Auto und investieren zwischen 10- und 50-tausend Euro, zahlen rund 1000€ jährlich an Steuern und Versicherungen dafür, drücken das Geld für teure Reparaturen ab und sind mit den laufenden Kosten belastet. Rechnet man all dies zusammen, dann könnte man eine Menge Bahn fahren, selbst wenn die Bahn die Preise den Marktgegebenheiten anpassen muss.
    Niedrigstpreise gibt oder gab es nur in sozialistischen Ländern (die DDR war als wohlhabendes, wenn auch fast pleite gegangenes, sozialistisches Modell ein gutes Beispiel), jedoch war die Infrastruktur in einem katastrophalen Zustand, sodass erst 1992 wieder ein D-Zug(heute IC) von Dresden nach Berlin mit einer Geschwindigkeit von 120km/h fahren konnte, nachdem die Strecke zuvor nur noch mit 30km/h zu befahren war. Vielleicht erinnert sich noch der eine oder andere an die "Bequemlichkeiten" in den Zügen der Deutschen Reichsbahn; es war billig auf jeden Fall. Man möge doch immer auf das Preis/Leistungsverhältnis achten.

  • Fritz

    Klar hebt die Bahn die Preise an… Jeder Arbeitnehmer will doch auch mindestens einen Inflationsausgleich…
    Und wenn die Bahn oder die KVB von Heute auf Morgen die Preise so anheben würde, dass diese kostendeckend wären (was ja der Normalfall bei einem Privathaushalt/Wirtschaftsunternehmen ist), würde ein Aufschrei durch die Republik gehen denn man vorher noch nicht gehört hat… Aber auf die Bahn drauf zu hauen ist trendy und eine super Ausrede "Herr Lehrer, die Bahn war zu spät"
    Wenn man die Leute welche gerne auf der Bahn rumhauen nach der Pünktlichkeitsqoute u.ä. fragt ist man erstaunt wie daneben die Leute liegen.

    P.S.: Die meisten Personen die über die Bahn meckern, sind jene welche am wenigsten/gar nicht mit der Bahn fahren.