Glückliche Partnerschaft: Liebe ist lohnende Arbeit

Ist der Traum- oder Seelenpartner erst mal gefunden, gehen nach der Zeit der Verliebtheit oft die Probleme los. Viele Beziehungen leiden unter zu hohen Erwartungen an den anderen und halten ihnen nicht Stand. Dabei ließe sich durch Arbeit an sich selbst eine erfüllte Beziehung auch dauerhaft führen.
von Anne Heintze
Liebe ist Arbeit© detailblick-foto - Fotolia.com

Liebe ist Arbeit. Ist das wahr? Das hört sich aber so unromantisch an. Wahrer wäre eher: Partnerschaft und gelebte Liebe ist Arbeit. Sehen wir uns doch mal um: Wie viele glückliche Paare kennst du? Und ich meine damit, glücklich über Jahre, nicht nur in den ersten Monaten der Verliebtheit. Keine, antworteten die allermeisten Menschen, die ich befragt habe. Einige wenige gaben an, eine einzige glückliche Beziehung zu kennen. Niemand kannte viele.

Auch bei einer Seelenpartnerschaft ist manches ganz anders, als du vielleicht bisher gedacht hast. Auch diese Liebesform leidet enorm unter Überforderung.

Dies ist nur durch Ehrlichkeit zu ändern: zu sich selbst und zum Partner. Denn was ist das Beste für eine glückliche und langanhaltende Liebe? Sich selbst zum wichtigsten Menschen machen! Klingt nach Egoismus, ist aber nicht so.

Die Liebe des Lebens

In der Menschheitsgeschichte umfasst Lieben mit diesem Anspruch noch eine recht kurze Epoche. Es gibt sie seit Ende des 18. Jahrhunderts. Nach Erscheinen des Liebesromans von Johann Wolfgang von Goethe um den unglücklich verliebten Werther, der sich schließlich selbst tötete, ging eine Selbstmordwelle durchs Land.

Die „eine“ Liebe musste es sein und wenn nicht, wenigstens aber der bittersüße Tod. Umso mehr wird die Liebesbeziehung heute mit vielen Aufträgen belastet, unter denen sie sich ächzend beugt und häufig zusammenbricht: Sie soll sinnstiftend sein in Zeiten, die zunehmend sinnentleert sind.

Sie soll unser geringes Selbstbewusstsein stärken, da wir uns selbst kaum lieben. Sie soll die Einsamkeit lindern, die Menschen befällt, die nichts mehr mit sich und anderen Menschen anzufangen wissen. Sie soll alte Wunden und Enttäuschungen aus Kindheit, Jugend und ersten verunglückten Liebesbeziehungen heilen.

Sie soll uns trösten in Zeiten, in denen Beruf nicht mehr Berufung, sondern Schufterei und rares Gut geworden ist. Bei aller Liebe, das ist zu viel für jede Beziehung und auch für eine gelebte Seelenpartnerschaft. Und natürlich ist es auch eine große Illusion.

Arbeit an der Beziehung fängt bei dir selbst an

Diese eine Liebe zu diesem einen besonderen Menschen soll uns selbstredend auch für immer und ewig sexuelle Freuden bringen. Bei Licht betrachtet, was passiert da eigentlich in den Betten? Wo sich vermeintlich eine Frau und ein Mann in Wonne vereinen, sind mehr Personen anwesend, als es den meisten Paaren bewusst ist.

Viele Paartherapien machen es immer wieder deutlich: Mit zu wenig Elternliebe ausgestattet haben wir fast alle ein kleines bedürftiges Kind in uns. Die zugehörige Enttäuschung des inneren Kindes mit seiner Wut oder Anpassung gehört zum größten Teil dem gegengeschlechtlichen Elternteil.

Und dieser bestimmt die Wahl des Liebespartners in hohem Maße, so lange uns dies unbewusst bleibt. Es ist also viel los in unserem Kuschelnest! Hast du mal nachgezählt? Frau, Mann, zwei kleine innere Kinder, ein Papa und eine Mama: Jetzt sind da schon sechs! Einer erfüllten Sexualität kommt das verständlicherweise nicht entgegen. Hier fängt die Arbeit für die Liebe an. Aber nicht die Arbeit an der Liebe, vor allem nicht am Partner. Nein, die Arbeit an mir selbst.

Liebe und Leben bewusst gestalten

Die beschriebe Situation mag dir übertrieben vorkommen, aber erfahrene Therapeuten bestätigen solche sich wiederholenden Muster. Nimm einfach folgendes Bild: Es treffen sich in der Liebe zwei bedürftige Bettler, die beide keine Liebe haben. Die größte Illusion in der Liebe ist ja, diese vom anderen bekommen zu können. Nun greifen beide, wenn der erste Rausch der Hormone vorbei ist, dem anderen in die Tasche, um dann wechselseitig Enttäuschung zu erleben: Was, hast du auch nichts drin?

Hier geht manche Liebe entzwei, die eigentlich noch nicht begonnen hat. Erster Arbeitsschritt für dich, wenn du das nicht mehr mitmachen willst, lautet: Nimm dein inneres Kind an die Hand und gib ihm Liebe. Denn in Wirklichkeit du bist voll davon. Spürst du das? Wenn du mehr in dein Herz kommst und von dort aus lebst und handelst, wirst du es spüren. Das kannst nur du tun, niemand sonst. Verzeihe deinen Eltern, was du ihnen bis heute vorwirfst, sie haben in ihrem Rahmen immer das Beste getan.

Dies bringt dich in die Freiheit. Aus der Ohnmacht erwacht wirst du wieder ermächtigt, dein Leben und Lieben bewusst zu gestalten. Zunehmend erkennst du, dass dein Seelenpartner dich nicht verletzen kann und dies auch nie konnte und schon gar nicht wollte. Er drückt nur Knöpfe, die dich an deine alten Verletzungen erinnern, und um die kannst du dich dann kümmern.

Grenzen setzen: Das Nein in der Liebe

Heißt das, du sollst dir alles von deinem Partner gefallen lassen? Nein, niemals. Auch wenn du jetzt für Gefühle in dir selbst die Verantwortung übernimmst, kannst du ein Verhalten deines Seelenpartners erleben, das dich kränkt und verletzt. Und du willst es nicht mehr dulden.

Statt den anderen aber dafür zu attackieren, sprich doch einfach von deiner Verletzung und bitte deinen Geliebten, sein dich kränkendes Verhalten zu reflektieren. Oder du gehst für diesen Moment einfach aus der Situation und kümmerst dich liebevoll um dich selbst.

Das Nein in der Liebe, ein legendärer und dreißig Jahre alter Buchtitel von Peter Schellenbaum, ist ein Schlüssel zu authentischer und erfüllender Liebe. Allerdings ist dieser Schlüssel auch groß, schwer und anfangs nicht einfach zu handhaben. Als Kind durftest du keine Widerworte haben, das hat dich geprägt und das sitzt bis heute.

Wie weit gerade dieser Aspekt reicht, siehst du nicht nur in der Liebe. Schau dich um, auch in der Arbeitswelt täte ein klares und dennoch in Kollegialität gegebenes Nein oft sehr gut. Das ganze Thema Burnout hängt daran: Betroffen sind durchgängig Menschen, die damit Probleme haben, sich und anderen Menschen Grenzen zu setzen. Doch wer das nicht kann, verliert sich selbst.

Du bist dir der wichtigste Mensch

Das ist das Ziel, auf das du jetzt hinleben kannst. Das klingt nach Egoismus? Schau einmal genauer hin und denke noch einmal an das Bild der beiden Bettler. Wenn ich gut für mich sorge, bin ich immer voller Liebe, Freude, guter Gedanken und Energie. Wem ich begegne, dem gebe ich davon, denn ich habe immer genug. Ich weiß ja jetzt, wo die Liebe wirklich herkommt: aus meinem eigenen Herzen.

So werde ich Menschen in mein Leben ziehen, die auch so sind. Jetzt treffen sich zwei Liebende, die ein üppiges Fest der Freude miteinander feiern wollen. Und was wäre schöner, als nach der Arbeit für die Liebe dies endlich zu tun?

Expertin: Anne Heintze
Anne Heintze ist Expertin für Hochbegabung, Hochsensibilität und Hochsensitivität in Deutschland. Mehr als 5.000 Menschen hat sie durch Coaching, Mentoring und in Seminaren zur Realisierung ihres vollen Potenzials begleitet...
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  • evidero

    Ein Kommentar unseres Lesers Domenico:

    “Liebe Frau Heintze, ein Beitrag zum Thema Liebe der ganz nach meinem Herzen ist!

    Ich persönlich finde, dass gerade die “moderne” Psychologie mit all Ihrer Offensivität nach Objektivierung einer Beziehung schaut und versucht ein Gleichgewicht zu erreichen basierend auf “modernen” Gütern, wie z.B. Gleichberechtigung, Selbstverwirklichung, Freiheit, …

    Natürlich sind das alles schöne Güter, aber diese Dinge müssen aus dem Herzen heraus kommen, dem anderen gegenüber und nicht dass sie zu einer Forderung des anderen werden.

    “Ich sehe den anderen gleich berechtigt”, “ich helfe meinem Partner dabei sich selbst zu verwirklichen”, “ich möchte, dass mein Partner frei ist und mit mir zusammen ist aus Liebe und nicht aus Zweck”.

    Liebe im spirituellen Sinne, egal ob christlich, buddhistisch, oder aus anderen Religionen oder Philosophien, lässt sich für mich nicht mit moderner Psychologie vereinbaren. Liebe kommt aus dem Herzen, Psychologie ist Kopfsache.
    Für mich sollte man am Herzen ansetzen und, so habe ich Ihren Beitrag verstanden, tun Sie genau das!

    Eine Frage habe ich: Sie sind Expertin für Hochbegabung und Hochsensibilität. Dieser Beitrag ist jedoch für uns alle gedacht, oder sehen Sie da einen besonderen Zusammenhang?

    Ich danke Ihnen für diesen schönen Beitrag!

    Liebe Grüße,
    Domenico”

    • Anne Heintze

      Lieber Domenico,
      danke für dein schönes Feedback. Und: Ja, du hast ganz Recht, dieser Artikel bezieht sich auf alle Menschen, ganz egal, welche Persönlichkeitsmerkmale, Talente und Gaben sie haben.
      Herzliche Grüße von
      Anne