Online-Tauschbörsen im Test: Tausche: Bügel­brett gegen Kasten Wasser

Im Internet gibt es viele Plattformen, um etwas zu kaufen. Aber genauso gibt es auch die Möglichkeit, einfach zu tauschen. Dabei geht es um Nutzen statt Profit.
von Annette Bonse
Foto: Fredrik von Erichsen © dpa

Ebay und Amazon waren gestern. Heute boomen lokale Online-Tauschbörsen. Ob CD-Player gegen Briefmarken, Geschirr gegen Wein oder Bügelbrett gegen Sprudel-Flaschen – der passende Tauschdeal ist meist schnell gefunden.

Bügeln war in unserer WG bis vor kurzem ein ziemlich schwieriges Unterfangen, weil uns dafür etwas wichtiges fehlte: Das Bügelbrett. Lange Zeit habe ich deshalb eine etwas unkonventionelle Bügelmethode angewendet und statt des Bretts ein Handtuch auf dem Fußboden als Unterlage benutzt. Das reichte als Übergangslösung – aber auf Dauer ist das Bodenbügeln doch eher umständlich und nicht gerade knie- und rückenfreundlich. Spätestens als ich außerdem einige ziemlich fiese Brandflecke in das Parkett meiner Mitbewohnerin gebügelt hatte, war uns beiden klar: Es geht kein Weg an einem richtigen Bügelbrett vorbei.

Im Internet fand ich Bügelhilfen en masse. Einfache Klappbretter ab 15 Euro genauso wie Besserverdiener-Varianten für den ambitionierten PowerBügler. Besonders beeindruckte mich eine „Luxus-Dampfbügelstation“ für 299 Euro, die stark an einen Zahnarztstuhl erinnerte: „Geräuschloses Ansaugen und Gebläse des Bügeltisches“ sowie „schwenkbares Ärmelbrett“ inklusive. Als Büglerin auf Kreisliga-Niveau waren meine Ansprüche nicht ganz so hoch. Deshalb verlegte ich meine Suche bald weg von Ebay, Amazon und Co. und versuchte mein Glück stattdessen beim Bonner Tausch- und Verschenkmarkt.

Autorin: Annette Bonse
Annette Bonse hat ihre Kindheit und Jugend in Deutschlands Metropole der Wutbürger verbracht. Da von Stuttgarts revolutionärem Geist zu dieser Zeit noch nicht viel zu spüren war, verschlug es sie auf der Suche nach Alternativen zur schwäbischen Beschaulichkeit unter anderem nach Kansas, Montpellier und Guatemala...
Lokale Online-Börsen wie dieses Angebot der Stadt Bonn gibt es mittlerweile für fast jede Region in Deutschland. Die Idee dahinter: Ausgemusterte Gegenstände wie Möbel, Haushaltsgeräte oder eben Bügelbretter nicht wegschmeißen, sondern Leuten in der Nachbarschaft anbieten, die vielleicht genau so etwas gerade suchen. Einige der privaten Anbieter sind beim Aushandeln des Tauschdeals flexibel, andere haben sehr genaue Vorstellungen: Da bietet einer seinen CD-Player gegen einen 10er-Block Briefmarken an; der nächste fordert für sein Rosenthal-Geschirr drei Flaschen von seinem Lieblings-Weißwein. Und siehe da, auch mit meiner Bügelbrett-Suche stieß ich auf einen Tauschdeal: Seine Besitzerin wollte im Gegenzug gerne einen 6-Pack Wasser. Nur drei E-Mails und ein Treffen später stand das Brett in meiner WG.

Ein günstiger Deal, keine Frage. Doch auch abgesehen von der Geldersparnis, hat diese Art von Tauschgeschäft einen weiteren großen Vorteil.Gerade Haushaltsprodukte werden heutzutage häufig mit dem Hinweis auf ihre Umweltverträglichkeit beworben. Doch aus dieser Sicht ist der Gebrauchtmarkt bei weitem die beste Lösung (es sei denn, es geht um irgendeine Uralt-Dreckschleuder): Wer tauscht, spart unnötigen (weil funktionierenden) Müll und verlängert den immer kürzer werdenden Lebenszyklus von Produkten. Und ganz ehrlich: Im Falle eines Gebrauchsgegenstandes wie meinem Bügelbrett ist das Design – das ja sonst auch ein wichtiger Entscheidungsfaktor beim Kauf ist – nun wirklich gleichgültig.
Ich jedenfalls bin sehr zufrieden mit meinem „Neu“Erwerb: Das Parkett bleibt geschont und mein Rücken und die Umwelt auch. Was will man mehr?!