Nachhaltige Banken: Gute Banken – Böse Banken

Alternative Banken haben Zulauf, bleiben aber Zwerge im Vergleich zur gewöhnlichen Konkurrenz. Caspar Dohmen über Banken im Zeichen der Weltwirtschaftskriese.
von Caspar Dohmen
Hände beim Einpflanzen© iStockphoto / woraput

Über die Schattenseiten des Bankgeschäfts haben die Menschen in den zurückliegenden Jahren viel erfahren. Mittlerweile ist dokumentiert, dass einige Banken zum Schaden von Kunden, Steuerzahlern und Staaten agiert haben. Aber geht das Bankgeschäft auch anders, gibt es eine glaubwürdige Alternative zu gierigen Investmentbankern?

Bislang gibt es nur wenige Banken, die sich von privaten Geschäftsbanken und gewöhnlichen Sparkassen oder Genossenschaftsbanken unterscheiden, weil sie ein nachhaltiges Geschäftsmodell verfolgen. In Deutschland gibt es das Quartett aus GLS Bank, Triodos, Umwelt- und Ethikbank – bei ihnen waren im Herbst 2011 etwa 220.000 Menschen Kunde.

Ähnlich agieren einige Kirchen und Sozialbanken wie die Steyler Missionsbank oder die Pax Bank. So unterschiedlich die Geschichte dieser mittelständischen Banken ist: Zur Gründung kam es, weil Menschen beeinflussen wollten, was mit ihrem Geld geschieht. Die älteste alternative Bank in Europa ist die GLS Bank. Ein Kreis von Anthroposophen um den Rechtsanwalt Wilhelm-Ernst Barkhoff gründete die Bank 1974 in Bochum.

Wie funktionieren Alternativbanken?

Zunächst finanzierte sie Waldorfschulen und soziale Einrichtungen, später dann die ersten Windräder in Deutschland. Die Banker wollten Menschen bei der Umsetzung von Ideen helfen, ihnen ging es um einen sozialen und nicht einen monetären Gewinn; zudem strebten sie eine bewusstere Art des Bankgeschäfts an. „Die Kunden sollten die Verantwortung für ihr Geld selbst übernehmen und nicht an Spezialisten abschieben“, sagt Bankmitgründer Rolf Kerler. Deswegen gestaltete die Bank die Abläufe transparent: Bis heute erfahren die Kunden, wer in welcher Höhe einen gewerblichen Kredit zu welchem Zweck erhalten hat. Außerdem kann jeder im Internet nachlesen, wie die Bank ihre Gelder gerade anlegt hat. Spekulation auf eigene Rechnung gibt es nicht, ebenso wie bei den anderen Alternativbanken.

Das Quartett beschränkt sich auf das klassische Bankgeschäft, also dem Einlagen- und Kreditgeschäft. Damit unterscheiden sie sich fundamental von den Großbanken und Investmentbanken, die mit riskanten, aber legalen Geschäften die Finanzkrise in den USA ausgelöst haben. Prinzipiell könnte auch eine Bank in der Größenordnung der Deutschen Bank nach nachhaltigen Prinzipien arbeiten. „Ich wüsste nicht, was dagegen spricht“, sagt Thomas Jorberg, Chef der GLS Bank. Nur müssten sich die Institute dann wohl von bestimmten Geschäftsfeldern trennen und ihre Gewinne würden sinken. Fraglich wäre, ob das deren Aktionäre mitmachen würden, denen zwar keine 25 Prozent, aber immer noch 15 Prozent Rendite versprochen wird.

Welche nachhaltigen Banken gibt es?

Die Idee der GLS Bank hat sich fortgepflanzt, es entstanden über die Jahre ähnliche Institute wie die BCL Gemeinschaftsbank (Schweiz), La Nef (Frankreich), Merkur (Dänemark) oder die niederländische Triodos, die heute auch in Deutschland aktiv ist.

Eine neue Bank braucht das Land, davon waren auch Mitglieder der Friedens- und Ökologiebewegung überzeugt und sie gründeten 1988 die Ökobank, die Maßstäbe bei der ökologischen Geldanlage und schnell zur größten grünen Bank avancierte. Als einige Kredite für Recyclingbetriebe platzten, platzte der grüne Traum. Strauchelt eine alternative Bank, dann gelten für sie die gleichen Sicherungsmechanismen wie für andere Banken: Für die als Genossenschaft organisierte Ökobank waren die Volks- und Raiffeisenbanken zuständig. Für die Kunden der Alternativbanken in Deutschland gelten ebenfalls die gleichen Schutzmechanismen wie für gewöhnliche Genossenschafts- oder Geschäftsbanken.

Vertreter von Sparkassen und Genossenschaftsbanken sprechen jetzt in Zeiten der Finanzkrise gerne über ihre Unterschiede zu Großbanken und Investmenthäusern. Allerdings ist dies nur die halbe Wahrheit. Tatsächlich ist die Entwicklung an den Finanzmärkten auch an den beiden Verbünden nicht spurlos vorbeigegangen. So sind die Sparkassen Miteigentümer der maroden Landesbanken, die mit riskanten Geschäften besonders viel Geld verloren haben und deren Rettung für den Steuerzahler teuer war. Und mit der Ärzte- und Apothekerbank war auch die größte Primärgenossenschaftsbank durch Spekulationsgeschäfte in Schwierigkeiten geraten.

Soziale Banken haben viele Vorteile

Zu weitreichenden Änderungen haben sich diese Institute auch in der Finanzkrise nicht durchgerungen. Dabei ist „Social Banking kein Randphänomen für eine Handvoll „Weltverbesserer“, heißt es in einer Studie der auf Banken spezialisierten Unternehmensberatung ZEB. Sie empfiehlt klassischen Banken, sich ganz genau die sozialen Banken anzuschauen, insbesondere in puncto Transparenz.

Bislang gibt es jedoch eine große Diskrepanz zwischen der regelmäßig in Umfragen geäußerten Sympathie von Menschen zu alternativen Banken und der tatsächlichen Wechselbereitschaft. Auf mindestens auf drei Millionen Menschen schätzen Experten den Kreis potenzieller Kunden, die Soziologen vor allem unter den Postmaterialisten ausmachen.

Die Finanzkrise hat den Spielraum für alternative Geschäftsmodelle verengt: Die strengeren Regeln für das Bankgeschäft gelten für sie genauso wie für die großen Geschäftsbanken. Jüngstes Beispiel ist die Entwicklung bei der GLS Bank. Sie verzichtet aufgrund der künftigen Eigenkapitalregeln auf ein Stück ihrer Identität: die Zinslosigkeit der Genossenschaftsanteile.

Bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung fiel am 5. Dezember 2011 die Entscheidung für die Einführung einer Dividende von zwei bis vier Prozent. Nur so glaubt man, genügend Kapital einsammeln zu können, um die künftigen Vorgaben der Bankenaufsicht erfüllen zu können. Zinsverzicht klingt gut, gleichwohl waren nicht ausreichend Menschen bereit der Bank zu einer Nullverzinsung Geld zur Verfügung zu stellen.

Alternative Banken stehen mit beiden Beinen im gewöhnlichen Wirtschaftssystem mit seinen Geld- und Kreditkreisläufen. Gleichwohl fördern sie alternative Ansätze, beispielsweise Regionalwährungen oder Mikrokredite. So wickelt die GLS Bank die vom Deutschen Mikroinstitut vergebenen Kleinstkredite ab. Und damit hilft die Alternativbank einem Kundenklientel mit Krediten, welche von den gewöhnlichen Banken nicht mehr bedient werden. Alternative Bankarbeit kann eben auch ganz klassische Bankarbeit bedeuten.

Sind alternative Banken wirklich sicher?

Zur Geschichte der alternativen Banken gehören auch Rückschläge. So musste eine ganze Reihe von Mikroinstituten in Entwicklungsländern schließen. Einige Mikrofinanzkonzerne hatten auch nur noch wenig mit Alternativbanken und mehr mit Großkonzernen gemein. In der Finanzkrise kamen jedoch auch Vorbilder aus der Alternativbankenszene unter die Räder: So brach mit der Shore Bank die älteste und größte amerikanische Sozialbank zusammen.

Gleichzeitig gab die Finanzkrise den Impuls für die Gründung neuer Institute wie in Österreich. Christian Felber, Mitgründer des Netzwerkes Attac in Österreich, plant dort mit Gleichgesinnten eine demokratische Bank. In der Bewegung denkt man an eine neue Basisbank für die gesamte Gesellschaft. Heute sei Geld ein Mittel der Macht über andere, es trenne und schaffe Instabilität; morgen solle Geld ein Mittel der „gemeinsamen Gestaltungsmacht im Zeichen der Menschlichkeit, der gegenseitigen Hilfe und Solidarität werden“, sagt Felber. Das

Netzwerk würde gerne den gesamten Bankensektor auf das Gemeinwohl verpflichten. „Wir wollen Geld zum öffentlichen Gut machen. Was bedeutet, dass demokratisch entschieden wird, wie Geld als Kredit in den Wirtschaftskreislauf gelangt, welcher Einkommensanspruch aus der Geldverleihung entsteht, und dass Banken nicht nach Gewinn streben, sondern dem Gemeinwohl dienen sollen.“

Nichts spricht dafür, dass die Menschen und die Politik einen solchen demokratischen Banktyp momentan umsetzen, trotz aller Kritik an dem Gebaren der Geschäftsbanken. Deswegen plant die Gruppe, zunächst exemplarisch zu zeigen, was dies bedeuten soll. Spätestens 2013 soll die neue Bank den Betrieb aufnehmen.

Großes haben auch 13 alternative Banken vor, die auf dem Höhepunkt der Finanzkrise ein globales Bündnis schlossen: die „Global Alliance for Banking on Values“. Heute haben sie in 24 Ländern gut zehn Millionen Kunden – bis zum Jahr 2020 wollen sie mit ihrer Art des Bankgeschäfts eine Milliarde Menschen erreichen. Gelingt ihnen das, dann wäre alternatives Bankgeschäft keine Minderheitenangelegenheit mehr.

Caspar Dohmen schrieb erst als Finanzreporter beim Handelsblatt, dann als Wirtschaftskorrespondent der Süddeutschen Zeitung. Heute lebt und arbeitet er als Autor für Finanz- und Wirtschaftsthemen in Köln und Berlin. Neben Reportagen, Interviews und Analysen für Print, Online und Radio schreibt er Bücher, hält Vorträge, moderiert und unterrichtet.