Mobilität der Zukunft: Erschwingliche Mobilität von morgen

Die Mobilität geht neue Wege. Dazu hat die Verbraucherzentrale eine gelungene Broschüre heraus gebracht.
von Volker Eidems
eingeschränkte MobilitätFoto: 02-09-12 @ Matt Naylor

Für nachhaltige Mobilität sind neue Wege nötig. Die Verbraucherzentrale hat Aufgaben und Lösungsvorschläge in einer Broschüre auf den Punkte gebracht —  und sie nennt die verantwortlichen Akteure, von den Anbietern bis zu den Konsumenten.

Die Verbraucherzentralen sind nicht unbedingt für ganzheitlich nachhaltige Vorschläge bekannt. Wirken deren Forderungen doch teilweise als Vertretung kurzfristiger Konsumenten-Interessen, ohne mögliche Folgeeffekte ausreichend beachtet zu haben. Nun hat sich deren Bundesverband mit einer Broschüre zur Mobilität zu Wort gemeldet, die großes Lob verdient.
Das Bedürfnis nach Fortbewegung wird hier weder verteufelt noch glorifiziert, ebenso werden Fakten und Konsequenzen genannt. Bei den Anbietern wiederum bekommt jeder sein Fett weg, der öffentliche Personennahverkehr (Mittelverwendung nicht transparent; Orientierung zu öffentlichen Geldgebern, nicht zum Kunden) wie die Automobilkonzerne (marginale Effizienzsteigerungen) — das Fahrrad  kommt allerdings ohne Kritik aus, wie ich freudig wahrgenommen habe.

Vernetzte Mobilität

Im Mittelpunkt steht die Mobilität von morgen, vernetzte Mobilität, einerseits durch Information, andererseits aber auch durch Anschlussmöglichkeiten der realen Verbindungen verschiedener Verkehrsträger. Die App “moovel “ etwa wird als eine Möglichkeit vorgestellt, mit der sich der beste Weg zwischen A und B ermitteln lässt, „gleichwertig und ideologiefrei“ beteuert der Anbieter. Für die Verbraucherzentrale heißt das: „Wenn die Barrieren zwischen den verschiedenen Verkehrsmitteln abgebaut werden, können Verbraucher für jeden Weg das Verkehrsmittel wählen…“ Damit dürfen sich ruhig auch veraltete CarSharing-Vereine angesprochen fühlen, bei denen die Mitglieder neben dem Aufnahmeantrag auch einem Informationsabend beiwohnen sowie (vergleichsweise hohe) Kautionen und monatliche Mitgliedsbeiträge leisten müssen. Dieses Bild wandelt sich im gleichen Maße, wie sich die Angebote vervielfältigen, und nur so kann die Wende funktionieren: für jede Situation das passende Verkehrsmittel. Wenn der Regenschauer die Fahrt mit dem Fahrrad zum Geschäftsessen verhindert, muss es Alternativen geben, die so leicht erreichbar sind, dass ich nicht langfristig über eine ständige Autonutzung nachdenken werde. Die Gewohnheit ist schließlich immer noch der größte Gegner revolutionärer Neuerungen.

Wehrt euch und setzt auf neue Konzepte

Leseprobleme bereitet leider so manche Grafik, sei es, dass in der Beschriftung entscheidende Vokabeln vergessen wurden, um verständlich zu werden, oder dass insgesamt recht kryptische Aussagen visualisiert werden sollen — die grafischen Mittel hätten besser eingesetzt werden können.
Was mir an der Broschüre dagegen am besten gefällt: Sie kommt ohne erhobenen Zeigefinger aus, und belässt es trotzdem nicht dabei, den Entscheidern in Politik und Wirtschaft die Verantwortung zuzuschieben. Forderungen und Kritik sind ausgewogen und fair — das entspricht der Verkehrswende, bei der alle an einem Strang ziehen müssen, für ihre eigenen Mobilitäts-Interessen oder den Erhalt ihrer Marktposition (Autokonzerne). Die Verbraucher stehen zwar im Mittelpunkt, doch es bleiben nicht diejenigen außen vor, die durch Verkehr vor ihrer Haustür belastet werden und als „Mobilitäts-Konsumenten“ gar nicht in Erscheinung treten. Gerade bei der Mobilität können die Verbraucher schnell reagieren, und sei es, dass zahlreiche böse Briefe bei Bahn und Verkehrsbetrieben eingehen, weil die es wieder einmal nicht geschafft haben, die Fahrgäste über einen Zugausfall zu informieren oder zügig einen Ersatzverkehr zur Verfügung zu stellen. Für mich heißt der Aufruf „wehrt euch und setzt auf neue Konzepte“ aber nicht „kauft euch das doppelt so teure Elektroauto“ — mit dem die Unternehmen derzeit doch nur ihre CO2-Bilanzen der Gesamtflotte schönrechnen, aber kaum positive Umwelt- oder gesellschaftliche Effekte erzielt werden.

In diesem Sinne: Gut gemacht Verbraucherzentrale!

Volker Eidems (Soziologe M.A.) ist gern unterwegs, am liebsten mit dem Rad. Wenn die Strecken aber zu lang oder die Koffer zu groß für den Fahrradanhänger sind, nutzt er möglichst das ökologischste alternative Verkehrsmittel – und das ist gar nicht so einfach zu ermitteln...

Weitere Informationen:

Download der Broschüre