Stress abbauen: Sitz! – 8 Dinge, die wir über Stress und Meditation wissen sollten

Stress ist eines der größten Gesundheitsprobleme unserer Zeit. Viele Menschen sind betroffen und leiden vor allem an Überarbeitung. Dabei darf man Stress nicht auf die leichte Schulter nehmen.
Annette Coumont
von Annette Coumont
Meditation hilft bei StressFoto: © Jenny Sturm - Fotolia.com

Mit regelmäßiger Meditation können wir Ruhe und Entspannung finden, Probleme besser verarbeiten und Stress vorbeugen. Wie Stress wirkt und Meditation helfen kann, erklärt unsere Autorin und Yogalehrerin Annette Coumont.

Folgt man den neurowissenschaftlichen Erkenntnissen der Gehirnforschung, dann verändert regelmäßiges meditieren unsere Gehirnstruktur. Auch wenn wir es selber nicht merken, das Gehirn restrukturiert und gestaltet sich neu. Im positiven Sinne: Aufmerksame Meditation aktiviert die Entspannung und fördert die Verarbeitung von Reizen in unserem Nervensystem. Typische Reiz-Reaktionsschleifen und damit falsche Verhaltensmuster werden so unterbrochen. Damit unterstützt eine regelmäßige Achtsamkeits-Meditation das körpereigene Stress-Management.

1.  Stress macht krank

Wenn wir durch Probleme im Berufsleben, in unseren persönlichen Beziehung oder finanziellen Angelegenheiten mentalen und emotionalen Druck aufbauen, nennen Ärzte dieses Gefühl Stress. Stress kann auf Dauer schädlich sein und er hält uns davon ab, unser Leben zu genießen. Meist wird Stress durch ein individuelles Muster falscher Problemlösungs-Strategien verursacht. Je früher wir uns den ersten Stress-Symptomen stellen und sie bewusst wahrnehmen, desto besser, denn Stress kann uns sogar körperlich krank machen. Der richtige Umgang mit Stress ist daher besonders wichtig.

2. Stress ist alltäglich – Du bist nicht allein

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 Für mehr als die Hälfte der Deutschen ist Stress bereits Alltag

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht Stress als eines der größten Gesundheitsrisiken des 21. Jahrhunderts. Für mehr als die Hälfte aller Deutschen ist Stress bereits Alltag. 57% von ihnen sagen von sich, sie seien häufig oder manchmal im Stress. Ob Job, Familie, Kinder, finanzielle Sorgen: Sechs von zehn Deutschen empfinden ihr Leben als stressig. Jeder Fünfte steht sogar unter permanentem Dauerdruck, wie eine groß angelegte Studie der Techniker Krankenkassen zum Thema Stress zeigt.

Die Studie zeigt weiterhin, dass Frauen deutlich stärker unter Druck stehen als Männer: Fast zwei Drittel der Frauen (63%) fühlen sich gestresst. Bei den Männern dagegen „nur“ jeder zweite (52%). Zum Job kommt bei Frauen oft noch der familiäre Druck durch Haushalt und Kindererziehung hinzu, der nach wie vor stärker auf ihnen lastet.

3. Warum es zu Stress kommt

Stress ist nur dann eine sinnvolle körperliche Reaktion, wenn wir wirklich in Gefahr sind und unser Leben retten müssen. Wenn wir uns bedroht fühlen, löst ein Teil unseres Gehirns, die sogenannte Amygdala, eine Alarmglocke aus, die zu einer Art “Kampf oder Flucht”- Reflex in unserem Nervensystem führt. Stress macht uns also bereit, zu reagieren, wenn nötig zu flüchten. Unser Blut wird dann mit Adrenalin und Cortisol überschwemmt, unsere Herzfrequenz und unser Blutdruck erhöhen sich, unser Atem geht schneller.

Dies erlaubt dem Körper, mehr Sauerstoff zu den Muskeln zu transportieren, sodass wir schnell handeln können. So wie dieser aktivierte körperliche Stress-Zustand unseren Vorfahren einst half, sich vor der physischen Bedrohung – möglicherweise eines Säbelzahntigers – zu schützen, so wenig kann er uns mit unseren heutigen Sorgen helfen. Aber die physische Stress-Reaktion ist leider immer noch dieselbe.

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Die Arbeit ist der größte Stressfaktor für die Deutschen

4. Stress durch Überarbeitung & Co

Laut Ergebnis der Studie der TK Krankenkasse steht “ganz oben auf der Liste der Stressfaktoren bei den Menschen in Deutschland die Arbeit” – also auch Beruf oder Schule und Studium. Jeder Zweite (…) nennt sie als hauptsächliche Stressursache. Auf Platz zwei landen mit 41 Prozent die eigenen hohen Ansprüche. Dahinter, auf Platz drei, folgen Konflikte mit dem Lebenspartner, in der Verwandtschaft oder im Bekanntenkreis – dies nennt jeder Dritte. Für fast ebenso viele ist eine Krankheit von jemandem, der ihm nahesteht, Haupt-Belastungsfaktor.

Bei 27 Prozent sind finanzielle Sorgen die wesentliche Stressursache. Dahinter folgen Haushalt, Erziehung und Betreuung von Kindern, Auto-, Bus- oder Bahnfahrten, die Betreuung eines pflegebedürftigen Angehörigen sowie die aktuelle Wohnsituation. Erstmals rückten die psychischen Erkrankungen mit 13,6 Prozent an allen Ausfalltagen auf Platz 3 der Fehlzeiten vor.

Die Krankheitstage aufgrund von “Burn-Out-Syndrom” sind zwischen 2004 und 2011 um das 18-fache gestiegen. Das belegen neue Statistiken des BKK-Bundesverbands. Psychische Störungen (darunter fällt auch das Burn-Out-Syndrom) stehen laut Untersuchungen des BKK-Bundesverbands bei den Ursachen für Arbeitsunfähigkeitstage sogar an zweithäufigster Stelle.

5. Warum Stress so schädlich für uns ist

Stress stört die normalen Funktionen unseres Körpers. Der geht davon aus, dass es eine physische Bedrohung gibt, so dass er alle Energie-Ressourcen darauf setzt, aus der unmittelbaren Gefahr zu gelangen. Um dies zu tun, greift der Körper sogar auf Energie-Ressourcen zurück, die nur im absoluten Notfall aktiviert werden sollten. Das hemmt gleichzeitig unsere Verdauungsprozesse, schwächt unser Immunsystem, unser Liebesfähigkeit und körpereigenen reproduktiven Prozesse.

Unsere Vorfahren waren damit gut geschützt, sie hatten keine Zeit zum Essen oder Sex, wenn sie vom Säbelzahntiger gejagt wurden. Ein bisschen Stress in kleinerer Dosis kann dagegen sogar nützlich bei der Verbesserung unserer Leistung sein. Aber zu viel regelmäßiger Stress ist schädlich für unser geistiges und körperliches Wohlbefinden und kann zu Magengeschwüren, Depressionen oder Herz-Kreislauf-Krankheiten führen … die Liste möglicher Stresserkrankungen kann endlos fortgesetzt werden.

6. Stress lässt sich meist nicht einfach wieder abstellen

Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) will mit ihrer neuen Anti-Stress-Verordnung Richtlinien für Betriebe vorgeben, um Arbeitnehmer vor weiteren psychischen Belastungen und Arbeitgeber vor weiteren Ausfällen ihrer Arbeitnehmer durch stressbedingte psychische Erkrankungen zu schützen. Denn die meisten Menschen können ihren Stress nicht mehr von alleine abstellen. Laut der TK Studie geben ganz unabhängig von der digitalen Erreichbarkeit 36 Prozent der Berufstätigen in Deutschland an, dass es ihnen selten oder gar nicht gelingt, abends oder an den Wochenenden von der Arbeit abzuschalten.

Und ein Viertel der Berufstätigen sagt sogar, dass sie sich nicht einmal im Urlaub von den Gedanken an die Arbeit lösen können. Gerade im Alltag sind es dabei oft die Frauen mit Schwierigkeiten beim Abschalten. Berufliche Probleme beschäftigen vier von zehn Frauen auch noch im Feierabend. Das Nicht-Abschalten-Können zieht sich als Phänomen durch alle Altersgruppen sowie alle Bildungs- und Einkommens-Schichten. Die Folge: Es wird zur Dauerbelastung!

7. Wie uns Aufmerksamkeits-Meditation hilft, den Stress besser zu managen

Regelmäßiges Aufmerksamkeits-Training beruhigt direkt und unmittelbar unser Nervensystem. Während Stress durch einen “Kampf oder Flucht”- Modus unser Nervensystems aktiviert, hilft die Achtsamkeits-Meditation dem Nervensystem auf die Funktion “auszuruhen und verarbeiten” umzustellen. Unsere Herzfrequenz und unsere Atmung verlangsamen sich, der Blutdruck sinkt, der Kopf wird klar. Während die chronische Aktivierung des „Kampf oder Flucht“ – Modus sehr schädlich für den Körper ist, restauriert der Entspannungsmodus ihn und setzt körpereigene Ressourcen frei. So profitiert bei der Meditation unser Wohlbefinden.

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Menschen, die meditieren, fühlen sich weniger gestresst

8. Meditation verändert unser Gehirn!

Menschen, die regelmäßig Achtsamkeits-Meditation üben, berichten über das Gefühl, weniger gestresst und emotional ausgeglichener zu sein. Laut neurowissenschaftlichen Erkenntnissen verändert sich das Gehirn bei regelmäßiger Meditation, auch wenn wir uns dessen nicht bewusst sind. Die Wissenschaftler beginnen nun auch zu verstehen, warum Meditation für die effektive Stressbewältigung so wichtig ist.

Mit bildgebenden Verfahren wie der Magnetresonanz-Tomographie konnten sie in Teilen des Gehirns, die für das Stresserleben zuständig sind, einen messbaren Zellabbau beobachten. In anderen Teilen des Gehirns, wie zum Beispiel im Hippocampus oder im rechten Inselcortex, nahm dagegen die Hirnmasse zu. Diese Bereiche spielen eine wichtige Rolle bei der emotionalen Bewertung und der Regulierung von Erregung.

Es gibt also klare wissenschaftliche Hinweise darauf, dass Meditation zu strukturellen Veränderungen unseres Gehirns mit einer verbesserten Körperwahrnehmung und entsprechender Stressbewältigung führt.

Annette Coumont
Annette arbeitet als Autorin mit Schwerpunkt Achtsamkeit und bewusst nachhaltige Lebenstile. Seit März 2014 schreibt sie auch für die evidero Redaktion…
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Quellen und Links:

Bleib locker Deutschland! – TK Studie zur Stresslage der Nation, 2013

Die Website zum Buch von Dr. Ulrich Ott: https://sites.google.com/site/meditationfuerskeptiker/

Der MBSR-Verband. Hier steht die MBSR-Methode (Mindfulness Stress Reduction System), eine Art Achtsamkeitsmethode im Vordergrund. Gut, um qualifizierte Fachleute in seiner Umgebung zu finden: www.mbsr-verband.de

Diese elektronische Ressourcen und Publikationsdatenbank dient Forschern, Praktikern und Öffentlichkeit, indem sie Studien aus der ganzen Welt verlinkt: www.mindfulexperience.org Website des Gründers der MBSR-Methode. Sinnvolle Informationen über die Methode, sein Wirken und Hintergründe: http://www.mindfulnesscds.com/

Hilfreicher Service der Techniker Krankenkasse, die Meditation aufgrund ihrer gesundheitsfördernden Wirkungen bereits in ihre präventiven Angebote aufgenommen hat. Mit Soundfiles zu üben: http://www.tk.de/tk/stress/enstpannungstechniken/meditation/36232