Licht gegen Winterdepression: Winterblues? Nicht mit dem richtigen Licht!

Im Winter sind viele Leute schlechter drauf. Das liegt vor allem am Lichtmangel. Farbpsychologe Harald Braem gibt im evidero-Interview wertvolle Tipps.
von Harald Braem
Gelb macht glücklichFoto: 05-10-11 @ PixelEmbargo

Morgens auf dem Weg zur Arbeit ist es dunkel. Abends, wenn man nach Hause kommt, ist es schon wieder dunkel. In der kalten Jahreszeit dominiert die Dunkelheit und das hat ganz konkrete Auswirkungen auf unser Gemüt. Farbpsychologe Harald Braem erklärt, was es mit dem Zusammenhang von Lichtmangel und Winterblues auf sich hat und wie man dem begegnen kann.

Wie entsteht eine Winterdepression?

evidero   Lieber Herr Braem, warum sind so viele Leute im Winter schlecht drauf?

Das liegt vor allem am Lichtmangel. Denn der Mangel an Licht hat Auswirkungen auf unsere Hormone. Es werden weniger Glückshormone produziert. Wir stellen uns sozusagen auf  Winterschlaf ein. Wir fühlen uns gedämpft und alles fällt irgendwie schwerer als im Frühling oder im Sommer. Den Winterblues sollte man ernst nehmen, denn im schlimmsten Falle ist es der Beginn einer Depression. Bevor es soweit kommt, sollte man dagegen steuern.

evidero   Was kann man denn gegen den Winterblues unternehmen?

Da gibt es verschiedene Möglichkeiten. Sehr zu empfehlen ist eine Tageslichtlampe. Die gibt es schon günstig von unterschiedlichen Herstellern.

Sie können sie im Büro auf den Schreibtisch stellen oder morgens auf den Frühstückstisch. Sie müssen da auch nicht hinein starren, sondern das Licht einfach auf sich wirken lassen. Eine halbe Stunde täglich reicht schon aus. Nach zwei bis drei Wochen merken Sie bereits einen Unterschied in Ihrer Stimmung. Es ist wie eine Wunderwaffe im Dienste der Volksgesundheit.

evidero   Ist so eine Tageslichtlampe schon eine Art Lichttherapie?

Die Tageslichtlampe ist die einfachste Form der Lichttherapie. Da geht es nur um weißes Licht. Es gibt noch andere Therapien mit Farben, das ist dann schon etwas spezieller. Die Tageslichtlampe ist für jeden erschwinglich und kann ganz einfach zu Hause genutzt werden. Sollte das aber nicht ausreichen um sich besser zu fühlen, dann sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Gelb und Orange helfen gegen den Winterblues

evidero   Was kann man noch gegen den Winterblues tun?

Eine andere Möglichkeit ist die gelb-orange Sonnenbrille. Eine Sache, die Goethe schon in der Farbenlehre erkannt hat. Er hat sich eine solche Scheibe vor die Augen gehalten und gesagt „und schon sieht die ganze Welt wie Frühling aus”. Und das stimmt. Es ist dann alles viel heller, denn gelbe Sonnenbrillen sind letztendlich nicht anderes als Restlichtaufheller.

Sie können Ihre normale Brille beim Optiker ganz einfach damit ausstatten lassen oder eine Zweitbrille kaufen. Viele nutzen die gelben Brillen als Sonnenbrillen, aber eigentlich brauchen wir sie im Winter viel mehr. In Skandinavien sind die gelben Brillen deshalb sehr verbreitet.

evidero   Und was ist das besondere an gelbem oder orangem Licht?

Psychologisch ist das ganz klar. Gelb und orange sind die Farben, die der Sonne am nächsten sind. Sie sind die seelisch nächste Farbe, sozusagen eine Herzensfarbe. Keine andere Farbe hat soviel Sympathiewerte wie gelb. Gelb verändert alles. Es ist eine kommunikative Farbe, die uns fröhlich stimmt. Ein Smiley ist nicht ohne Grund gelb.

evidero   Was kann ich in meiner Wohnung gegen den Winterblues machen?

Hier können Sie eine ganze Menge machen. Und auch hier ist das Wundermittel gelb. Es gibt gelbe Folien, die können Sie auf das Fenster kleben. Wenn das Licht dadurch scheint, wirken die Pflanzen grüner und es wird viel heller. Dadurch schaffen Sie sich Wohlfühl-Oasen. Sie können natürlich auch eine Wand in gelb oder orangen Tönen streichen oder mit Schwammtechnik ein bisschen Farbe hinein bringen. Sie können auch schnell und einfach gelbe oder orange Akzente in die Wohnung bringen, indem Sie eine gelbe Blume oder einen gelben Topf irgendwo hinstellen.

evidero   Vielen Dank für das Gespräch

Die Fragen stellte Tanja Korsten

Experte: Harald Braem
Harald Braem ist Farbpsychologe. 2006 gründete er das Institut für Farbpsychologie in Bettendorf. Über 30 Buch-und 400 Einzelveröffentlichungen zählt er zu seiner Bibliografie. 2009 erschien sein Buch „Die Macht der Farben: Bedeutung und Symbolik“.
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