Entscheidungen treffen fällt dir schwer: 6 Tipps, wie du deine Angst vor Entscheidungen überwinden kannst

Eine Entscheidung zu treffen kann angstbesetzt und lähmend sein. Wie du die Qual der Wahl beendest und wieder Lust an deiner Freiheit entwickelst.
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von evidero Redaktion
Angst vor Entscheidungen überwinden© Syda Productions - Fotolia.com

Gehörst du auch zu den Menschen, die ewig brauchen, bis sie sich im Restaurant für ein Gericht entschieden haben? Nur um dann, wenn das Essen serviert wird, neidisch auf die Teller der anderen zu linsen: Verdammt, ich hätte doch lieber die Lasagne nehmen sollen. Was beim Abendessen noch wie ein amüsanter Tick wirken mag, kann bei größeren Entscheidungen zur Qual werden.

Was macht mich glücklicher: Eine Ausbildung oder doch lieber ein Studium? Karriere oder Kinder? Der Liebe auf’s Land folgen, oder die Selbstverwirklichung in der Großstadt suchen? Das Leben hält immer wieder wichtige Entscheidungen für uns bereit. Manche liegen glaskar auf der Hand, bei anderen tun wir uns schwer.

Manchen Menschen ist es sogar schier unmöglich, Entscheidungen zu treffen. Sechs Tipps für mehr Mut und Freiheit in deinen Entscheidungen.

1. Traue dich, “Fehler” zu machen

Das größte Hindernis auf dem Weg zu einer Entscheidung ist vermutlich die Annahme, dass es so etwas wie richtige oder falsche Entscheidung geben könnte. Mehr noch: Dass es nur eine einzige richtige Entscheidung gäbe, die Wahl des Jackpots sozusagen, während alle anderen Optionen die falschen sind – und wir die Versager, wenn wir die Nieten wählen.

Diese Haltung kann extremen Druck machen und lähmend wirken. Gar keine Entscheidung zu treffen erscheint dann zunächst die bessere Lösung zu sein. Grundsätzlich ist nichts gegen ein bewusstes Abwarten einzuwenden. Doch wenn die Angst vor Entscheidungen in Starre und der Unfähigkeit zu handeln mündet, dann hindern wir uns daran, unser Leben zu gestalten.

Indem wir die vermeintlich falschen Entscheidungen vermeiden, berauben wir uns der Möglichkeit, uns selbst und unsere Bedürfnisse besser kennen zu lernen. Wie sollen wir wissen, welcher Beruf, welcher Partner, welches Leben zu uns passt, wenn wir uns weigern, es auszuprobieren?

Die Angst vor Fehlern ist der Todesstoß für unsere Kreativität und Freude. Kehre die Angst doch in ihr Gegenteil um und entscheide dich dafür, Fehler machen zu dürfen. Jede Entscheidung führt uns zu wertvollen Erfahrungen. Vielleicht wird das Leben sogar etwas bunter und aufregender.

2. Du musst nicht “die beste” Entscheidung treffen

Oft steckt hinter unserer Entscheidungsnot auch die Angst, nicht das Bestmögliche für uns herauszuholen und womöglich unser Potential nicht völlig auszuschöpfen. Wir möchten uns nicht mit der zweitbesten Wahl zufrieden geben, es sollte schon der optimalste Weg sein, der das größtmögliche Glück beschert.

Weil wir aber nicht in die Zukunft schauen können, ist es uns unmöglich vorherzusagen, was uns denn nun am glücklichsten machen könnte. Was “das Beste” für uns ist. Und schon sitzen wir fest, im Gefängnis unserer eigenen, nicht nur hohen, sondern höchsten Erwartungen an unser Leben.

Weder gibt es falsche Entscheidungen, noch die eine, allerbeste Wahl. Oder andersherum: Jede Entscheidung ist die beste Wahl für diesen Moment. Selbst wenn wir uns rückblickend wünschen mögen, wir hätten an einem bestimmten Punkt anders entschieden – an diesem Punkt war unsere Entscheidung die beste, die wir treffen konnten.

Und es ist nun einmal so, dass wir nicht in die Zukunft schauen können, also können wir uns auch gleich damit abfinden: Es ist nicht möglich, jetzt zu wissen, was uns dauerhaft am glücklichsten macht. Wir können nur ausprobieren.

In dem Maße, wie wir uns immer besser kennen und fühlen lernen, können wir auch immer feinere Entscheidungen treffen. Und sind dennoch nicht gefeit vor vermeintlichen Fehl-Entscheidungen, egal wie alt und weise wir werden. Ein kleiner Trost, vielleicht: Eine Entscheidung ist nicht zwingend für die Ewigkeit gedacht. Denn:

3. Du kannst so viele Entscheidungen treffen, wie du möchtest

Manchmal hängt Entscheidungen etwas beängstigend Endgültiges an, bei der Berufswahl oder einem Wohnortwechsel beispielsweise. Oder bei der Partnerwahl. Manche Menschen fühlen sich eingeschüchtert von sogenannten “Lebensentscheidungen” – dabei gibt es kaum so etwas wie Entscheidungen auf Lebenszeit.

Natürlich gibt es im Laufe der Jahre einige Optionen, die wegfallen, wenn wir uns nicht bewusst für sie entscheiden: Beispielsweise ist die Zeit, eigene Kinder zu bekommen, für Frauen einfach eingeschränkt. Doch es bleiben immer noch in fast allen Bereichen des Lebens mannigfaltige Möglichkeiten, um sich umzuorientieren – in jedem Alter.

Daher lautet die gute Nachricht für alle, die Entscheidungen scheuen: Keine Entscheidung ist auf ewig verbindlich. Wir können jederzeit eine neue Richtung einschlagen: Das Haus verkaufen, den Wohnort wechseln, einen neuen Beruf erlernen. Uns von einer Liebe trennen, eine neue Liebe finden.

Wir verändern uns, unser Umfeld verändert sich – was sich einmal richtig angefühlt hat, kann einige Monate oder Jahre später nicht mehr stimmig sein. Wir können immer wieder unsere vergangenen Entscheidungen überprüfen und durch neue Entscheidungen ersetzen, die jetzt besser zu uns passen. Manchmal müssen wir das sogar, wenn Änderungen im Außen uns dazu zwingen. Das führt uns zum nächsten Punkt.

4. Du kannst dein Leben nicht kontrollieren

Eine weitere irreführende Annahme ist, dass wir unser Leben tatsächlich bis ins Detail planen und kontrollieren könnten. Als ob unsere wohlüberlegte Planung nicht jederzeit über den Haufen geworfen werden könnte: Wenn nicht durch unsere eigene Hand, dann durch das Leben selbst.

Wir haben die perfekte Powerpoint-Präsentation in der Tasche – und dann fällt der Flug zum Kunden wegen einer Unwetterwarnung aus. Wir entscheiden, dass jetzt der richtige Moment ist, um Kinder zu bekommen – und erfahren, dass wir unfruchtbar sind.

Oder aber wir treffen zufällig im Supermarkt die Liebe unseres Lebens – und statt nach New York ziehen wir mit diesem Menschen auf’s platte Land und sind glücklicher als wir es uns je hätten erträumen können.

Es liegt nicht allein in unserer Macht, was sich aus unseren Entscheidungen entwickelt – also können wir sie doch gleich mit etwas mehr Leichtigkeit treffen. Es ist gut, einen Plan zu haben und dahinter zu stehen – doch kommt es nicht doch meist anders, als man denkt?

5. Verabschiede dich davon, alles gleichzeitig haben zu wollen

Eine Entscheidung fühlt sich manchmal auch wie eine Einschränkung an. Wir klammern alle anderen Möglichkeiten aus, zumindest für einen Moment. Wenn ich mich für ein Medizinstudium entscheide, dann ist es mit dem Traum von der Schauspielerei vorbei, so glauben wir.

Eine feste Partnerschaft schafft Verbindlichkeiten und kann das Gefühl vermitteln, geliebte Freiheiten einzuschränken. Gegensätzliche Interessen und Bedürfnisse zerren an uns und machen eine Entscheidung schwer bis unmöglich.

Doch vielleicht hilft auch hier der Gedanke, dass unsere Entscheidungen auf eine gewisse Zeit beschränkt sind – nämlich solange bis wir eine andere Entscheidung treffen. Es kann durchaus Vorteile haben, ein Hobby für eine absehbare Zeit zurückzustellen, um sich beruflich weiter zu entwickeln. Wenn das nicht gut tut, können neue Entscheidungen dazu führen, dass dem Hobby eben doch mehr Raum im Alltag eingeräumt wird.

Oder wir werden uns in der ersten Ausbildung darüber klar, was wir wirklich möchten und lernen einen zweiten Beruf. Die Nähe einer exklusiven Partnerschaft kann eine wundervolle und befriedigende Erfahrung sein, in der die alten Freiheiten nicht vermisst werden. Sie kann aber auch irgendwann zu Ende sein, auch die Liebe ist eine Frage der Entscheidung.

6. Verabschiede dich von “Kopf-Entscheidungen”

Alle bisher genannten Ängste vor Entscheidungen entstehen im Kopf und wir versuchen durch Nach- und vor allem Vor-denken, eine Lösung herbeizuführen: Wie vermeide ich falsche Entscheidungen? Was könnte wohl das Beste für mich sein? Welche Entscheidung verschafft mir am meisten Erfolg und Glück? Hinter welcher Wahl werde ich ein Leben lang stehen können? Bin ich bereit, Optionen aufzugeben?

All dies sind legitime, theoretische Überlegungen. Wenn Pro- und Kontra-Listen Klarheit verschaffen und uns zu einer stimmigen Entscheidung verhelfen, prima. Doch wenn aus dem Denken, Analysieren, Informationen verschaffen und Listen anfertigen ein Ablenkungsmanöver wird, eine Stellvertreter-Handlung, dann blockieren sie Entscheidungen und tatsächliches Handeln.

Das Leben findet nicht im Kopf statt, es entfaltet sich im Tun. Erinnern wir uns: Falsch ist keine Entscheidung, eine beste Entscheidung gibt es nicht, sondern tatsächlich nur eine Erfahrung, die uns letztendlich immer ein Stückchen weiter bringt. Also lass uns doch weniger grübeln.

Lass uns reinspringen ins Leben, lass uns Fehler machen und drüber lachen oder sie beweinen, aber lass uns nicht vor Erfahrungen zurückschrecken. Lass uns Räume für Kreativität und Überraschungen erschaffen und darauf vertrauen, dass wir in jeder Situation die Möglichkeit haben, das Ruder rumzureißen und in eine andere Richtung weiter zu segeln. Leben ahoi!

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