Lebenslust im Kölner Karneval: Typisch Köln? – Ein Sündenbock und 11 Gesetze für mehr Lebensfreude

Der Kölner ist (fast) immer fröhlich. Grund könnten die Nubbel-Verbrennung an Karneval und das kölsche Grundgesetz sein. Von den Kölnern kann man viel lernen.
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von evidero Redaktion
© sabine voigt - Fotolia.com

Karneval ist nicht jedermanns Sache. Aber das Kölner Brauchtum verfügt über einige alte Traditionen, die für den Seelenfrieden sehr heilsam sein können. Dazu gehört zum Beispiel die traditionelle Nubbel-Verbrennung an Karneval und das berühmte “Kölsche Grundgesetz”. Vielleicht sind die Kölner deshalb so ein fröhliches und ausgelassenes Völkchen, an dem wir uns in mancherlei Hinsicht ein Beispiel nehmen können.

Nubbelverbrennung am Veilchendienstag – was soll das?

“Der Nubbel ist Schuld” – So neutralisieren die Kölner Karnevalisten heute am Veilchen Dienstag mit der traditionellen Nubbel-Verbrennung ihre Sünden. Eine Puppe aus Stroh – der Nubbel – wird durch die Stadt getragen und anschließend aufgehängt. Dabei wird eine Anklageschrift vorgetragen, meistens in Mundart und oft auch gereimt.

Der Ankläger ist ein Karnevalsjeck, der sich meist als Geistlicher verkleidet hat. Zunächst verteidigt die Menge natürlich den Nubbel, aber am Ende ist sie von seiner Schuld überzeugt und fordert Rache. Die Anklage gipfelt dann beispielsweise in vielerlei rhetorischen Fragen wie: „Wer hat Schuld, dass wir unser ganzes Geld versoffen haben? Wer hat Schuld, dass unser Kollege uns so ärgert? Wer hat Schuld, dass wir unserem Partner fremdgegangen sind?“.

Die johlende Menge antwortet dem Redner dann stets mit einem lauten „Dat wor der Nubbel!“, „Der Nubbel hat Schuld! Er soll brennen!“ oder so ähnlich. Um Mitternacht wird der Nubbel dann in einer Art Feuer-Ritual verbrannt, bei dem symbolisch alle Sünden der umstehenden Menschen vom Feuer ausgelöscht werden.

Nach dem Volksglauben werden mit der Nubbel-Verbrennung alle in der Karnevalszeit begangenen Verfehlungen wieder reingewaschen. Der Nubbel muss als Sündenbock herhalten und das Verbrennungs-Ritual wird mit allen Menschen gemeinsam geteilt. Eine praktische, sehr soziale und äußerst wirksame Angelegenheit also – denn so viele können nicht irren.

Alles, was geschehen ist, ist nun wieder vergeben und vergessen. So einfach kann es in Köln sein, seinen inneren Frieden und seine Balance wiederherzustellen.

Das kölsche Grundgesetz

Und wem es nicht reicht, einmal im Jahr an Karneval die Leichtigkeit und Wirksamkeit der Kölner Bräuche auf das Seelenleben zu erfahren, der sollte zusätzlich das “Kölsche Grundgesetz” studieren. Wer es liest, der wird staunen. Denn die Anklänge an wohl religiös inspirierte, alte Weisheitstraditionen sind nicht zu übersehen.

  • Artikel 1: Et es wie et es – Es ist, wie es ist
    Akzeptanz: Sieh den Tatsachen ins Auge, du kannst eh nichts ändern.
  • Artikel 2: Et kütt wie et kütt – Es kommt, wie es kommt
    Schicksal: Füge dich in das Unabwendbare, du kannst ohnehin nichts am Lauf der Dinge ändern.
  • Artikel 3: Et hätt noch emmer joot jejange – Es ist bisher noch immer gut gegangen
    Vertrauen: Was gestern gut gegangen ist, wird auch morgen funktionieren.
    Situationsabhängigkeit: Wir wissen, es ist Murks, aber es wird schon gut gehen.
  • Artikel 4: Wat fott es, es fott – Was fort ist, ist fort
    Loslassen: Jammer den Dingen nicht nach und trauer nicht um längst vergessene Dinge.
  • Artikel 5: Et bliev nix wie et wor – Es bleibt nichts, wie es war
    Offen bleiben: Sei offen für Neuerungen.
  • Artikel 6: Kenne mer nit, bruche mer nit, fott domet – Kennen wir nicht, brauchen wir nicht, fort damit
    Werteorientierung: Sei kritisch, wenn Neuerungen überhandnehmen.
  • Artikel 7: Wat wells de maache? – Was willst du machen?
    Fügung: Füg dich in dein Schicksal.
  • Artikel 8: Maach et joot, ävver nit zo off – Mach es gut, aber nicht zu oft
    Anspruch: Qualität über Quantität.
  • Artikel 9: Wat soll dä Kwatsch/Käu? – Was soll das sinnlose Gerede?
    Ratio: Stell immer die Universalfrage.
  • Artikel 10: Drinks de ejne met?  Trinkst du einen mit?
    Nächstenliebe: Komm dem Gebot der Gastfreundschaft nach.
  • Artikel 11: Do laachs de disch kapott – Da lachst du dich kaputt

Dinge mit Abstand betrachten: Bewahr dir eine gesunde Einstellung zum Humor.

Zum Abschluss noch einmal Schlemmen? Hier gibt es 3 leckere Karnevals-Rezepte

 

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