Lachen ist gesund: Lach mal wieder – Lach­therapie wirkt oft Wunder

Lachen ist gesund. Und inzwischen haben wissenschaftliche Untersuchungen auch die Volksweisheit bewiesen. Während des Lachens werden nämlich körpereigene „Glückshormone“ (sogenannte Endorphine) freigesetzt.
von Theresia Maria De Jong
Glückliche lachende MenschenFoto: Rainer Jensen © dpa

Der Volksmund tut bekanntlich Wahrheit kund. Und er sagt: Lachen ist gesund. Das haben nun auch Wissenschatlfer bestätigt. Wenn man lacht, werden im Körper Prozesse in Gang gesetzt, die Glückshormone ausschütten. Das macht nicht nur für den Moment glücklich sondern fördert die gesamte Gesundheit.

Herzhaftes Gelächter hat sogar eine ähnlich gesundende Wirkung wie ein halbstündiger Dauerlauf: Atmung und Durchblutung werden aktiviert, die Verdauung wird angeregt und die durchs Lachen resultierende Entspannung verringert Atmungsbeschwerden und sogar Kopf- und Rückenschmerzen. Lachen verlangsamt den Puls und erhöht die Sauerstoffzufuhr zum Muskelgewebe. Menschen, die stressigen Zeiten mit Humor begegnen, werden mit belastenden Situationen einfach besser fertig. Man könnte auch sagen, dass ihnen der Ärger einfach nicht so sehr „aufs Herz oder an die Nieren“ geht.

Lachen ist gesund und wirkt gegen Depressionen

Kein Wunder, dass Lachen inzwischen Einzug erhalten hat in Medizin und Therapie. In Kinder-Krankenhäusern gibt es Clowns für die kleinen Patienten und auch in Altersheimen wird Humor mit Erfolg praktiziert. Professor Rolf Hirsch vom Gerontopsychischen Zentrum in Bonn hat für die Heimbewohner seit längerem „Humorgruppen für Betagte“ eingerichtet.

Dort treffen sich die Bewohner regelmäßig, erzählen sich Witze, schneiden Grimassen, erzählen über alltägliche Missgeschicke, stellen sie in Rollenspielen dar, und lachen laut und herzhaft über alles, was nicht niet- und nagelfest ist. Seit sich die Heimbewohner in ihren Lachgruppen so richtig über ihre nächtlichen Schlaf raubenden Grübeleien lustig gemacht haben, schlafen sie sogar wieder besser und die sonst weitverbreitete Depressivität der Alten in Heimen sank deutlich.

Lachen als natürliches Antidepressivum und Gesundheitsförderung wird in Großbritannien sogar vom staatlichen Gesundheitsdienst NHS (National Health Service) bezahlt, da man sich dadurch eine nachprüfbare Wirkung auf den Krankenstand verspricht. So können Kliniken Lachtherapeuten auf Teilzeitbasis beschäftigen, die mit ausgewählten Patienten 30 bis 60 Minuten ihre Späße treiben. Lachtherapeuten sind Komiker, Zauberer oder Akrobaten und zur Ausübung ihrer Kunst ist keine medizinische Ausbildung erforderlich.

Lachtherapie wird auch in Krankenhäusern eingesetzt – Mit Galgenhumor

Kürzlich luden Chefärzte und Verwaltungsdirektoren einiger großer NHS-Krankenhäuser den Initiator der Lachtherapie, den bekannten Arzt Patch Adams aus Virginia, USA ein, um mehr über die praktische Durchführung der neuen Therapieform in Erfahrung zu bringen. Adams, der in Arlington das „Gesundheit! Institut“ gründete, und dort große Erfolge verzeichnet, kennt keine Tabus im Umgang mit Krankheit und Tod.

So besuchte Adams zum Beispiel viele englische Sterbehospize in einer etwas ungewöhnlichen Verkleidung: er „erschien“ den Kranken und Sterbenden als Engel mit Harfe und Goldflügeln und stellte sich als „bevorstehende Attraktion“ vor. Dieser Galgenhumor kommt bei den englischen Patienten offenbar bestens an. Die Klinikvorstände berichten, dass sich viele Sterbende vor Lachen kaum mehr einkriegten.

Wer lacht, wird schneller gesund oder vergisst seine Krankheit

Auch in Deutschland entdecken mehr und mehr Krankenhäuser den Wert des Lachens. Seit Juni 1994 können Krankenhäuser beim Wiesbadener Verein „Die Clown-Doktoren“ Spaßvögel an heuern. Seit 1997 bringt auch der Freisinger Verein „KlinikClowns“ Humor in die Krankenzimmer. Meist werden sie noch von Kinderkliniken angefordert, da gerade Kinder auf Humor gut ansprechen. Sie vergessen ihre Ängste und ihre Krankheit und haben ganz einfach nur Spaß. Überhaupt lachen Kinder öfter als Erwachsene. Nämlich bis zu 500-mal mehr als Erwachsene, wie die Lachtrainerin Heidemarie Wahl berichtet. Der deutsche Durchschnittsbürger lacht nur noch rund sechs Minuten am Tag. Vor vierzig Jahren soll es mit circa 18 Minuten noch deutlich mehr gewesen sein.

Organisiertes Gegacker: Lachen kann man lernen

Haben wir etwa das Lachen verlernt oder ist es uns vergangen? In unserer Leistungsgesellschaft wird Humor und Lachen oft zu Unrecht als Kinderei abgetan oder wird als unseriös angesehen. Diese bedauerliche Fehleinschätzung wird sich in Zukunft vielleicht revidieren, denn auch in Deutschland arbeiten Menschen daran, das Lachen wieder zu kultivieren. Inzwischen gibt es um die 150 Lachklubs in Deutschland und es werden ständig mehr. Lachen kann man erlernen, da ist sich Lachtrainerin Heidemarie Wahl sicher. Für sie ist Lachen nicht nur Medizin, sondern ein Potenzial, das wir alle von Natur aus mitbringen. Wir müssen nur bereit sein uns darauf einzulassen.

Indisches Lachtraining: Lachyoga

In Indien haben Lachräume schon eine lange Tradition. Dort treffen sich die Menschen ganz zwanglos zum „Ablachen“. Das indische Lachtraining beruht auf elf Entspannungsübungen, die der Meditationslehrer Hasya Yoga entwickelt hat. In indischen Lachklubs beginnt man meist mit der „Ha-Ho-Technik“.Dazu lachen die Teilnehmer zweimal laut „Haaaa-Haaaa“ gefolgt von einem lustigen „Hoooo-hoooo.“ Wer dann nicht in spontanes Lachen ausbricht (denn Lachen ist nun mal hochgradig ansteckend), darf es mit geschlossenen Augen auch mal mit Tierlauten versuchen. Auch der Körperkontakt mit einem lachenden Menschen verführt zu eigenem Lachen. Kaum jemand kann offenbar einem vibrierenden Zwerchfell widerstehen. …

Lachen als Kick für eine bessere Lebensqualität und Lebensfreude machen sich seit einiger Zeit auch Unternehmen zunutze. In den USA schicken große Firmen ihre Mitarbeiter in Humor-Workshops oder beschäftigen Humorberater. Auch deutsche Manager werden in letzter Zeit immer öfters beim Lachen beobachtet. Seit empirische Daten verlässlich ermittelt haben, dass humorgeschulte Mitarbeiter in der Regel ihre alltäglichen Pflichten gelassener, kommunikativer und vor allem kreativer angehen, als ihre humorlosen Kollegen, erleben die oft verspotteten „Betriebsnudeln“ eine deutliche Imageaufwertung.

Theresia Maria de Jong ist Journalistin und Sachbuchautorin für die Themen Gesundheit, Psyche und Seele. Es sind die Geschichten hinter den Geschichten, die sie von jeher begeistern. Vor fünf Jahren gründete sie gemeinsam mit Kollegen den Autorenpool Wortwexxel, den sie heute mit Ute Dommel leitet.
Buchtipps
Lach mal wieder!