Kinder richtig fördern: Machen Sport und Musik wirklich Kinder intelligent?

Kinder haben Hobbies zur Freizeit-Gestaltung und Unterhaltung. Manche Beschäftigungen können mehr: Musik und Sport fördern die Intelligenz des Kindes.
von Julia Höger
Kinder haben Spaß an der MusikFoto: © picture alliance / Bildagentur-online/Tetra

Freizeit und Lernzeit sollten getrennt voneinander sein, gerade bei Kindern. Das heißt aber nicht, dass Ihr Kind sich in seiner Freizeit mit dem Fernseher oder der Playstation beschäftigen sollte. Es gibt viele Freizeitmöglichkeiten, die Kinder ganz nebenbei fördern und ihnen ein gutes Grundgerüst für das spätere Leben mitgeben. Dazu gehören zum Beispiel Sport und Musik.

Autorin: Julia Höger
Julia Höger ist seit kurzem als Freelancer tätig. Sie entwickelt Webseiten und arbeitet als freie Journalistin, Übersetzerin und Sängerin...
Das Gehirn eines Kindes bringt bereits bestimmte vererbte Grundanlagen der Intelligenz mit. Ein Großteil der Intelligenz entwickelt sich jedoch durch die richtige Förderung.

Bei Kindern sind die richtigen Freizeit-Aktivitäten entscheidend. Vorhandene Nervenzellen verbinden sich, indem sie stimuliert werden —  und zwar durch Herausforderungen. So entsteht ein immer dichteres Netz an nutzbaren Nervenbahnen — eine gesteigerte Intelligenz. Vor allem bis zur Einschulung entstehen diese Bahnen in einem hohen Tempo.

Musik oder Sport für Kinder – Schwimmen, Fußball oder Klavierspielen?

Um diese Entwicklung des Gehirns zu fördern, müssen die Eltern tätig werden, indem sie ihren Kindern Möglichkeiten bieten, sich auszuprobieren. Hobbies und andere spielerische Aktivitäten sind hier das Stichwort. Egal ob Sport, Musikunterricht oder andere kreative Beschäftigungen, in allem steckt weit mehr als der Spaßfaktor. Dass das Kind Freude an der Sache hat, ist jedoch die Grundvoraussetzung dafür, dass die gewählte Aktivität wirkt. Daher sollten Sie Ihrem Kind auch die Zeit geben, das richtige Hobby zu finden.

  • Lassen Sie es zu drei Probestunden in die Ballettschule gehen oder den Flöten-Schnupperkurs belegen, bevor Sie es langfristig verpflichten. Denn aufgezwungene Beschäftigungen lösen nur Frust bei den Kleinen aus. Kinder sind häufig begeisterungsfähig, aber unterschätzen den Ernst einer Verpflichtung.
  • Machen Sie Ihrem Nachwuchs daher nach den Test-Stunden klar, dass er sich nun für ein halbes Jahr verpflichten kann, zum Beispiel zum Fußballkurs zu gehen. Dann muss er dort auch hingehen, da er sonst eine Lücke ins Team reißt.

Wie wirkt sich Musik auf die Entwicklung des Kindes aus?

Es ist kein Geheimnis, dass sich Musik positiv auf die Entwicklung eines Kindes auswirkt. Die musikalische Früherziehung gehört zum Vorschulalter, wie das Spielen und der Schwimmunterricht. Neben der Entwicklung der musischen Fähigkeiten fördert die Musikalische Früherziehung laut einer Studie des Musikwissenschaftlers Hans-Günther Bastian auch die emotionalen, kognitiven, sozialen und motorischen Fertigkeiten der Kleinen.

  • Generell wird die Konzentration gefördert, denn auch beim Musizieren müssen die Kinder genau hinhören.
  • Sie nehmen den regelmäßigen Takt wahr und ordnen Töne auf Instrumenten gewissen Orten zu, an welchen sie entstehen.
  • Das Raum- und Zeitverständnis wird so gestärkt sowie die Koordination durch das gewonnene Rhythmusgefühl.
  • Durch die erlebten Erfolge, z.B. das Erlernen eines Liedes auf der Flöte, werden die Kinder selbstbewusster und ein „Musikmachen“ in der Gruppe weckt den Gemeinschafts-Sinn.
  • Musik wirkt außerdem anregend auf das Sprachzentrum. So fällt es Kindern, die bereits früh mit Musik in Berührung kommen leichter, sich zu artikulieren und sogar eine Fremdsprache zu lernen.
  • Durch das Auswendiglernen von Lied-Texten trainieren sie außerdem ihr Gedächtnis und erweitern ihren Wortschatz.

## Foto: Eibner-Pressefoto © picture alliance##Mannschafts-Sport fördert außerdem das Sozialverhalten Foto: Eibner-Pressefoto © picture alliance
Mannschafts-Sport fördert außerdem das Sozialverhalten

Wie wirkt sich Sport auf die kindliche Entwicklung aus?

Thomas Cornelißen und Christian Pfeifer vom Bonner Institut zur Zukunft der Arbeit haben herausgefunden, dass Jugendliche, die regelmäßig Sport treiben, um sechs Prozent bessere Chancen haben, das Abitur oder gar einen Hochschulabschluss zu erreichen.

Das liegt wahrscheinlich an den vielen positiven Nebeneffekten, die Sport auf die Entwicklung der Intelligenz hat. Bei der Anstrengung wird das Gehirn ausgiebig mit Sauerstoff versorgt und durch die verbesserte Durchblutung werden weitere Nervenzellen gebildet. Das wiederum stärkt die Konzentration und Aufmerksamkeit, was einen enormen Vorteil in der Unterrichtsstunde darstellt. Außerdem wirkt Sport ausgleichend und verringert somit den Alltags-Stress der Kinder.

Sport fördert Teamgeist bei Kindern

Teamgeist und Sozialverhalten werden durch Mannschafts-Sport gefördert, was auch generelle Vorteile beschert. Kinder engagieren sich eher in außerschulischen Projekten, beispielsweise als Klassensprecher, da sie das Zusammengehörigkeitsgefühl auch außerhalb des Sportplatzes stärken möchten. Und auch spätere Herausforderungen werden erleichtert. Intensive Lernsituationen werden dank gutem Durchhaltevermögen und Disziplin gemeistert und auch Wettbewerbs-Situationen erscheinen nicht beängstigend, sondern alltäglich.

Jedoch kann Sport auch kontraproduktiv wirken, wenn Eltern ihre Kinder überfordern. Zu viele verschiedene Vereine oder gar Leistungssport rauben dem Kind mehr Energie als gesund ist. Es ist müde und kann dem Unterricht nicht mehr folgen. Insgesamt maximal zwei feste Termine für Hobbies pro Woche sind angemessen.

Was fördert noch zusätzlich die Entwicklung und Kreativität des Kindes?

Bei Kleinkindern ist die Grobmotorik, also die Bewegungen des Körpers, insbesondere der Arme und Beine, nicht sonderlich gut ausgeprägt. Sie wirken noch leicht tapsig und ungeschickt. Draußen beim Toben gibt es viele Möglichkeiten, diese Bewegungsabläufe spielerisch zu verbessern. Schaukeln, Klettern, Wippen, Balancieren und Fahrradfahren sowie Basteln und Malen mit Stift, Papier und Schere helfen dem Kind zu lernen, den Körper gezielt einzusetzen.

All diese Aktivitäten im jüngsten Alter unterstützen die Kinder später in der Schule: Soll beispielsweise in Mathe ein Problem gelöst werden, welches sich mit der Geschwindigkeit von Flugzeugen auseinandersetzt, so können die Kinder das Abstrakte besser fassen und auf die eigenen Erfahrungen beim Fahrradfahren übertragen. Meist sind Kinder, die körperlich aktiv sind, auch zufriedener und ausgeglichener und können sich dementsprechend besser im Unterricht konzentrieren.

So können Kinder die Feinmotorik trainieren

Auch die Feinmotorik ist sehr wichtig, damit ein Kind lernt, Hand und Augen zu koordinieren und dementsprechend in der Schule das Schreiben erlernen kann.

  • Trainiert werden kann diese durch das Malen.
  • Des Weiteren verbessert Seilspringen Rhythmusgefühl und Koordination.
  • Und das Bauen mit Bauklötzen steigert das räumliche Denken, was später den Geometrie-Unterricht erleichtert.
  • Fokussieren Sie sich jedoch nicht ausschließlich auf die Aktivitäten in der Freizeit — auch der Alltag bietet mit gemeinsamen Ratespielen, Kochen, Geschichten erzählen und Ausflügen in die Natur jede Menge Potential, die Kreativität, Ausdauer und Konzentrationsfähigkeit des Kindes zu fördern. Seien Sie erfinderisch
Autorin: Julia Höger
Julia Höger ist seit kurzem als Freelancer tätig. Sie entwickelt Webseiten und arbeitet als freie Journalistin, Übersetzerin und Sängerin...
Tipp
Achtsamkeit mit Kindern