Mega Trend Detox: Mal ehrlich – Brauchen wir wirklich eine Entgiftung?

Entgiften, das ist das Ziel einer Detox-Kur. Dafür gibt es jede Menge passender Produkte, Smoothies und Drinks, die es ermöglichen sollen, über mehrere Tage oder gar Wochen den Körper von allen Giften zu reinigen. Brauchen wir das überhaupt?
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von evidero Redaktion
Grüne Smoothies trinken - Wie sinnvoll ist Detox?© contrastwerkstatt - Fotolia.com

Der Trend Detox ist nicht ganz neu, aber top-aktuell. Das Entgiften mit grünen Smoothies, Säften oder Darmkuren ist “in” – Fleisch, Zucker oder Milch sind “out”. Das klingt ansich gut, wären da nicht die horrenden Preise mancher Detox-Produkte, die die Frage aufwerfen: Wie nützlich und effektiv ist ein Detox eigentlich?

Was genau ist ein Detox?

Detox bedeutet nichts anderes als eine Entgiftung des Körpers. Im Prinzip passiert dabei etwas ähnliches wie beim althergebrachten Heilfasten – aber Detox klingt natürlich moderner.

Die Idee dahinter ist so einfach wie einleuchtend: Durch immer stärkere Umwelteinflüsse wird unser Körper so sehr belastet, dass die Entgiftungsorgane mit ihrer Arbeit nicht mehr hinterherkommen. Leber, Niere und Darm werden durch Alkohol, Kaffee, Fleisch, Weißmehl oder Nikotin einem Dauerfeuer an Schadstoffen ausgesetzt – und das macht uns krank.

Dementsprechend verzichtet man bei einer Detox-Kur auf genau solche Produkte, nimmt vorwiegend Suppen, Säfte, Smoothies zu sich – viel Gemüse, viel Obst. Möglichst natürliche Produkte, am besten in Bioqualität. Das klingt gesund und ist es auch. Nur leider sind die sogenannten Schlacken im Körper wissenschaftlich überhaupt nicht nachweisbar.

Unsere Entgiftungsorgane leisten gute Arbeit: Darm, Leber und Niere

Der Darm ist unser größtes inneres Organ. Er ist der wichtigste Bestandteil unseres Immunsystems, unser größtes Entgiftungsorgan und soll nach neuesten Erkenntnissen auch Auswirkungen auf Gewicht und Psyche haben. Verantwortlich dafür sind unsere kleinsten Mitbewohner, die Bakterien. Die entscheiden darüber, wie gut wir Nährstoffe aufnehmen, ob wir krank werden oder nicht und vielleicht sogar, wie glücklich wir sind.

Auch Leber und Niere arbeiten als innere Organe kontinuierlich daran, unseren Körper von allem zu befreien, was er nicht verwerten kann. Das tun sie seit tausenden von Jahren und offenbar hat das bisher auch immer gut geklappt. Wieso also sollten wir plötzlich spezielle Produkte kaufen, um unseren Entgiftungsorganen die Arbeit zu erleichtern?

Unsere Organe brauchen Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente, um entgiften zu können

Auch die größten Detox-Skeptiker können nicht leugnen, dass unsere Organe eine bestimmte Versorgung brauchen, um richtig arbeiten zu können. Und ebenso ist es glasklar, dass wir immer mehr Stoffe zu uns nehmen, die in natürlichen Lebensmitteln nicht vorkommen.

In natürlichen Lebensmittel befinden sie nämlich die altbekannten Mineralstoffe wie Kalium oder Kalzium, es finden sich Vitamine oder Spurenelemente, Ballaststoffe und die wichtigen Nährstoffe wie Kohlenhydrate und Fette. Doch wenn man sich die Verpackungen der meisten Produkte im Supermarkt ansieht, findet man da noch ganz andere Inhaltsstoffe. Die Kinder Milchschnitte der Firma Ferrero zum Beispiel enthält:

Frische Vollmilch (40%), pflanzliche Öle, Zucker, Weizenmehl, Magermilchpulver, Honig (5%), Butterreinfett, Volleipulver, fettarmer Kakao, Weizenkleie, Backtriebmittel: Dinatriumdiphosphat (E450), Natriumhydrogencarbonat (E350), Ammoniumcarbonat (E503); Emulgator Mono- und Diglyceride von Speisefettsäuren (E471), Salz, natürliche Aromen, Vanillin.

Immerhin also schon vier Zusatzstoffe, die eine E-Nummer verpasst bekommen haben. Doch was bedeuten diese Nummern?

Zusatzstoffe in Lebensmittel – Wie ungesund sind sie eigentlich?

Nach Artikel 3 der Verordnung (EG) Nr. 1333/2008 ist ein Lebensmittelzusatzstoff „ein Stoff mit oder ohne Nährwert, der in der Regel weder selbst als Lebensmittel verzehrt noch als charakteristische Lebensmittelzutat verwendet wird und einem Lebensmittel aus technologischen Gründen bei der Herstellung, Verarbeitung, Zubereitung, Behandlung, Verpackung, Beförderung oder Lagerung zugesetzt wird, wodurch er selbst oder seine Nebenprodukte mittelbar oder unmittelbar zu einem Bestandteil des Lebensmittels werden oder werden können.“

In anderen Worten: Zusatzstoffe, seien sie nun chemischer Natur oder nicht, haben nicht den geringsten Nutzen für unseren Körper. Und obgleich natürlich nur solche Stoffe zugelassen werden, deren Verzehr von den Behören als unbedenklich eingestuft werden, bleibt eine andere Tatsache bestehen: Sie werden immer mehr.

Künstliche Zusatzstoffe finden sich mittlerweile fast überall

Denn Zusatzstoffe finden sich mittlerweile nicht mehr nur in ganz offensichtlich künstlichen Produkten, sondern auch in solch “natürlichen” Lebensmittel wie dem Brot vom Dinscounter. Die sind vollgestopft mit Zusatzstoffen für das Aussehen, die Haltbarkeit, den Geschmack… wundern kann sich eigentlich niemand, dass dieses Brot auch nach einer Woche noch nicht schimmelt.

Natürlich sagen uns die ganzen Begriffe wie Beta-Amylase (Verlängerung der Frischhaltung) oder Proteasen (Spaltung der Proteinstränge des Klebergerüsts) nichts, wir sind ja keine Chemiker. Nein, wir wissen nicht einmal, was eine Spaltung der Proteinstränge des Klebergerüsts eigentlich sein soll, wer macht sich darüber schon Gedanken? Und die Werbung verspricht uns ja auch: Bei Lidl und Co. kriegen wir Brot, so gut wie vom Bäcker.

Und ist ja auch alles zugelassen. Kann also gar nicht schädlich sein für uns. Doch wie Paracelsus, ein Schweizer Arzt des 15. Jahrhunderts schon sagte:

“Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die dosis machts, daß ein Ding kein Gift sei”

Schönen Dank auch. Denn die Dosis an Zusatzstoffen, die wir summa sumarum in Brot, Joghurt, Nudeln, Saucen, Fertiggerichten, Getränken, etcetera, zu uns nehmen, erhöht sich von Jahr zu Jahr.

Künstliche Nahrung belastet unserer Körper

Die meisten Menschen belasten ihren Körper – und ihre Entgiftungsorgane – also Tag für Tag in einem Maße, das mit früheren Zuständen gar nicht zu vergleichen ist. Künstliche Zusatzstoffe sind ja nur die Spitze des Eisbergs, wir werden nahezu bombardiert mit Umwelteinflüssen, die dem menschlichen Körper alles andere als gut tun.

Wir essen also immer mehr künstliche Stoffe und immer weniger Mineralstoffe und Vitamine. Und hinterfragen dennoch Detox und stempeln diesen gesunden Trend gerne als einen Trend unter vielen ab.

Tatsache ist aber leider: Schlacken sind wissenschaftlich nicht nachweisbar. Dass eine Entgiftung funktioniert, ist wissenschaftlich ebenfalls nicht in Gänze nachweisbar. Und doch fühlen sich Menschen, die eine Detox-Kur mitmachen, hinterher meist besser, entspannter, frischer – eben entschlackt.

Im Prinzip reicht ja auch die individuelle Erfahrung des Einzelnen. Ob es nun ein reiner Placebo Effekt ist oder nicht ist doch gar nicht relevant, wenn es dem Einzelnen zu mehr Wohlergehen verhilft. Vielleicht verstehen wir aber auch einfach die wahren Zusammenhänge nicht richtig?

Was die Lebensmittelindustrie nicht kennt, kann sie uns auch nicht anbieten

Natürliche Nahrung besteht aus tausenden Inhaltsstoffen, die wir nicht einmal ansatzweise alle kennen. In künstlich hergestellten Produkten kommen sie dementsprechend auch nicht vor. Je weiter wir unsere Nahrung verarbeiten und von ihrem natürlichen Zustand entfernen, desto weniger wertvoll wird sie für uns. Und genau hier setzt ein Detox an.

Ein Detox unterstützt eine gesunde Ernährung, kann sie aber nicht ersetzen

Bei einem gesunden Menschen, der seinen Körper mit allem versorgt, funktioniert die körpereigene Entgiftung einwandfrei. Unser Körper ist sehr belastbar und auch sehr anpassungsfähig, das ist unbestreitbar. Die wenigstens von uns können aber von sich behaupten, immer und ausschließlich gesund zu essen. Schließlich zählen auch Kaffee oder Alkohol zu den Produkten, die von der Leber ausgefiltert werden müssen. Und selbst Veganer essen Pestizide auf Obst und Gemüse mit, sofern sie nicht ausschließlich Bio-Produkte zu sich nehmen.

Es lässt sich auch beobachten, dass es Menschen nach einer Detox-Kur meist besser geht. Und das hat einen ganz einfachen Grund: Sie verzichten auf künstliche Produkte. Wer weniger Schadstoffe zuführt, der entlastet seine Entgiftungsorgane ganz automatisch, denn sie müssen ja weniger arbeiten. Wer dann auch noch besonders viele gesunde Stoffe zu sich nimmt, die die Organe zum Funktionieren brauchen, schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe.

Diese Lebensmittel eignen sich während einer Entgiftungkur

Alles was grün ist, nicht verarbeitet wurde und einen hohen Anteil an Vitaminen, Mineralstoffen oder Spurenelemente aufweist, ist für die körpereigene Entgiftung geeignet. Deshalb werden auch so oft die Grünen Smoothies angepriesen – da kommen schließlich nur Gemüse, Obst, Wasser oder vielleicht auch mal Superfoods rein. Natürliche Zutaten mit vielen wertvollen Inhaltsstoffen also.

Superfoods zum Beispiel zeichnen sich dadurch aus, dass sie im Verhältnis zu ihrer Menge mehr Vitamine oder sekundäre Pflanzenstoffe aufweisen, als andere Lebensmittel. Und das muss nicht einmal exotisch sein: Chia-Samen und heimische Leinsamen unterscheiden sich zum Beispiel kaum. Und auch traditionelle Lebensmittel wie Grünkohl gelten als Superfood.

Ein Detox kann also auch bedeuten: Industriechips mal durch Grünkohlchips ersetzen. Das Müsli nicht fertig verpackt kaufen, sondern aus Haferflocken, Obst und Leinsamen selbst zusammenmischen.

Welchen Nutzen haben also angeleitete Detox-Kuren?

Das größte Problem beim Thema gesunde Ernährung ist jedoch nach wie vor der innere Schweinehund. Und um diesen zu besiegen ist ein angeleitetes Detox eine gute Idee. Denn wenn einem genau gesagt wird, wann man was essen sollte, ist die Versuchung geringer, doch zwischendurch mal zu einem Schokoriegel oder einem veganen Burger – mit Weißbrot – zu greifen.

In welchem Ausmaß das stattfinden soll, ist wohl jedem individuell überlassen. Wer weiß, dass er sich sowieso sehr gesund ernährt, für den reicht es vielleicht sogar, einfach mal für ein paar Tage komplett auf Fertigprodukte oder Industriezucker zu verzichten, um seinem Körper eine kleine zusätzliche Erholung zu gönnen.

Wer sich jedoch bewusst ist, dass er oft Produkte zu sich nimmt, die mit natürlich Nahrung nicht mehr viel zu tun haben, der kann nur davon profitieren, es einmal mit einer umfangreicheren Kur zu versuchen. Das bedeutet nichts anderes als: Hör auf, deinem Körper etwas zu geben, das er gar nicht braucht und gib ihm stattdessen etwas, das er verwerten kann.

Sei es nun mit Grünen Smoothies, speziellen Superfoods oder gar einer probiotischen Darmkur, die gesunde Bakterienstämme im Darm wieder aufbaut.

Detox bedeutet nicht, zu hungern!

Man sollte eine Entgiftungskur jedoch nicht mit Fasten oder einer Diät verwechseln. Detox macht man nicht zum Abnehmen, dafür hilft es auch gar nicht. Vielleicht verliert man eingespeichertes Wasser während eines Detox und bringt dadurch ein paar Pfunde weniger auf die Waage. Das ist aber nicht das Ziel.

Wer verspricht, durch Hungern deinem Körper etwas Gutes zu tun, der lügt. Denn der Körper ist wie eine Maschine, die Treibstoff benötigt. Aber den richtigen. Ein Detox soll dazu da sein, deinem Körper wieder den richtigen Treibstoff zu verabreichen, ihn wieder daran zu gewöhnen, wie es ist, gut versorgt zu werden. Das bedeutet nicht, dass man den Rest des Jahres ungesund essen darf. Damit macht man den positiven Effekt nur zunichte.

evidero Fazit: Detox ist genauso sinnvoll wie Clean Eating

Kurz gesagt: Wenn wir unseren Körper gesund ernähren, ist das gut für ihn. Ob das nun im Rahmen eines Detox ist oder wie beim Clean Eating einfach nur auf künstliche Produkte verzichtet wird. Ein Detox kann aber gut am Anfang einer Ernährungsumstellung stehen oder uns auch immer wieder daran erinnern, sich um den Körper zu kümmern. Es ist schließlich der einzige, den wir haben.

Außerdem bietet sich eine Entgiftungskur immer dann an, wenn wir unseren Körper längere Zeit mit mehr wertlosen Produkten gefüttert haben, also sonst, beispielsweise nach dem Winter. Deswegen ist das Frühjahrsdetox zurecht sehr beliebt.

Deswegen sagen wir: Fast Food raus, Gemüse rein. Ist gar nicht so schwer. Und mit passenden Rezepte sogar ein kulinarischer Genuss. Clean your Life!

Quellen und weitere Informationen:

  • http://www.spiegel.de/spiegelwissen/neue-forschung-wie-der-darm-das-wohlbefinden-beeinflusst-a-934518.html
  • http://www.dge-thueringen.de/files/eft_19.pdf
  • http://muehlenchemie.de/deutsch/produkte/mehlverbesserung.html

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