Spitzwegerich als Salat und Heilpflanze: Lerne eine der vielseitigsten Heilpflanzen in Deutschland kennen

Der Spitzwegerich war nicht umsonst die Arzneipflanze 2014 - er ist ausgesprochen vielfältig und kann sowohl selbst gesammelt werden, als auch eine Zutat in pharmazeutischen Mitteln sein.
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von evidero Redaktion
Heilpflanze Spitzwegerich© Pixaby

Schon im Althochdeutschen pflegte man die Pflanze als König am Weg zu bezeichnen (wega = Weg und rih = König), hatte man doch schon seine herausragenden Heilwirkungen erkannt. Zum Spitzwegerich gesellen sich noch Breitwegerich und Mittelwegerich, der Spitzwegerich ist in seiner Heilwirkung jedoch der wirksamste.

Im Zierrasen wirst du versuchen, den Spitzwegerich zu entfernen, weil er mit seinen langen, schmalen Blättern, einer handtellergroßen Blattrosette und seinen tiefgehenden Wurzeln ähnlich wie das Gänseblümchen das Gras verdrängt. Sonst findest du ihn unauffällig an Wegrändern und auf Wiesen. Ursprünglich in Europa beheimatet finden wir ihn heute weltweit.

Wo kann man Spitzwegerich sammeln?

Wer sich die Mühe macht, kann sparsam und zudem sehr gesund von Kräutern unserer Wiesen leben. In den Nachkriegszeiten und während der Weltwirtschaftskrise sammelten Kinder unter Anleitung der Eltern und Großeltern noch Spitzwegerich, Löwenzahn und Sauerampfer von den Wiesen, weil es kein Gemüse gab oder es unerschwinglich teuer war.

Ernten und Sammeln kann man den Spitzwegerich am besten von Anfang April bis Ende August. Man findet ihn in kleinen Wiesen, an Acker- und Feldrändern oder auf an den Wald angrenzenden Wegen, aber auch auf kleinen Rasenflächen in Ortschaften. Wer einmal ein Überlebenstraining mitgemacht hat, wird auch erfahren haben, dass kurz zerkaute Spitzwegerich-Blätter auf kleine Wunden oder Insektenstiche aufgetragen vor Entzündungen schützen und die Heilung fördern.

Spitzwegerich als pharmazeutisches Heilmittel

Für pharmazeutische Anwendungen zerkleinert und mahlt man die Deckschicht der Samen des Spitzwegerich. Man erhält als Ergebnis eine klare, farblose kolloidale Lösung mit einem zarten Duft. Dieses weiße, faserige und hydrophile Material absorbiert zusätzlich Wasser und führt zu einer weiteren Volumenerhöhung.

Die kolloidale Lösung wird in der pharmazeutischen Industrie entweder in reiner Form oder gefüllt in Gelatinekapseln vermarktet. Gelatinekapseln deshalb, damit der Säureangriff im Magen überstanden wird und sich die Wirkung erst im Darm entfaltet.

Folgende Wirkungen soll Spitzwegerich haben:

  • adstringierend (blutstillend und entzündungshemmend)
  • erleichtert das Abhusten von Schleim
  • wirkt blutreinigend
  • harntreibend
  • wundheilend

Man verwendet Spitzwegerich zur Behandlung von

  • Akne
  • Asthma
  • Augenbindehautentzündung
  • Bronchitis
  • Durchfall
  • Insektenstichen
  • Wunden
  • Venenentzündung
  • Verstopfung
  • schleimige Luftwegekatarrhen
  • Bettnässen
  • Blähungen
  • Koliken
  • Nasenbluten
  • starker Menstruation
  • neuralgischen Schmerzen der Ohren und Zähne
  • entzündliche Prozesse der Schleimhäute
  • Leberleiden
  • Fieber
  • Kopfweh
  • Keuchhusten

Wegen dieses breiten Wirkungsspektrums wurde der Spitzwegerich im Herbst 2013 von Wissenschaftlern der Universität Würzburg („Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“) mit Verweis auf die in ihm enthaltenen antibakteriellen und blutstillenden Wirkstoffe zur „Arzneipflanze des Jahres 2014“ gewählt.

Anwendungsgebiete von Spitzwegerich

Bisher wurden aus dem Spitzwegerich fünf Phenylessigsäurederivate isoliert, die ihm eine entzündungshemmende Wirkung verleihen.

Der Spitzwegerich enthält vor allem Polysaccharide einschließlich Pentosen, Hexosen und Uronsäuren(ca. 47% des löslichen Bestandteils). Weitere Zuckerinhalte sind Hemicellulose, Arabinose und Xylose. Bestandteile von Spitzwegerich fermentieren nicht und werden vom menschlichen Körper besser verdaut.

Spitzwegerich bei Husten und Halsschmerzen

Spitzwegerich enthält Iridoidglycoside wie Aucubin, Catapol, Aperolusid, Schleimstoffe, Gerbstoffe, Kieselsäure und Saponin. Aucubin wirkt antibiotisch im Bereich der Schleimhäute von Mund und Rachen und bei Katarrhen der Luftwege.

Er ist reizmildernd und leicht hustenlösend. Die Wirksamkeit ist hier zum einen auf die einhüllende Wirkung der Schleimstoffe zurückzuführen. Wenn diese die Schleimhäute in Mund und Rachen bedecken, werden Schmerzen und Hustenreiz gemildert.

Zum anderen wirkt Spitzwegerich auch durch die adstringierende Wirkung der Gerbstoffe sowie durch die antibakterielle Wirkung der Abbauprodukte der Iridoide (Aucubigenin aus Aucubin).

Spitzwegerich bei Wunden und Insektenstichen

Ferner kann die Heilpflanze äußerlich bei entzündlichen Veränderungen der Haut, beispielsweise bei Insektenstichen, Brennnessel-Verletzungen oder Neurodermitis verwendet werden oder auch bei sonstigen Entzündungen oder kleinen offenen Wunden.

Spitzwegerich fördert die Verdauung und hilft bei Verstopfung

Die Ballaststoffe des Spitzwegerich sind höherwertige Polysaccharide, die im Dünndarm nicht aufgeschlossen und resorbiert werden können. Erst die Bakterien im Dickdarm können die Verbindungen in kleinere Molekülbruchstücke zerlegen; daher dienen die Blätter des Spitzwegerich vorteilhaft zur diätetischen Behandlung.

Die Ballaststoffe absorbieren eine große Menge an Wasser und diese Reaktion stimuliert den Darm zu regelmäßiger Bewegung. Wegen dieses Mechanismus wirkt er die Verdauung fördernd. Die Stuhlerweichung durch die Wasseraufnahme löst Verstopfungen, ohne aufzublähen.

Spitzwegerich trägt aufgrund seines Gehalts an löslichen diätetischen Fasern zur Reduzierung von Plasmacholesterin bei. Er hilft Diabetikern, die Konzentration von Zucker und Fett zu reduzieren, erhöht das Gefühl der Fülle und unterdrückt das Hungergefühl. Man erwirbt dadurch eine bessere Kontrolle über die Nahrungsaufnahme und die richtige Ernährung.

Zubereitungen aus Spitzwegerich selbermachen

Zur Herstellung von Teeaufgüssen werden die Blätter oder das ganze Kraut gesammelt und getrocknet (die Drogenbezeichnung lautet für die Blätter: Folia Plantaginis lanceolatae und für das Kraut: Herba Plantaginis lanceolatae).

Für Spitzwegerichsaft presst man die frischen Blätter aus. Für Spitzwegerichsirup kocht man die Blätter und Blüten zusammen mit Zucker und/oder Honig. Im österreichischen Arzneibuch (ÖAB) ist auch eine Rezeptur für Spitzwegerichsirup aufgelistet, wobei die Spitzwegerichblätter mit heißem, gereinigtem Wasser übergossen und ausgezogen werden; danach wird der wässrige Spitzwegerichauszug mit Rohrzucker zum Sirup verkocht und am Ende wird der Sirup noch mit einer alkoholischen Lösung von Parabenen (Verbindungen einer organischen Säure( Benzoesäure) mit Alkohol) konserviert.

Der Bedarf der pharmazeutischen Industrie an dem Heilmittel ist hoch und wird im Wesentlichen aus umfangreichen Kulturbeständen gedeckt. Pulverisiert ist Spitzwegerich auch Bestandteil von Salben.

Spitzwegerich-Tee gilt als vorzügliches blutreinigendes und schleimlösendes Mittel. Der Tee wirkt kräftig auf die Schleimhäute der Lunge, ist heilsam bei Durchfällen, Blasenschwäche, Kartarrhen mit viel Auswurf, ferner Husten, Leberleiden und Sodbrennen.

Die gekochte oder frisch gekaute Spitzwegerich-Wurzel ist hilfreich bei Zahnschmerzen.

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