Grüne Stromanbieter im Vergleich

Ökostrom für Einsteiger und Umsteiger

Wenn man auf Ökostrom umsteigen will, sollte man gut vergleichen und auch einige Dinge beachten. Wenn Ökostrom draufsteht ist nicht immer Öko drin.
Alternative Energien-Sonnenenergie WindenergieFotograf: FrankHoermann/SVEN SIMON © picture alliance / Sven Simon

Der Wechsel des Stromanbieters geht heutzutage ganz einfach. Doch wer sich für ökologisch korrekten Strom entscheidet, sollte einige Dinge beachten. Oft sind Tarife nicht ganz so grün wie sie auf den ersten Blick scheinen.

Man sieht sie wieder öfter: Leute, die knallgelb leuchtende „Atomkraft? Nein, danke!“- Buttons tragen. Doch würde man sie fragen, woher sie ihren Strom beziehen, wüssten viele es wohl nicht so genau.

Oft ist es Gewohnheit, Zeitmangel oder einfach nur Faulheit, jahrelang beim immergleichen, in vielen Fällen auch umweltschädlichen Stromanbieter zu bleiben. Nun bin ich aufgrund eines Umzuges gezwungen, mich mit diesem Thema zu beschäftigen. Ob ich nun meinem bisherigen Stromanbieter Bescheid gebe, dass ich umziehe, oder ob ich einem neuen Anbieter einen Auftrag erteile, spielt jetzt auch keine Rolle mehr. Also los! Endlich.

Und das ist auch gar keine große Sache. Bei den großen Stromvergleichsportalen wie verivox.de oder stromvergleich.net muss man nur seine Eckdaten eingeben – den Rest macht die Maschine. Innerhalb von drei Minuten kann ich so im Internet zu Öko-Strom wechseln. Selbst die Kündigung übernimmt der neue Anbieter. Und das Risiko, für eine Zeit ohne Strom da zu stehen, ist gleich Null.

Ich gehe von einem Verbrauch von 3.000 kwH für einen Zwei-Personen-Haushalt aus und suche einen Anbieter, der günstig und ökologisch ist. Schnell wirft die Suchmaschine mir die Ergebnisse aus, gestaffelt nach Tarifen. Erste Überraschung: Ich sehe, dass es viele Ökotarife gibt, die sogar günstiger sind als herkömmliche. Wow, denke ich. Hier kann ich umweltfreundlichen Strom beziehen und sogar noch Geld sparen. Wahrscheinlich hätten die meisten Leute nun den Wechsel zum nächstbesten Günstiganbieter vollzogen, ich wollte es aber genauer wissen. Schließlich ist es das erste Mal, dass ich grünen Strom beziehen will. Aber was ist das überhaupt? Schnell merke ich, dass das Wort Ökostrom kein geschützter Begriff ist. Jeder könnte ihn aus Marketing-Gründen verwenden. Wie soll ich mich also darauf verlassen, dass mein Strom auch wirklich sauber ist und nicht aus einem Atomkraftwerk oder aus fossilen Brennstoffen kommt?

Ich erfahre, dass es Siegel gibt, die Ökostrom nach verschiedenen Kriterien bewerten. Die vier wichtigsten davon sind

a)   das OK Power-Label
b)   das Grüner Strom-Label
c)   das TÜV Nord-Siegel
d)   das TÜV Süd-Siegel, das sich in vier verschiedene Bezeichnungen unterteilt.

Das RECS-Zertifikat hat den Namen Siegel nicht verdient, denn Anbieter können diese Zertifikate schlicht einkaufen und ihren konventionellen Strom damit labeln.

Die Recherche, welche unterschiedlichen Kriterien und Maßstäbe jedes einzelne Label hat, ist wirklich ein Kampf. Ich habe das Gefühl, je tiefer ich eintauche, desto weniger Öko wird am Ende dabei heraus kommen.

So kann Silber gelabelter Ökostrom ein Mix sein mit konventionell erzeugter Elektrizität. Manche bieten Ökostrom aus alten österreichischen oder norwegischen Wasserkraftwerken an, investieren aber nicht in neue Anlagen. So kann die Energiewende allerdings nicht vorankommen.

Ich jedenfalls beschließe, dass mein Ökostrom zu 100 Prozent aus umweltfreundlichen Quellen stammen soll. Nur 50 Prozent grün ist mir einfach zu wenig. Darüber hinaus soll das Geld, das ich bezahlen muss, auch in neue regenerative Anlagen investiert werden. Ich will also „richtigen“ Ökostrom. Viele Stromanbieter aber nutzen die uneinheitlichen Bewertungskriterien aus, um sich ihren Anteil am wachsenden ökologischen Strommarkt zu sichern.

Zur Zeit vertreiben ca. 556 Unternehmen „ökologische“ Stromprodukte. Viele Stadtwerke bieten mittlerweile auch grüne Tarife an; die sind aber in den meisten Fällen teurer als die „normalen“. Bei der RheinEnergie AG in Köln kostet die ÖkoOption 20 Cent mehr pro Kilowattstunde. Gerechtfertigt ist das nicht. Hier soll oft nur der Irrglaube verkauft werden, Öko sei teurer.

Die Suchmaschine hat mir ja auch das Gegenteil bewiesen. Ich finde heraus, dass viele Firmen, deren Logo mir so grün entgegen scheint, nur Tochterunternehmen von großen Stromanbietern sind. Auch wenn ihr Strom aus regenerativen Quellen stammt, so möchte ich dennoch nicht, dass mein Geld an die großen Konzerne geht. Denn ich habe mich politisch entschieden: nicht nur für ökologischen Strom, sondern gegen die gesamte Lobby der Atom- und Kohlekraftwerke. Ich suche also nach einem unabhängigen Anbieter – und davon gibt es tatsächlich nur vier:

  • Naturstrom AG
  • EWS Schönau GmbH
  • Greenpeace Energy eG
  • LichtBlick AG

Sie alle sind sauber zertifiziert und erfüllen alle Kriterien.

Natürlich ist keines dieser Unternehmen auf den ersten Plätzen beim Preisvergleich im Internet. Aber vergleicht man den günstigsten der vier mit den Kölner Stadtwerken, so liegt der Ökostrom sogar 11 Euro unter dem konventionellen. Am Ende habe ich also doch Geld gespart und etwas Gutes für die Umwelt getan. Wurde ja auch Zeit.

Weitere Informationen:

verivox: http://www.verivox.de/stromvergleich/

stromvergleich: http://www.stromvergleich.net/

Infos zum Ökostrom: http://www.ökostrom.info/

Autorin: Tanja Korsten
Tanja Korsten
Tanja Korsten hat Germanistik und Linguistik an der Uni Köln studiert. In ihrer Freizeit widmet sie sich vor allem dem Sport...
Tags: Natur

Das könnte dich auch interessieren

Strommasten auf einem Feld
Die persönliche Energie­wende – sinnvoll Sparen
von Rasmus Elsner
evidero-Thema Energiewende
Es klemmt – zum Stand der Dinge bei der Energiewende
von Bernd Pieper
Solar auf Erde
Solarboom und Krise – Wer bezahlt die Energiewende?
von Susanne Grüter
Wartung eines Tidenkaftwers
Und ob Solar Zukunft hat! Die Energie­wende ist machbar
von Thomas Seltmann
Stueck Silizium
Silizium – der Stoff, aus dem Solar­träume sind
von Susanne Grüter
Solarthermie Turm in Jülich
Vision Desertec – Deutsche Solar­thermie für die Wüste
von Susanne Grüter