Fleisch und sein Co2-Fußabdruck: Welches Fleisch soll ich essen?

Wer auf Fleisch nicht verzichten möchte, sollte beim Kauf auf einige Dinge achten. Nicht nur auf die Haltung der Tiere.
von Torsten Mertz
©iStockphoto.com/billnoll

Nicht nur die Tierhaltung, auch der CO2-Fußabdruck müssen eine Rolle bei der Auswahl des Fleisches spielen. Jedoch müssen sich nur Veganer den Kopf nicht darüber zerbrechen, dass auch Nutztiere wie Hühner und Kühe irgendwann einmal sterben.

Jüngst erzählte mir ein hochrangiger Mitarbeiter eines süddeutschen Landesministeriums, er habe mächtig Ärger vom Ministerpräsidenten bekommen, da er in einer Veröffentlichung den nicht gänzlich unbekannten Ausspruch des Philosophen Ludwig Feuerbach zitiert hatte, dass „du bist, was du isst“. Ein fülliger Bauernfunktionär fühlte sich offenbar durch das Zitat persönlich beleidigt – vermeintlich kurz nachdem er einen Schweinsbraten verzehrt hatte.

Das bringt uns zu der Frage, von welchem Tier sich ein Fleischesser am besten eine Scheibe abschneiden sollte. Nicht nur, um eventuell drohenden Ähnlichkeiten vorzubeugen, sondern vor allem, um den Fleischkonsum möglichst nachhaltig zu gestalten.

Beginnen wir mit dem Rohstoffaufwand: „Vegetarier essen meinem Essen das Essen weg“, heißt es auf manch schenkelklopfend-humorvoll bedrucktem T-Shirt. Doch es ist freilich genau andersherum: An die Tiere wird jede Menge Getreide oder Soja verfüttert, damit sie Fleisch auf die Rippchen bekommen. Da nur ein Teil der Körner- und Leguminosenkalorien in Muskeln und Fett umgesetzt wird, geht bei dieser „Veredlung“ jede Menge Energie verloren. Da kann man die armen Geschöpfe noch so eng einpferchen, damit sie sich nicht bewegen können und auf diese Weise wenig Energie verbrauchen. Um eine Kalorie Rindfleisch zu erzeugen, muss das Tier – je nach Produktions- und Berechnungsform – zwischen sechs und 17 pflanzliche Kalorien zu sich nehmen; für eine Kalorie Geflügelfleisch werden vier Körnerkalorien benötigt. Das Schwein suhlt sich irgendwo zwischen diesen Werten. Warum uns das interessieren sollte? Weil dort, wo Tierfutter angebaut wird oder dort, wo Rinder grasen, kein Platz mehr ist für Wälder oder für den Anbau von Nahrungsmitteln, die hungrige Menschen auch direkt satt machen könnten.

Aus dieser Erkenntnis heraus lässt sich fast direkt der Klimaschutzaspekt ableiten: Je mehr Futter verbraucht wird, desto höher steigt der Energieverbrauch für Dünger, Pflanzenschutzmittel, Maschinen etc. und umso größer werden die Flächen von verstörten Wäldern und  Grünland. Dabei entstehen riesige Mengen Kohlendioxid, Lachgas und – bei den Rindern als pupsende und rülpsende Wiederkäuer – Methan. Allesamt Treibhausgase.

Platz 1 für den größten tierischen Klimaschädling geht somit an das Rind mit etwa 15 Kilogramm sogenannter CO2-Äquivalente pro Kilo Fleisch; das Schwein folgt mit weitem Abstand und 4,2 Kilo, dicht gefolgt vom Geflügel mit etwa 3,5 Kilo CO2 pro Kilo Fleisch. Zum Vergleich: Gemüse verursacht im Schnitt nur etwa 150 Gramm CO2 pro Kilo.

Ganz anders sieht das Fleischranking aus, wenn man die ethische Seite betrachtet, also die Frage, wie viele Tiere ihr Leben lassen müssen, damit der Mensch satt wird. Das Magazin „Scientific American“ hat dazu eine Studie veröffentlicht, die der Vegetarierbund vebu aufgegriffen hat. Die provokante Frage lautete, wie viel Töten mit dem Konsum einer bestimmten Menge an Energie aus Fleisch, Milch und Eiern verbunden ist. Hier nun steht Hühnerfleisch bei weitem am schlechtesten dar, da jedes geschlachtete Federvieh lediglich 3.000 Kalorien auf die Teller bringt. Im Gegensatz dazu liefert das Schlachten eines Rindes über 400.000 Kalorien. Ein Schwein macht mit 84.000 Kalorien „pro Tod“ immerhin noch so satt wie 28 Hühner. Wer es genau wissen will, kann anhand einer Tabelle seine Essgewohnheiten überdenken.

Dumm nur: Je mehr man weiß, desto komplizierter wird die Sache.

Und deshalb: Vegetarier aufgepasst! Wer Eier und Milchprodukte verzehrt, ist beileibe nicht über jeden ethischen Zweifel erhaben. Auch in der Eier- und Milchproduktion wird aus ökonomischen Gründen getötet – auch hier stirbt kein Huhn und keine Kuh einen natürlichen Tod nach Jahren wohlverdienten Ruhestandes. Das bedeutet etwa eine geköpfte Legehenne auf 275 Eier.

Die Karriere selbst der besten Milchkuh wird nach 3-5 Jahren beendet, ihre natürliche Lebenserwartung läge bei 20-25 Jahren. Ein so langes Gnadenbrot können sich selbst die ambitioniertesten Ökohöfe kaum leisten.

Der evidero agent provocateur: Hand aufs Herz!

Was sagen sie?

Millionen Kleinbauern leben von und mit dem Vieh – ein Fall für die Umschulung?

Weitere Informationen:

Hier die Tabelle

Torsten Mertz ist Geograph, Redakteur und Autor. Er arbeitet in einem renommierten Münchner Nachhaltigkeits-Verlag, ist Verfasser des “Schnellkurs Ökologie” und schreibt gerade an einem weiteren Band der Kochbuch-Reihe „Gemüse ist mein Fleisch“. Bei evidero bloggt er über sein Lieblingsthema: die Gewissensfragen, mit denen sich ein interessierter Konsument heute konfrontiert sieht.
Tipps
Fleisch richtig zubereiten
  • S. Peter Brunner

    Es nutzt dem Gewissen und der Ernährung, wenn man sich einmal jährlich in einem Schlachthof und auf einer Müllkippe aufhält, Das sollte, finde ich, in jeden schulischen Lehrplan. Wer danach sagt, das können ihn nicht beeinflussen, lügt. Der Artikel nennt gute Argumente und wägt ruhig ab; ich vermisse aber die Empathie für die getöteten Tiere. Auch zur Ernährung mit Meeresgetier fehlen Hinweise.

  • Silke Weier

    Dieser Veggi-Faschismus geht mir langsam gewaltig auf die Nerven – vor allem, wenn Tatsachen verdreht werden. Die ganzen Soja-Monokulturen und Obst-Plantagen zerstören ebenso Regenwälder und Natur. Es gibt einfach zu viele Menschen auf der Welt. Und so lange das so ist, wird die Welt auch nicht rosarot, wenn wir alle nur Gemüse essen.

    • Liebe Silke,

      Faschismus ist natürlich nicht gut, egal of fleisch-essend oder vegetarisch, Offenheit und Toleranz steht uns allen gut an.

      Der Soja-Anbau in Entwicklungsländern findet übrigens vor allem zur Tier-Mast statt – allein mit Soja-Drinks und Tofu kann man nur in sehr geringem Umfang Soja konsumieren. Die Zeit hat hier vor kurzem einen guten Beitrag gebracht (http://www.zeit.de/2011/51/Soja). Vielleicht das als Anregung und Gedankenanstoß, nicht alles was Dir eine verdrehte Tatsache erscheint, ist auch eine.

      Herzliche Grüße,
      Martin

    • laibach

      Was bedeutet Veggi-Faschismus? Faschisten sind menschverachtend und führen sich (in der Regel völlig unbegründet) überlegen. Der Artikel hier stellt Vegetarier aber gar nicht als bessere Menschen dar. Vielmehr werden hier Fakten dargestellt, das muss doch möglich sein, ohne das Totschlagarument des Faschismus. Da fällt dem Fleischesser wohl nicht mehr viel ein, wenn er sieht, dass neue Zeiten angebrochen sind, in denen sich die Menschen Gedanken machen darüber, wie die vielen Menschen auf der Erde satt werden können, und nicht nur die im reichen Norden. Das ist wohl das Gegenteil von Faschismus. Schon komisch, wie mache Leute gar nicht merken, dass sie sich selbst karikieren – was wohl auch an mangendem Humor liegen mag, oder Silke? Zu viele Menschen auf der Welt? Was ist die Lösung? Afrikaner verhungern lassen? Asiaten zwangssterilisieren? Oder, um den Autor zitieren, Fleisch essen, da die Vegetarier mit Ihren Tofuburgern oder Apfelbäumen ihrem Essen das Essen wegessen? Erst denken, dann schreiben, liebe Silke!

  • dns

    Zitat: Die Karriere selbst der besten Milchkuh wird nach 3-5 Jahren beendet, ihre natürliche Lebenserwartung läge bei 20-25 Jahren.
    Sie vergessen die kleinen süßen Kälbchen. Denn eine Milchkuh gibt in ihren drei bis fünf Jahren eben nur Milch, wenn sie regelmäßig ein Kalb austrägt. Macht in fünf Jahren fünf Kälber – und die landen in der leckeren Kalbsleberwurst. (Das "lecker" meine ich als Fleischesser durchaus ernst.)

    • TravelingLight

      In der Tat, ohne Kaelber keine Milch und keine Milchprodukte. Die Haelfte der Kaelber sind weiblich und koennen in die Milchproduktion gehen, wo sie nach 3-5 Jahren abdanken, die andere Haelfte sind maennlich und werden gemaestet und mit knapp einem Jahr geschlachtet. Ovo-Lakto-Vegetarier entkommen der Mittaeterschaft also nicht. Allgemein gilt, dass jeder Konsument die Verantwortung hat fuer dass, was gegessen wird, und durch sein Konsumverhalten die industrielle Tierproduktion und den damit verbundenen oekologischen Fussabdruck unterstuetzt oder eben nicht. Fleisch ist lecker, aber der Preis ist hoch. Es gibt nicht das "richtige" Fleisch, auch extensiv und/oder organisch erzeugtes Fleisch ist ein energetisch unsinniges Nahrungsmittel, das muss jeder Fleischesser wissen. Mal abgesehen vom Leiden der Tiere. Ein kurzes Schlachthofpraktikum sollte Pflicht fuer Fleischesser sein.
      Gruss
      Ein kritischer Fleischesser

  • Andre
  • Als Wissenschaftler empfehle ich diesen Artikel der noch eine zusaetzliche Dimension de Komplexitaet hinzufuegt: http://theconversation.edu.au/ordering-the-vegeta

    Einer der Hauptpunkte kurz auf Deutsch zusammengefasst: Grasland hat mehr Biodiversitaet als intensiv bewirtschaftetes. Es kann also teilweise nachhaltiger sein, die Flaechen fuer ein Vieh zu nutzen, als fuer Weizenanbau – oder was immer man stattdessen essen will. Hier ist wieder das Rind etwas im Vorteil Auch die Energiebilanz die Kalorien zu transportieren faellt fuer Fleisch besser aus als fuer Pflanzen.
    Was heisst das? Es gibt wenige bis gar keine ganzheitlichen Nachhaltigkeitsanalysen zu diesen Themen – wir brauchen mehr Forschung fuer solche Entscheidungen. Und ausserdem: Es kommt darauf an. Woher das Fleisch kommt, wie die Tiere ernaehrt wurden, wie das Futter hergestellt wurde oder was statt der Weide dort waere – ungenutztes (Gras)land, Regenwald oder mehr oder weniger intensiv bewirtschaftetes Ackerland,…

  • Felix

    Welches Fleisch soll ich denn nun essen?

    Die Frage in der Überschrift wurde leider nicht beantwortet.

  • Stefan Münz

    Es führt für Vegetarier, die es ernst meinen, letztlich kein Schritt an der nächsten Stufe „vegan“ vorbei. Der Veganismus muss nur mal sein Imageproblem lösen und seinen Hundertprozentigkeitsabsolutismus aufgeben. Es geht nicht darum, dass auch nur ja kein Lebensmittel nicht irgendwelche Spuren tierischer Herkunft enthalten darf. Aber einen Vegetarismus zu fördern, der das gegenwärtige Milch- und Eier-Produktionslevel weiterhin benötigt, ändert letztlich kaum etwas an der Situation für die Tiere – und auch gar nicht so viel beim Menschen. Denn vor allem tierische Fette verkleben die Arterien – und dieses Problem löst man nicht mit dem Umstieg von Wurst auf Käse.

  • ex-öko-landwirt

    “Rauchen ist gesund – eine Studie von Dr. Malboro”, so lästerten wir früher. Aber auch “traue keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hast” passt hierein.

    Das Problem ist nicht das Fleisch, sondern die SCHAFFUNG und die Bereitschaft dafür zu bezahlen. Unter http://www.anita-idel.de gibt es eine Studie, die darauf hinweist, dass die Turbo-Fütterung mit Getreide das Problem ist – nicht das Fleisch. Die Verwertung von Gras (direkt, als Heu oder Silage) ist hingegen nicht nur umweltschonend (da das schädlichere Lachgas vermieden wird), sondern schafft auch hochwertiges tierisches Eiweiß. Dies bestätigen auch andere Untersuchung (in der Steppe der Mongolei), die feststellen, dass beim natürlichen Verfall von Gras weit schädlicheres Lachgas entsteht.

    Das Problem ist, dass der Konsument VIEL Fleisch für WENIG Geld haben möchte. Gleich welchen Geschmack es birgt. Ja, auf solches Fleisch kann man verzichten, denn es ist es nicht wert, das dafür ein Tier stirbt.

    Kaum jemand ist aber bereit, ein Viertel Rind aus ANSTÄNDIGER Haltung, richtiger Ernährung, völlig stressfreier Schlachtung, etc. fair zu bezahlen. Oft scheitert es auch daran, dass die wenigsten noch kochen können. Dass Knochen schmackhafte Suppen und Saucen (ohne künstliches Glutamat) werden können, ist für die Meisten unbekannt. Dass es nicht nur Steaks und Hackfleisch, sondern auch andere – und anders zuzubereitende – Stücke gibt, überfordert den fünf-Minuten-Koch. Auch dass z.B. Rindfleisch lange Gar-Zeit braucht stresst heutzutage die eilige Hausfrau.

    Dies soll keine Konsumenten-Schelte sein. Es soll eher dahingehend nachdenklich machen, wo die Ursache des Problems liegt. Warum reduzieren z.B. argentinische Rinderzüchter ihre Bestände und pflanzen Soja an ? Kann es sein, weil sich dieses Eiweiß besser dazu eignet, schnell und billig (auf der ganzen Welt) ‘Ersatz-Lebensmittel’ zu schaffen ? – Und wer kauft diese dann ?

    Der Weg zum gesunden Lebensmittel – und zur gesunden Ernährung – fängt mit dem Kochen an. KOCHEN – nicht AUFWÄRMEN von Lebensmittel, wie man es so oft vorfindet. Wer von Ihnen hat seine Marmelade selbst gepflückt und eingekocht ? – Und das nicht nur mit selbstgepflückten Erdbeeren aus der Plantage. Wer hat schon mal auf der Streuobstwiese 10 Zentner Äpfel gesammelt und sich naturreinen Apfelsaft pressen lassen (in Bag-In-Box-Systemen sogar jahrelang haltbar). Viele Lebensmittel verkommen in der freien Natur. Oft, weil man ‘kaufmännisch’ denkt und seine Zeit in Ansatz bringt. Da kauft man doch lieber das RENATURIERTE oder die Gelantine-Farbstoff-Geschmackstoffs-Mischung vom Feinkostladen.

    Wer also auf die schlechte Qualität der Lebensmittel schimpft, muss zuerst bei sich anfangen. Produkte mit Bio-Siegel zu kaufen, ist dabei nur ein Feigenblatt für das Gewissen. Schon lange ist dort wo BIO drauf steht, nur noch selben Bio drin.

  • Mich wundert immer wieder, dass sich Menschen vor toten Lebewesen ekeln, die in der Natur herumliegen, jedoch keinerlei Bedenken haben, Leichenteile von Kadavern zu essen, sofern diese schön abgepackt im Handel zum Verkauf angeboten werden.
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