Über die Suche nach einem Endlager für Atommüll: Endlager verzweifelt gesucht!

Immer wieder wird in Deutschland nach einem Endlager gesucht. Ob es Alternativen für Gorleben gibt ist fraglich.
von Tanja Korsten
Atom-Endlager Morsleben© picture alliance / dpa / Jens Wolf

In Deutschland wird wieder nach einem Endlager gesucht. Viele fürchten trotzdem, dass die Wahl auf Gorleben fällt. Oder gibt es vielleicht eine Alternative?

Gorleben … A never ending story?

Gestern trafen sich erneut Vertreter von Bund und Ländern zu einem Spitzengespräch über ein Endlagersuchgesetz in Berlin. Erstmals dabei waren Grünen-Chef Jürgen Trittin und SPD Parteivorsitzender Sigmar Gabriel. Eine Einigung konnte Bundesumweltminister Röttgen (CDU) zwar nicht präsentieren, dennoch sei der Kompromiss mit Händen greifbar.

Dabei sind zentrale inhaltliche Fragen noch offen. Die Rolle von Gorleben als Standort für das Atommüll-Endlager bleibt nach wie vor umstritten. Demonstranten begleiteten das Spitzentreffen mit der Behauptung, Röttgens Endlagersuche ende immer wieder im Wendland.

Dabei hatten Umweltverbände direkt nach Bekanntgabe des Erkundungsstopps im März gefordert, das Projekt vollständig zu beenden und bei einer neuen Suche nicht mehr zu berücksichtigen. Trittin hält den Salzstock nach seiner persönlichen Meinung für geologisch ungeeignet. Er sehe es als großes Zugeständnis seiner Partei, dass man bereit sei, Gorleben im Topf zu lassen.

Der Ausbau und die Erkundungen des Salzstocks haben bereits 1,6 Milliarden Euro verschlungen. In Anbetracht dieser Summe fällt es vielen Kritikern schwer zu glauben, dass ernsthaft nach einer Alternative für Gorleben gesucht wird. Es ist jedenfalls nicht auszuschließen, dass der Salzstock nach vollendeter Suche nach Alternativen als „neues“ Endlager präsentiert wird.

EU Richtlinie für Atommüll

Ein Ergebnis muss jedoch bald gefunden werden, denn eine Richtlinie der Europäischen Union besagt, dass alle Kernenergiestaaten bis zum 23.08.2015 nationale Entsorgungsprogramme vorlegen müssen. Immerhin gibt es in der gesamten EU 140 Atomkraftwerke, die auf 14 Mitgliedsstaaten verteilt sind. Nach EU-Angaben werden bis zum Jahre 2020 bis zu 1,8 Milliarden Kubikmeter radioaktiver Müll angefallen sein. Da ist es verständlich, dass keine europäische Zentrallösung gefunden werden kann, sondern dass jedes Land seinen Strahlenmüll eigenhändig versorgen muss.

Selbst über die geologische Beschaffenheit eines möglichen Endlagers gibt es keinen Konsens in der EU. Während die Deutschen jahrzehntelang ausschließlich auf Salz gesetzt hatten, beabsichtigen Schweden und Finnland eine Endlagerung in Granit. Frankreich und Belgien setzen auf Ton.

Gegen ein mögliches Endlager im Tongestein wehrte sich in Deutschland vor allem der damalige Ministerpräsident von Baden-Württemberg Günther Oettinger (CDU), da Tonlagerstätten vor allem dort anzutreffen sind. Ist es also Taktik, dass ebendieser Oettinger Jahre später als EU Kommissar für Energie die EU Richtlinie mit auf den Weg gebracht hat?

Ist es jetzt noch realistisch, binnen drei Jahren ein anderes Endlager als Gorleben zu benennen, wo doch andere bisher kaum untersucht worden sind?

Atommüll in Drittländern lagern?

Angesichts der Fakten fällt es immer schwerer, an ein wirkliches Aus für Gorleben zu glauben. Sollte es aber Niedersachsen nicht werden und auch der Süden Deutschlands nicht in Frage kommen , wo soll der verstrahlte Müll dann hin? Obwohl der von der europäischen Kommission vorgestellte Entwurf vorsah, dass der Müll nur in dem Mitgliedsstaat entsorgt werden darf, wo er auch entstanden ist, fand sich hierfür keine Mehrheit im Rat. Stattdessen darf der Müll jetzt auch in andere Mitgliedsstaaten oder gar in Drittländer exportiert werden. Vielleicht ist dies das lang ersehnte Schlupfloch für Deutschland im Streit um ein mögliches Endlager.

Nicht auszudenken: Marode Staaten könnten als Dienstleister für Atommülllagerung ihre Haushalte erstrahlen lassen.

Autorin: Tanja Korsten
Tanja Korsten hat Germanistik und Linguistik an der Uni Köln studiert. In ihrer Freizeit widmet sie sich vor allem dem Sport...