Elektroautos in Deutschland: Elektromobilität: Wunsch­kind der Kanzlerin

Angela Merkel hatte 2009 die Vision, dass bis 2020 mindestens eine Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen fahren - schaffen das die Automobilhersteller?
von Volker Eidems
Merkel und Wen Jiabao besuchen VW-WerkFoto: Friso Gentsch (c) dpa

Eine Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen bis 2020 – so die Vision von Kanzlerin Merkel im Jahr 2009. Dafür bekam die Automobilindustrie eine Milliardenspritze von Vater Staat und Mutter Merkel – doch ist sie dem Ziel in den letzten drei Jahren näher gekommen?

Es war einmal eine Kanzlerin, die kannte sich aus in Umweltdingen und hatte eine ganz eigene Art Weitblick. So schuf sie – hexhex – zu Beginn des Jahres 2009 eine Abwrackprämie für Altautos – und viele tauften diese gleich „Umweltprämie“. Weil die neuen Autos dann weniger Sprit verbrauchen würden, so hatte es sich jedenfalls Frau Merkel vorgestellt. Viele Leute kauften daraufhin den Autohändlern Neuwagen ab, die sie sonst vielleicht gar nicht gebraucht hätten, und die Autohersteller frohlockten. Doch Kanzlerin Merkel wusste, dass es so nicht ewig weitergehen konnte. Also schuf sie auf dem Höhepunkt des Abwrackbooms auch noch den „Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität der Bundesregierung“ mit den Worten: „Der Elektromobilität gehört die Zukunft“. Das war im August 2009 und die „Nationale Plattform Elektromobilität“ (NPE) bekam die Aufgabe, alle Probleme nebst ihren Lösungen zu erforschen und zu diskutieren, auf dass in zehn Jahren eine Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen rollen.

Seither gibt es jährlich einen Fortschrittsbericht (den aktuellen dritten Bericht gibt es leider noch nicht online, unten wäre aber die Seite, wo er in Kürze erscheinen soll), der heuer ernüchtert ausfällt: „Die Luft ist raus“ zitiert die Süddeutsche Zeitung die „übereinstimmende“ Meinung der Teilnehmer. Strittig bleibt, ob und wie der Kauf und die Attraktivität von Elektroautos gefördert werden sollen. Denn bislang müssen E-Autofahrer vor allem mit Nachteilen rechnen: Höherer Anschaffungspreis, kürzere Reichweiten, kaum Tankstellen – es gibt nur wenige handfeste Vorteile. Die Wirtschaft fordert deshalb seit einiger Zeit mehr Geld. Die Fördergelder reichten nicht aus, um Deutschland zum Leitmarkt der Elektromobilität zu machen wie von der Kanzlerin gewünscht. Kaufsubventionen, Steuervorteile, freie Parkplätze und nutzbare Busspuren, vielerlei Ideen kursieren, um E-Mobilität unters Volk zu bringen.

Was ich mich dabei frage: Die Autobauer tun sich doch sonst nicht schwer, den Leuten Sachen anzudrehen, die sie eigentlich nicht brauchen – warum dann bei der Elektromobilität? BMW, Daimler und Volkswagen haben im vergangenen Jahr Rekordgewinne eingefahren, zusammen über 25 Milliarden Euro. Dagegen wirkt die auf zehn Jahre verteilte Förderung der NPE mit gut einer Milliarde Euro wie eine, nun ja, Peanut. Was hindert die Autobauer, auf eigene Faust loszulegen? Ein Elektroauto zu entwickeln, das mehr Vorteile hat als die relative Emissionsfreiheit? Batterietechnologie ist teuer, das sehe ich ein, aber eine schnickschnackfreie E-Karosse, „reduced to the max“, geräumig genug, wendig, leicht und daher alltagstauglich, aber eben drastisch verbrauchs- und somit kostenreduziert, wäre nötig – wird aber einfach nicht gebaut. Stattdessen werden laut der Deutschen Umwelthilfe z.B. 3,7 Mio. NPE-Fördereuro vergeudet um „ein Spurtvermögen von 5,5 Sekunden für den Sprint von 0 auf 100, und eine Höchstgeschwindigkeit von 200 Kilometer pro Stunde sicherzustellen, eines der „Leuchtturmprojekte“. Was soll das?

Ich könnte mir vorstellen, dass die Autobauer nicht so richtig hinter der Idee Elektromobilität stehen, was ich ja nachvollziehen kann, richtig schlüssig ist das Konzept noch lange nicht. Aber die Autobauer wollen Kanzlerin Merkel wohl auch nicht ihr Spielzeug „Zukunftsvision“ kaputtmachen. Solange man sich hin und wieder trifft, drüber redet und der Kaffee schmeckt, ist ja nicht viel verloren. Aber besser man wartet nochmal ab, ob es nicht eine wirklich visionäre Lösung für die Mobilität in den nächsten Jahren gibt. Derweil fährt es sich mit der alten Technologie ja auch recht gut, wie die Rekordgewinne zeigen. Und schlimmstenfalls braucht man zwischendurch halt nochmal eine „Umweltprämie“.

Weitere Informationen:

Nationale Plattform Elektromobilität: http://www.bmu.de/themen/luft-laerm-verkehr/verkehr/elektromobilitaet/nationale-plattform-elektromobilitaet/

Autorin: Volker Eidems
Volker Eidems (Soziologe M.A.) ist gern unterwegs, am liebsten mit dem Rad. Wenn die Strecken aber zu lang oder die Koffer zu groß für den Fahrradanhänger sind, nutzt er möglichst das ökologischste alternative Verkehrsmittel – und das ist gar nicht so einfach zu ermitteln...