Earth Hour 2012: Mehr als „Einfach mal das Licht ausmachen“

Jedes Jahr findet aus Neue die Earth Hour statt. Hier alle Fakten rund um das größte Umwelt Event der Geschichte.
von Annette Bonse
© WWF / David Biene

Bei der Earth Hour geht es nicht einfach nur darum, mal das Licht auszustellen. Sie soll ein Zeichen sein, ein Symbol für mehr Nachhaltigkeit und bewussten Umgang mit Strom. Hier die wichtigsten Daten und Fakten:

Seit wann gibt es das Event Earth Hour?

Die Earth Hour war ursprünglich ein „1-Stadt-Event“ und wurde zum ersten Mal 2007 vom WWF Australia in Sidney organisiert. Die Idee: Als Symbol für den Klimaschutz sollten die Lichter in der Stadt eine Stunde lang aus bleiben. 2,2 Millionen Einwohner und über 2000 Unternehmen beteiligten sich damals an der Aktion.

Nur 5 Jahre später hat sich die Idee zu einem globalen Event entwickelt. Für den 31. März 2012 hatten 135 Länder und über 5200 Städte ihre Teilnahme am Earth Hour Day zugesagt. Auch viele Regierungen machen mit.

Das zentrale Event in Deutschland fand 2012 vor dem Brandenburger Tor in Berlin statt. Dort wurde zu dem Slogan „Deine Stunde für unseren Planeten“ ein „Lichtermeer aus Planeten“ in Form von Lampions und (Öko!-)Kerzen gebildet.

Auf der Webseite von WWF-Deutschland finden sich viele Tipps, wie die einstündige „Dunkelzeit“ genutzt werden kann: Unter anderem der Vorschlag, im Freundeskreis ein Earth Hour Dinner bei Kerzenschein zu veranstalten, das sich an „6 Regeln für Besseresser“ orientiert. Die passenden Rezepte liefert die Köchin Sarah Wiener.

Wer beteiligt sich meistens an der Earth Hour?

Die Liste der Wahrzeichen, deren Beleuchtung ausgeschaltet wird, liest sich wie das Who-is-Who der Sehenswürdigkeiten: Vom Eiffelturm über die Chinesische Mauer bis zur Oper in Sidney sind fast alle bekannten Gebäude und Denkmäler eine Stunde lang im Dunklen.

Auch die Liste prominenter Unterstützer ist lang: Zu ihnen gehören unter anderen Giorgio Armani, Miranda Kerr, Cate Blanchett, Pedro Almodóvar, Giselle Bundchen, Desmond Tutu, Ban Ki-moon, Yoko Ono, Kylie Minogue und Bill Clinton.

Neu im Club: Auch Libyen war 2012 zum ersten mal dabei: Der 19-jährige Mohammad Nattah und der Teenager Muhammad Bugashata haben die Organisation des ersten Earth Hour Days in Tripolis in die Hand genommen. Ursprünglich sollte das Event auf dem Platz der Märtyrer stattfinden – dieses Vorhaben musste jedoch aus Sicherheitsgründen abgesagt werden. Stattdessen werden die Lichter nun im ehemaligen Königsschloss, dem heutigen Nationalmuseum, ausgeschaltet. Die beiden Libyer hoffen auf 600 Teilnehmende.

Auch in den Social Media hat sich die Earth Hour zu einem Groß-Event entwickelt: Von Twitter über Facebook, Tumblr, Myspace und Co – überall kann man „followen“, „liken“ und „joinen“. Auf der internationalen Homepage der Earth-Hour können zudem unter der Rubrik „Fun Stuff“ virtuelle Lampen kreiert werden – oder Kinder sollen durch das „Lights-out-Game“ die Wichtigkeit des Licht-Ausschaltens lernen.

Auf Youtube findet eine „I-will-if-you-will…-Challenge“ statt: Die Teilnehmenden verpflichten sich, eine Herausforderung unter der Bedingung anzunehmen, dass sich eine bestimmte Zahl von Usern ihrerseits bereiterklärt, einen bestimmten Beitrag für den Klimaschutz zu leisten. Miranda Kerr, australisches Model, fordert beispielsweise 500 Menschen dazu auf, ein Jahr lang ihre durch Flüge verursachten CO2-Emissionen zu kompensieren – und will im Gegenzug das komplette Team ihres Unternehmens „Kora Organics“ zu demselben Schritt bewegen.

Kritik an der Earth Hour

Die Earth Hour hat auch Kritik auf sich gezogen: Gerade in den Anfangsjahren wurde der bloße Symbolcharakter der Kampagne kritisiert und stattdessen ein „richtiger“ Wechsel hin zu Ökostrom und Energiesparlampen gefordert. Im vergangenen Jahr äußerte die Tierschutzorganisation Peta Kritik: Der Klimawandel lasse sich nicht per Lichtschalter retten.

Viel besser wäre es, die Ernährungsgewohnheiten zu ändern, denn allein in einem Kilo Rindfleisch stecke soviel Energie wie im 20-tägigen Dauerbetrieb einer 100-Watt-Glühbirne. Und auch dieses Jahr finden sich auf der Facebook-Seite des WWF neben den vielen Anhängern der Aktion auch Kritiker, wie dieser Kommentar zeigt: „Zeichen setzen ist das Gegenteil von tun. Das ist Gewissen beruhigen – mehr nicht“.

Die Earth Hour-Initiatoren weisen dagegen darauf hin, dass ihre Herangehensweise eine andere ist: Ziel der Aktion sei es, die Menschen zum Nachdenken anzuregen und auf diese Weise langfristig Veränderungen zu bewirken.

Weitere Informationen:

Autorin: Annette Bonse
Annette Bonse hat ihre Kindheit und Jugend in Deutschlands Metropole der Wutbürger verbracht. Da von Stuttgarts revolutionärem Geist zu dieser Zeit noch nicht viel zu spüren war, verschlug es sie auf der Suche nach Alternativen zur schwäbischen Beschaulichkeit unter anderem nach Kansas, Montpellier und Guatemala...