Sharing im Verkehr

Baby you can drive my car

Bus-Sharing, Mitfahrgelegenheit oder Taxi-Sharing: Beim Reisen lässt sich viel Geld sparen, wenn man sich mit anderen das Fahrzeug teilt. Verschiedene Tools bringen Menschen auf den Fahrtstrecken zusammen.
Mitfahr-ZentraleFoto: Stephanie Pilick © dpa - Fotoreport

Wie reisen Sie am liebsten? Bequem? Günstig? Beides zusammen? Das ist nicht unbedingt einfach. Es gibt aber einen ganz guten Tipp: Teilen Sie doch ein Fahrzeug mit anderen, die das gleiche Ziel haben. So lässt sich nicht nur Geld sparen, man lernt eventuell auch noch nette Leute kennen. Welche Möglichkeiten es da gibt, zeigen wir evidero-Bloggerin Annette Bonse.

Ich mag Bahnfahren. Eigentlich. Aber auf meiner letzten Fahrt von Leipzig nach Bonn habe ich die Deutsche Bahn sieben Stunden lang verflucht: Eingequetscht zwischen 20 anderen stand ich in der Mitte des Bordbistros und beneidete brennend jene Glücklichen, die einen Platz zum Anlehnen gefunden hatten – vom Sitzen konnten wir alle nur träumen … So gerne ich sonst Bahn fahre – unter solchen Bedingungen sind die hohen Ticketpreise nicht mehr zu rechtfertigen. Im Gespräch mit einem meiner Stehnachbarn kamen wir schnell auf ein naheliegendes Thema: „Alternativen zum Bahnfahren“.

Gemeinsame Busfahrt, geteilter Preis

Bloggerin

Annette Bonse

Annette Bonse

Annette Bonse hat ihre Kindheit und Jugend in Deutschlands Metropole der Wutbürger verbracht. Da von Stuttgarts revolutionärem Geist zu dieser Zeit noch nicht viel zu spüren war, verschlug es sie auf der Suche nach Alternativen zur schwäbischen Beschaulichkeit unter anderem nach Kansas, Montpellier und Guatemala...

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Mein Leidensgenosse erzählte mir, dass er vor einiger Zeit zum ersten Mal mit DeinBus gefahren sei. Das funktioniert so: Interessierte Mitfahrer müssen sich für eine Strecke unverbindlich anmelden. Kommen genügend Interessenten für die Fahrt zusammen, übernimmt DeinBus die Organisation eines Busses einschließlich Fahrer. Von dieser Idee hatte ich bis dato nichts gehört und da mein Stehnachbar angesichts seiner Neuentdeckung geradezu ins Schwärmen geriet, habe ich mich später im Internet ein bisschen schlau gemacht: DeinBus wurde 2009 von drei jungen Wirtschaftswissenschaftlern gegründet. Eine Klage der Deutschen Bahn hat das Startup 2011 unbeschadet überstanden. Kein Wunder, dass die Bahn den bislang noch winzigen Konkurrenten gerne aus dem Weg geräumt hätte: Preislich bietet DeinBus eine interessante Alternative für Reisende innerhalb Deutschlands. Die Fahrt Köln-Stuttgart beispielsweise wird bei DeinBus für 24 Euro angeboten, während sie bei der Deutschen Bahn mindestens 35,50 Euro (2. Klasse mit Bahncard) kostet. Und noch einen Vorteil hat die organisierte Bus- gegenüber der Bahnfahrt: Der Sitzplatz ist hier garantiert …

Die gute alte MFG

Die naheliegendste Alternative zum Bahnfahren, da waren mein Reisegefährte und ich uns einig, ist natürlich die gute alte Mitfahrgelegenheit. Für die Strecke Köln-Stuttgart starten MFG-Angebote bereits ab 18 Euro. Preislich nimmt die Mitfahrgelegenheit also vor Bahn und DeinBus den ersten Platz ein. Einziger Nachteil: Das Ganze steht und fällt mit der Zuverlässigkeit sowohl des Fahrers als auch der Mitfahrer. Ich habe es schon erlebt, dass ein Fahrer einfach nicht aufgetaucht ist und wir Reisenden an irgendeiner Tankstelle wortwörtlich bestellt und nicht abgeholt und somit ziemlich dumm dastanden. Auf der anderen Seite hat mir mal ein Fahrer, der regelmäßig MFGs anbietet, erzählt, dass bei fast jeder zweiten Fahrt avisierte Mitfahrer einfach nicht auftauchen. Beides ist schlicht asozial und kostet alle Beteiligten Zeit und Geld. Zumindest als Mitfahrer hat man aber inzwischen auf den meisten MFG-Seiten die Möglichkeit, den Fahrer zu bewerten. Somit können unliebsame Fahrer also schnell herausgefiltert werden.

Geteiltes Taxi

Während mein Stehnachbar und ich noch über diverse mehr oder weniger geglückte Mitfahrgelegenheiten debattierten, mischte sich jemand in unser Gespräch ein, von dem ich es angesichts unseres Gesprächsthemas als letztes erwartet hätte: Der Mann vom Bordbistro. Er habe neulich von einer neuen App gelesen, durch die Menschen sich zu Taxifahrten zusammenschließen könnten. Die besagte App nennt sich Colexio und bildet Fahrgemeinschaften per Software. Eine gute Idee eigentlich, allerdings sind bislang zwei Dinge nötig, um Colexio zu nutzen: Man braucht ein Smartphone und – das ist in den meisten Fällen wohl der größere Knackpunkt – man muss in München leben. Alle Nicht-Münchner können ihr Glück unter Transfairo probieren. Das neu gegründete Kölner Start-Up hat es sich ebenfalls zum Ziel gesetzt, seine Mitglieder für Fahrten wie zum Beispiel den Flughafentransfer zusammenzubringen. Da das Unternehmen erst vor ein paar Monaten gestartet ist, wird es aber wohl noch eine Weile dauern, bis so viele Menschen mitmachen, dass das Konzept tatsächlich funktioniert.

Fazit einer langen Bahnfahrt

Mit einer Stunde Verspätung kam ich schließlich – durch die nette Unterhaltung jedoch halbwegs versöhnt mit der Deutschen Bahn – in Bonn an. Immerhin war es eine ziemlich aufschlussreiche Reise mit der Erkenntnis: Günstige Alternativen zum Bahnfahren gibt es eine ganze Menge.
Da die meisten Angebote erst seit Kurzem auf dem Markt sind, kann man die jeweiligen Tools jedoch bislang nur für einen Teil seiner Fahrten nutzen – wenn überhaupt. Für viele Strecken fehlt es bislang noch an verlässlichen Angeboten. Denn alle Services funktionieren nur durch viele Mitglieder, die ihre Leistungen nutzen. Nur so können sie möglichst viele Zeiten und Strecken verlässlich abdecken. Und so bleibt abzuwarten, welche der Ideen auf Dauer so viele Menschen überzeugen, dass sie sich dauerhaft durchsetzen können.

Weitere Informationen:

www.deinbus.de

www.colexio.de

www.transfairo.com

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