Das Unternehmen Zara im Test: Zara – Überall und immer günstig, aber nicht um jeden Preis

Nachhaltige Mode ist gut für den Menschen. Zara hat es geschafft, trotz Expansion die Belange von Umwelt und Sozialem nicht aus den Augen zu verlieren.
von Volker Eidems
Inditex resultsFoto: Paco Campos © dpa

Von Apple bis Zara, von Zalando bis AEG, Unternehmen hinterlassen Spuren – nicht nur im Markt, sondern auch ökologisch, gesundheitlich und sozial.

Diese Fußabdrücke nimmt evidero-Autor Volker Eidems unter die grüne Lupe. Er richtet in seiner Serie den Fokus auf die unternehmerische Verantwortung von Marken und Marktführern, stellt Fragen nach dem Stromverbrauch von bofrost, den Arbeitsbedingungen bei Hess-Natur oder der Umweltverträglichkeit von North-Face-Jacken. Klar, dass dabei nicht immer dieselben Bereiche in den Blick geraten: Es macht keinen Sinn bei Nokia nach Geschmacksverstärkern oder den Anbaumethoden zu fragen, beim Covenience-Hersteller Maggi jedoch schon. Ziel ist immer die direkte Stellungnahme der Unternehmen, wenn die aber nicht antworten, wird dies auch so dokumentiert – ob die Marke damit unter Generalverdacht gerät oder das Verhalten als verständliche Marketing-Maßnahme einzuordnen ist, bleibt dem Leser überlassen.

Zara – die schöne Tochter von Inditex

Der spanische Konzern Inditex ist der größte Modeanbieter weltweit. Wie stark er seine Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft wahrnimmt, ist nicht immer leicht einzuschätzen. In Spanien gilt Inditex als Vorzeigeunternehmen, Gewerkschaften sind zufrieden mit den Arbeitsbedingungen.

Seit kurzem hat das Unternehmen, zu dem neben Zara weitere Marken wie Pull & Bear und Massimo Dutti gehören, das schwedische H&M als Umsatz-Marktführer abgelöst. Zara wurde 1975 gegründet und ist erst in jüngerer Zeit rasant gewachsen. Bei schnellem Wachstum eines Unternehmens aber tritt die Nachhaltigkeit vielfach in den Hintergrund. Im Folgenden wird zwischen Inditex und dessen wichtigster Marke Zara nicht weiter unterschieden, denn die Richtlinien des Mutterkonzerns gelten für alle Bereiche.

Update 2016: Zara ist aktuell immernoch Marktführer

„Null Toleranz“ bei Sklavenarbeit

Zara unterscheidet sich in mancher Hinsicht von der übrigen Modekonkurrenz, zum Beispiel verfügt das Unternehmen über elf eigene Fabriken in Spanien. Wie hoch der Anteil dort produzierter Waren am Gesamtsortiment ist, will die Pressestelle aber nicht sagen. Unabhängigen Quellen zufolge wird etwa die Hälfte der Produkte in Spanien, Marokko oder der Türkei gefertigt. Durch die kurzen Transportwege spart Zara Zeit und Geld, außerdem werden CO2-Emissionen vermieden.

Die zweite Hälfte des Angebots wird aber – wie bei den meisten Bekleidungsfirmen – auch für Zara maximal günstig von Herstellern in Asien und Südamerika gefertigt. Inditex ist Mitglied in der Ethical Trade Initiative und verfügt über einen Code of Conduct: Nach ihm sind Zulieferer verpflichtet in ihm aufgeführte Regeln – etwa zu Arbeitsschutz, Überstunden und Lohnniveau – einzuhalten.

Trotz Kontrollen von Inditex kommt es aber zu Verstößen: Nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung wurden im vergangenen Jahr sklavereiähnliche Arbeitsbedingungen bei einem Hersteller in Brasilien aufgedeckt. „Die Reaktion des Unternehmens und seine Initiativen zeigen eindeutig, dass Inditex Null Toleranz gegenüber inakzeptablen Praktiken einiger Zulieferer gegenüber den Rechten ihrer Arbeiter zeigt“, äußert die Pressestelle von Inditex.

Dass sich das Unternehmen weiter engagiert und nicht nur die Geschäftsbeziehung zum schwarzen Schaf kappt, ist positiv zu werten – Kritiker sehen die Probleme damit aber nicht gelöst: Modeunternehmen dieser Größe seien generell anfällig für Verstöße gegen Regeln und Auflagen.

Wie steht es um die Gesundheit von Arbeitern …

Bei den Arbeitsbedingungen geriet in der letzten Zeit das „Sandstrahlen“ in den Fokus, eine Methode um Kleidung den modernen „Used Look“ zu verschaffen. Die Technik kann jedoch zu Lungenkrankheiten der Arbeiter führen. Zwar haben sich bereits viele Firmen – darunter auch Zara – dagegen ausgesprochen, in Bangladesch aber hat hat die Kampagne für Saubere Kleidung, Clean Clothes Campaign,  zuletzt im März 2012 noch sandstrahlende Zulieferer entdeckt.

Ein Manager dieser Firmen erklärte, es sei „unter dem Zeitdruck und für die Bezahlung nicht möglich, andere Techniken zur Produktion einzusetzen“. Zara wird dennoch nicht vom „Used Look“ absehen oder mehr Zeit und Lohn investieren. Die Pressestelle verweist einmal mehr auf den Code of Conduct: „Seit 2010 haben wir eng mit unseren Zulieferern zusammengearbeitet um sicherzustellen, dass sie laserbasierte oder sichere Methoden einsetzen, um Jeans zu veredeln. Inditex kontrolliert regelmäßig alle externen Zulieferer, um deren Übereinstimmung mit dem Code of Conduct sicherzustellen.“

Update 2016: Laut des Argentinischen Arbeiterschutz NGO “La Alameda” sollen 2013 in Argentinien Zara-Produkte in mehreren Fabriken mit Sklaven- und Kinderarbeit gefunden worden sein. Zara wies diese Vorwürfe ab und bot Kooperation bei der Untersuchung an.

… und Verbrauchern?

In einer 2011 veröffentlichten Öko-Test-Untersuchung wurden Formaldehydrückstände in einem Kinder T-Shirt gefunden. Auf die Frage, welche Schadstoffe in Zara-Textilien verwendet würden, fällt die Antwort von Inditex recht dünn aus: „Alle von Inditex verkauften Produkte entsprechen dem „Clear To Wear“-Standard, der auf globaler Ebene die höchsten Anforderungen in Bezug auf das Vorhandensein von Chemikalien erfüllt.“ – Welche dies aber genau sind, und warum es dennoch zu Rückständen verbotener Stoffe kommt, bleibt ungeklärt.

Auch beim Thema Biobaumwolle gibt sich Inditex zurückhaltend und will keinen Anteil am Gesamtsortiment nennen, sondern nur die Gesamtmenge: „Im Jahr 2011 hat Zara zwei Millionen Kleidungsstücke aus Biobaumwolle verkauft. Diese Teile entsprechen OE100 Standard und Zertifizierung […].“

Umweltschutz in Zara Filialen

Die Maßnahmen für ein umweltfreundliches Wirtschaften lesen sich bei Inditex sehr ambitioniert: Verpackungen werden sechs- bis achtmal wiederverwendet, neu gebaute Verkaufsfilialen entsprechen hohen LEED-Standards (Richtlinien für ökologisches Bauen nach dem US Green Building Council), Mitarbeiter werden mit Blick auf Umweltschutz geschult: „Die Schulungen umfassen unter anderem effiziente Beleuchtung, Wasser- und Klimaanlagennutzung“, erklärt Inditex.

50 Prozent der Energie für nationale Zentralen und eigene Fabriken stammen aus erneuerbaren Quellen oder Kraft-Wärme-Kopplung. Mit 850 Kilowatt installierter Windenergie und 1.500 Quadratmetern Solarthermieanlagen ist zumindest auch ein Einstieg in die Eigenproduktion gelungen. Die CO2-Minderungsziele für die gesamte Wertschöpfungskette klingen dagegen eher dürftig, der Sustainable Inditex Plan 2011-2015 sieht eine zehnprozentige Reduktion bis 2015 und eine 20-prozentige bis 2020 vor, auf der Basis der Zahlen von 2005. Auch hier wird die Diskrepanz zwischen ineffizienten Produktionsanlagen in Übersee und umweltorientierten Verkaufsfilialen deutlich, allerdings müssen auch die steigenden Produktionszahlen berücksichtigt werden.

Update 2016 – Was meint Greenpeace? Zara und weitere Textilproduktionen haben besonders schädliche Chemikalien aus der Produktion entfernt. Vorbildlich verhält sich Zara zudem im Kampf gegen Wasserverschmutzung. Zara legt Daten offen und verhält sich transparent. Kritisiert wird das Fast-Fashion-Konzept, da regelmäßiger Austausch der Ware enorme Ressourcen benötigen

Fazit

Zara hat es geschafft, trotz rascher Expansion die Belange von Umwelt und Sozialem nicht aus den Augen zu verlieren. Das Unternehmen investiert und arbeitet daran, die Umweltauswirkungen gering zu halten und auf Missstände zu reagieren. Im Falle der Sandstrahlproblematik zum Beispiel wäre aber durchaus mehr Engagement wünschenswert.

Es bleibt die große Frage, ob ein Unternehmen, das auch mit der Masse besonders günstiger Produkte wirbt, überhaupt nachhaltig sein kann. Oder wie es Lars Stubbe von INKOTA e.V. und Eilaktionskoordinator der Kampagne für Saubere Kleidung, formuliert: „Der gesamte Produktionsmarkt in diesem Bereich lebt vom Süden.“ Das ändert auch eine Teilproduktion in Spanien nicht wesentlich.

Volker Eidems (Soziologe M.A.) ist gern unterwegs, am liebsten mit dem Rad. Wenn die Strecken aber zu lang oder die Koffer zu groß für den Fahrradanhänger sind, nutzt er möglichst das ökologischste alternative Verkehrsmittel – und das ist gar nicht so einfach zu ermitteln...