CO2-Emissionen: Grünes Fest – Paketdienst statt Weihnachtsbummel?

Zu Weihnachten wollen viele dem Rummel entgehen und kaufen Geschenke über Online-Portale. Nachhaltig ist das jedoch nicht.
von Volker Eidems
Online Shopping zu Weihnachten©iStockphoto.com/Rouzes

Die Straßen und Läden sind voll. Wer dem Gedränge in der Weihnachtszeit ausweichen will, wählt deshalb oft den Weg ins Internet und bestellt. Wenn ich mir aber die im Dezember zur Hochform auflaufenden Paketdienste ansehe, kommen mir Zweifel, ob da nicht auch viel Verkehr produziert wird, der beim Weihnachtsbummel zu Fuß nicht entstanden wäre – viele Städte bieten mittlerweile ja  immerhin Päckchenbusse, damit man die Tonnen an Präsenten nicht die ganze Zeit durch die Läden schleppen muss.

Während Endlosschlangen vor Tiefgaragen und Kaufhauskassen manchem ein ewiges Weihnachtsrätsel bleiben, ist die Frage, wie man den Kaufrausch am ökologisch sinnvollsten absolviert, kein Geheimnis mehr: Das Logistics Research Centre an der Heriot-Watt University in Edinburgh hat das nämlich wissenschaftlich untersucht.

Nach der Studie von 2009 entscheidet die sogenannte „letzte Meile“ beim Vergleich von Internet- und klassischem Einzelhandel:

Und dabei verliert der Online-Handel, denn er verursacht mehr CO2-Emissionen als eine Fahrt im Privatauto – vorausgesetzt allerdings, man kauft mehr als 24 Produkte bei dieser Tour – ist also eine Großfamilie, frisch verliebt oder sowieso neureich.

Der private Einkauf ist ökologischer als der Online-Versand

Fährt der Einkäufer mit dem Bus, gewinnt er gegen den Online-Handel schon mit mehr als sieben Geschenken, die er nach Hause trägt. Allerdings nur, wenn der Internethändler des Vertrauens alles per Einzelpäckchen verschicken würde.

Diesem Vergleich legten die Autoren drei weitere Annahmen zugrunde, etwa dass die Einkaufsfahrt ausschließlich dem Einkauf diente, also kein Abstecher auf dem Heimweg von der Arbeit war. Das online bestellte Paket musste außerdem bereits beim ersten Zustellversuch den Empfänger erreichen und durfte nicht zurückgeschickt werden, und: Die Fahrzeuge des Zustelldienstes und die des Konsumenten wären identisch. Wer mit dem Twingo gegen den Paketlaster antritt, kann hier folglich auch noch Pluspunkte sammeln – müsste aber auf den Glühwein verzichten.

Wenn ich aber mit dem Fahrrad in die Stadt fahre, habe ich eine bessere Ökobilanz als bei der Online-Bestellung – und mehr Spaß am Glühwein. Und wenn ich jetzt doch im Netz bestelle(n) muss, werde ich meine Bestellungen bündeln und dafür sorgen, dass sie der Paketbote auch direkt los wird. Denn noch eindeutiger spricht der ÖkoVergleich gegen den Internethandel, wenn der Empfänger des Pakets bei der Zustellung nicht Zuhause ist, seine nette Nachbarin dummerweise gerade im Krankenhaus, und der Weg zur Postfiliale oder Packstation wie immer lästig und weit ist.

Volker Eidems (Soziologe M.A.) ist gern unterwegs, am liebsten mit dem Rad. Wenn die Strecken aber zu lang oder die Koffer zu groß für den Fahrradanhänger sind, nutzt er möglichst das ökologischste alternative Verkehrsmittel – und das ist gar nicht so einfach zu ermitteln...
Buchtipps
Literatur zum Umdenken

 

 

  • Kenji

    Sehr gut, dass du darauf aufmerksam machst. In letzter Zeit wird immer mal wieder darauf hingewiesen, dass es auch umweltbewusster ist, im Supermarkt nicht die spanischen Gurken zuerst zu kaufen, sondern vor allem nach Gemüsen aus der jeweiligen Region zu suchen. Das ist mit dem Online-Pakethandel nicht anders. Aber das Problem ist: auf den Online-Handel kann man als Benutzer kaum mehr verzichten. Selbstverständlich kann man versuchen die Häufigkeit des Bestellens zu reduzieren und im Laden was kaufen.

    Was tatsächlich umweltschonender wäre, wäre eine Bestellungs-Sammelfunktion, bei der mehrere Dinge, die man bestellt hat, erst gesammelt und dann zusammen verschickt werden. 😉