Bioprodukte - teurer oder nicht? : Neulich beim Einkaufen – Man muss es sich auch leisten können!

Bio und FairTrade ist nicht das gleiche. Und dann ist da ja auch noch die Geldfrage, denn beides ist teurer als Massenprodukte.
von Daniel Debray
Einkaufswagen © flytosky11 - iStock

Wer beim Einkaufen auf Nachhaltigkeit setzen will, muß vieles beachten. Wer macht das schon? Denn viel falsch machen ist einfach. Gut jedenfalls, wenn man auch als stets bemühter Mensch ordentlich Humor und eine Prise Ironie mit im Gepäck hat. Wen wundert´s, dass es da mal zu Irritationen kommt?

Im Supermarkt: Die meisten Menschen sind hektisch in ihrem Treiben, möchten unbedingt an der kürzesten Schlange anstehen. Ein Mann mit Einkaufswagen fängt an, Produkte auf das – möglichlicherweise mit Atomstrom betriebene – Förderband zu legen.

Er trägt Schuhe aus Alpaka-Wildleder (made in Italy?), eine Jeanshose (made in GB?), ein Freizeithemd (made in Sweden?) und eine Lederjacke (made in Canada?) – jedenfalls ganz sicher nicht von den berühmten europäischen Baumwollplantagen und den Alpakas aus dem Kölner Zoo!

Er legt Milch aus der Region auf das Band, Fairtrade-Kaffee mit Siegel, Champignons aus Deutschland, Dinkel-Nudeln und einen Bio-Weißwein aus der Pfalz. Hinter ihm steht eine Frau mittleren Alters. Sie scheint interessiert an der Produktauswahl des Mannes zu sein, lugt ihm über die Schulter, dann auf die Schuhe – schließlich treffen sich die Blicke der beiden. Die Frau lächelt kopfschüttelnd, vielleicht sogar ein bisschen zynisch und sagt die magischen Worte: „Man muss es sich auch leisten können?“

Der Mann schaut die Frau an – zu gleichen Teilen verwirrt und amüsiert. „Was genau?“, fragt er, wartend und mit ruhigem Ton. Damit hat sie offenbar nicht gerechnet: „… naja, schmeckt der besser, der teure Kaffee?“, fragt sie fordernd, schnippisch, siegessicher.

„Ich liebe Kaffee, trinke ziemlich viel davon. Ich sollte zwar weniger trinken, komme aber einfach nicht davon los … Dieser Kaffee kostet 6 Euro. Nehme ich den preiswerten Ja-Kaffee für 3 Euro kann ich mir doppelt soviel Kaffee leisten, oder?“, fragt der mittlerweile nicht mehr verunsicherte Mann zurück. Die Frau nickt zustimmend.

„Klauen Sie?“, fragt der Mann weiter. Fast empört und definitiv verwundert erwidert die Frau: „Wie meinen Sie das? Was soll das denn jetzt heißen?“. „Naja. Gehen Sie zum Beispiel hier in den Laden, bringen eine große Tüte mit, stopfen sie voll und gehen ohne zu bezahlen?“, fragt der Mann schmunzelnd. Mittlerweile sind die Produkte abkassiert und da jeder heutzutage in Eile ist,führt die kurze Unterhaltung zu Unmut im Rest der Schlange.

„Natürlich nicht!“, entgegnet die Frau und schaut sich verunsichert über die Schulter. „Was glauben Sie: Wie viel Prozent bekommt der Kaffee-Bauer von den 3 Euros, die der Ja-Kaffee kostet? Ist das nicht vielleicht Diebstahl?“ „Ich kaufe auch viel Bio!“ rechtfertigt sich die angegriffene Frau …

Nach einer wahren Begebenheit.

Und dass Bio erstmal nichts mit Fairtrade zu tun hat – das erklären wir beim nächsten Einkauf …

Daniel Debray ist in Bonn groß geworden, aber Kölner aus Überzeugung. Im Sozialarbeits-Studium setzt er sich mit Themen der sozialen Nachhaltigkeit auseinander....