Beziehung gerettet durch ein Unglück: Das Glück ist ein Bein­bruch

Wie ein Beinbruch die Beziehung von Miss Peppermint retten konnte, erfahrt ihr bei uns!
von Stefanie Heinrich
Beinbruch: Für Miss Peppermint ein GlückFoto: 12-31-08 © Kenn Wislander

evidero-Bloggerin Miss Peppermint ist weiterhin auf der Suche nach Glück. Im ersten Teil hat sie sich mit Fragen über das Glück beschäftigt. Nun erzählt sie, wie sie ausgerechnet bei einem Beinbruch Glück hatte. 

Wie jeden dritten Freitag sitze ich mit Malte in unserem Lieblingscafé.

Wie immer erwartete er mich vor der Tür. Heute schaute er mich seltsam an. Was los wäre. Keine High Heels. Ungewohnt wäre das. Als wir am Tisch sitzen, noch einmal die Frage, was heute nur los wäre. Kakao? Ziemlich seltsam. Ich vertröste ihn auf ein anderes Mal. Kein Thema für heute.

Malte hat über unser letztes Gespräch hier im Café nachgedacht. Zu Hause fiel ihm auf, dass ich seiner Frage, ob ich glücklich wäre, deutlich ausgewichen bin. Wann war ich denn nun das letzte Mal glücklich? Ich denke kurz über seine Frage nach. Keine Ahnung. Ich weiß aber auch nicht, wann ich das letzte Mal wirklich unglücklich war. Ist doch schon mal gut. Aber wann ich das letzte Mal Glück hatte, das weiß ich noch genau.

Hals – und Beinbuch

Das war an einem sehr heißen Augusttag im letzten Jahr. Mit Freunden waren mein Freund und ich in Hamburg auf dem Fischmarkt. Ich hatte den Wunsch, den Tag gemütlich weiter zu führen und am Nachmittag in trauter Zweisamkeit ein Eis essen zu gehen. Abends vielleicht grillen. Mein Freund war ganz anderer Ansicht und meinte, das Fußballspiel, das am Nachmittag ansteht, wäre genau das Richtige. Ich war ziemlich angesäuert. Seit Wochen hing der Haussegen nun schon schief. Alles ging vor und musste sofort geschehen. Meine Bitten wurden vorerst aufgeschoben. Auf dem Hof war viel zu tun und statt den Sonntag mal mit mir zu verbringen, musste es nun dieses verdammte Fußballspiel sein. Ein neuer Punkt zum Streiten. Der Anruf einer lieben Freundin stimmte mich dann aber um. Sie war auch dort und ich fuhr mit zum Spiel, um ihr Gesellschaft zu leisten.

Während das Fußballspiel in die zweite Halbzeit ging, lies ich mich bei meiner Freundin über meine Beziehung aus. Ich hätte allmählich die Nase voll. Jeder Kassierer einer x-beliebigen Supermarktkasse schenke mir mehr Aufmerksamkeit als mein eigener Partner. Ich stellte die gesamte Beziehung in Frage. Meine Freundin unterbrach mich. Jörg liegt auf dem Platz. Scheint verletzt. Ich entgegnete nur, der würde schon wieder aufstehen. Ich widmete meinem Freund dennoch einen Blick und merkte sofort, das etwas nicht stimmte. Offener Beinbruch. Sofort eine Operation und eineinhalb Wochen Krankenhausaufenthalt. Ich war jeden Tag da. Im Gegensatz zu den Menschen, denen er in den vergangenen Wochen soviel Aufmerksamkeit schenkte. In den nächsten Monaten konnte Jörg nicht viel alleine bewerkstelligen und ich nahm ihm ab, was möglich war. Und er war dankbar. Sehr sogar.

Glück im Unglück

Was das mit Glück zutun hätte, will Malte wissen.

Jörgs Beinbruch hat unsere Beziehung gerettet. Weil er die alltäglichen Dinge, wie zum Beispiel duschen, nicht alleine machen konnte, habe ich mich deutlich mehr zurück nehmen müssen, als ich in den vorangegangenen Wochen zurückgesetzt wurde. Ich habe meinen ganzen Tagesablauf anpassen müssen. Jörg bemerkte in dieser Zeit, was er an mir hat. Dass ich nicht nur nett unterhalten werden möchte, sondern mich danach sehne, Zeit mit ihm zu verbringen. Und dass ich für ihn da bin, zu jeder Zeit.

Ich kann jeder Beziehung, die in einer Krise steckt, nur Hals- und Beinbruch wünschen.

Stefanie Heinrich ist 26, Heilerziehungspflegerin und bloggt als Miss Peppermint über das Leben und das Glücklichsein. Ihre Freizeit verbringt sie gerne mit ihrem Freund auf dem gemeinsamen Bauernhof, fährt mit dem Rad durchs Grüne und liebt das Leben auf dem Land im Allgemeinen...