TCM Praxistipps Erkältungen: Wie du mit der Traditionellen Chinesischen Medizin Erkältungen trotzt

Von der Ernährung über Massage bis zur Akupressur: Die TCM bietet viele Möglichkeiten der Selbstbehandlung von Erkältungskrankheiten. Die evidero-Praxis-Tipps.
Dr. Caroline Boettcher
von Dr. med. Cornelia Böttcher
Tipps gegen Erkältung aus der TCM© drubig-photo - Fotolia.com

Aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) sind Erkältungen meist durch das Eindringen von „Wind“ und „Kälte“ bedingt. Auch in unserem Sprachgebrauch deutet das Wort Er-Kältung schon auf einen Zustand hin, der sich anfühlt, als wenn man Kälte in sich hätte. Heute erklärt Dr. Cornelia Böttcher, Fachärztin für physikalische und rehabilitative Medizin mit dem Schwerpunkt Akupunktur, wie du dein Abwehr-Qi stärken und Erkältungskrankheiten vorbeugen kannst. So bekommst du eine Erkältung mit den natürlichen Behandlungsmethoden der TCM in den Griff.

In der TCM hat die Lebenskraft Qi im Körper eine große Bedeutung. Qi sollte harmonisch im Körper fließen, dann sind wir gesund und psychisch ausgeglichen. Es werden verschiedene Arten von Qi mit unterschiedlichen Aufgaben beschrieben.

Bei Erkältungen spielt das Abwehr-Qi eine entscheidende Rolle

Das „Abwehr-Qi“ zirkuliert in der Haut und öffnet oder schließt unsere Poren. Wenn Kälte von außen eindringt, dann wird der harmonische Qi-Fluss zunächst an der Körperoberfläche blockiert und die Poren schließen sich im Anfangsstadium. Symptome einer beginnenden Erkältung sind Frösteln, Abneigung gegen Kälte oder Wind und Halskratzen.

Im weiteren Verlauf einer Erkältung kann die Kälte oder der Wind tiefer in den Körper eindringen und den Qi-Fluss in den Akupunkturleitbahnen und auch in den inneren Organen blockieren. Durch die Blockade bildet sich Hitze. Symptome in diesem Stadium sind hohes Fieber, Gliederschmerzen, viel Durst, ein roter Rachen und evtl. ein rotes Gesicht.

Selbstbehandlung einer beginnenden Erkältung nach der TCM

Grundsätzlich ist die Therapie von Erkältungskrankheiten schwierig, weil sich das Störungsmuster sehr schnell ändert. Sie sollten so früh wie möglich therapieren. Dann stehen die Chancen gut, dass sich die Erkältung nicht festsetzt. Therapievorschläge für das Anfangsstadium einer Erkältung:

Ernährung/Arzneitherapie: Ingwertee gegen die innere Kälte. Frischer Ingwer (sheng jiang) ist eine Wurzel, die sowohl in der chinesischen Ernährungstherapie als auch in der Arzneitherapie einen festen Platz hat. Ingwer ist warm und scharf. Durch seine Wärme vertreibt er die Kälte und die Schärfe öffnet die Hautporen wieder. So kann „Kälte“ und „Wind“ vertrieben werden. Zubereitung: Schneiden Sie von einer Ingwerwurzel 3-4 Scheiben ab und kochen Sie diese in einem Topf mit ca. 300 ml Wasser 10 Minuten lang. Falls der Tee zu scharf ist, können Sie einen Teelöffel Honig zugeben.

Akupressur: Mit der Akupressur kann man, ebenso wie mit der Akupunktur, Einfluss auf das harmonische Fließen von Qi in den Leitbahnen nehmen. Während bei der Akupunktur Nadeln in definierte Punkte gestochen werden, massiert man bei der Akupressur diese Stellen mit dem Finger circa eine Minute lang mit leicht kreisenden Bewegungen.

Der Akupressurpunkt Di 4 (Di steht für Dickdarm, das ist der Name der Akupunkturleitbahn) liegt an der Hand auf der Hälfte der Winkelhalbierenden zwischen den Mittelhandknochen von Daumen und Zeigefinger in der Muskulatur. Am besten, Sie kneten den Punkt mit zwei Fingern im Zangengriff von oben und unten. Dieser Punkt hilft bei der Ausleitung von Kälte und Wind.

Der Punkt Gb 20 (Gb steht für Gallenblase) ist ebenso ein wichtiger Akupressurpunkt für das Anfangsstadium einer Erkältung. Er liegt am Kopf kurz unterhalb der Hinterhauptsschuppe im seitlichen hinteren Grübchen. Sie können diesen Punkt mit beiden Zeigefingern gleichzeitig leicht kreisend massieren. Meist ist dieser Punkt auch empfindlich. Er vertreibt Wind.

Erfahre hier genaueres darüber, wie Akupressur gegen Erkältungen helfen kann

Gua Sha: Eine traditionelle Volkstechnik in China ist Gua Sha. Dabei wird (traditionell mit einem chinesischen Suppenlöffel) über die Haut geschabt, bis sich eine Rötung bildet. Beim Gua Sha geht es auch darum, von außen eingedrungene Kälte oder Wind auszuleiten und diese Technik eignet sich deshalb gut für das Anfangsstadium von Erkältungen.

Durchführung: Verteilen Sie vor Beginn etwas Massageöl auf der Haut. Nun schaben Sie mit einem chinesischen Suppenlöffel oder auch mit dem Deckel eines Marmeladenglases (mit abgerundeten Rändern) über die Hautpartie im Bereich des Nackens zwischen Schulter und Wirbelsäule, oberhalb des Schulterblattes. Achten Sie darauf, dass Sie nicht über Knochen, sondern nur über die Muskulatur schaben. Nach einiger Zeit bilden sich kleine rote oder bläuliche Punkte (Petechien).

Schaben Sie so lange weiter, bis sich keine neuen Petechien mehr bilden. Die Petechien verschwinden nach einigen Stunden bis 2 Tagen wieder. Im Anfangsstadium einer Erkältung sollten Sie sich nach der Therapie Ruhe gönnen, das Schwitzen fördern und möglichst nicht in zugigen Räumen sein.

Zusätzliche Maßnahmen aus der TCM bei fortgeschrittener Erkältung

Akupressur: Für das spätere Stadium einer Erkältung mit hohem Fieber eignet sich der Akupressurpunkt Di 11 (Dickdarm 11). Er liegt im Bereich des Ellenbogens in der Mitte der Winkelhalbierenden an der Außenseite des Armes bei 90° abgewinkeltem Ellenbogen in einer kleinen Vertiefung und hilft, Hitze auszuleiten.

Ernährung: Essen Sie in diesem Stadium leichte, gut verdauliche Nahrungsmittel. Am besten eignen sich Reis oder Hühnersuppe.

Massage: Auch im späteren Stadium kann Gua Sha am Nacken durchgeführt werden.

So beugen Sie Erkältungen vor

In der TCM ist die harmonische Lebensgestaltung der wichtigste Baustein, um gesund zu bleiben. Die früheren Ärzte des Kaisers wurden bezahlt, wenn der Kaiser gesund blieb.

Schlaf und Ernährung: Eine Säule ist ausreichend Schlaf. Dabei kommt es auf den Schlaf vor Mitternacht an. In dieser Zeit findet aus Sicht der TCM die beste Regeneration statt. Zudem sollten Sie auf eine ausgewogene Ernährung achten, die Ihrer Konstitution entspricht. Die meisten Menschen vertragen beispielsweise gekochte oder gedünstete Lebensmittel besser als Rohkost. Hier helfen Nahrungsmitteltabellen und Ernährungsbücher der TCM weiter. Aber auch, wenn Sie genau auf Ihren Körper hören, werden Sie die richtigen Lebensmittel für sich finden.

Bewegung: Die letzte Säule ist die Bewegung. Vielleicht haben Sie schon Bilder von Peking am Morgen gesehen. Zu dieser Zeit versammeln sich auf vielen Plätzen Menschen, die Tai Chi praktizieren, eine Art von gymnastischer Bewegung, die darauf abzielt, das Qi am Morgen in Bewegung zu bringen und die Muskulatur zu bewegen. Es muss nicht Tai Chi sein, sondern kann auch gerne ein strammer Spaziergang oder eine Radtour zur Arbeit sein.

Ruhe hilft bei der Genesung und beugt einer weiteren Erkrankung vor.

Mein Rat: Auch wenn Sie alles getan haben und die Erkältung nicht sofort besser wird, dann nehmen Sie sich die Zeit, denn scheinbar braucht Ihr Körper gerade eine Auszeit. Wenn Sie sich diese Auszeit gönnen, haben Sie große Chancen, nicht sofort wieder krank zu werden.

Dr. Caroline Boettcher
Dr. med. Cornelia Böttcher ist Fachärztin für physikalische und rehabilitative Medizin mit den Schwerpunkten Akupunktur, Chirotherapie/Manuelle Medizin, spezielle Schmerztherapie und Coaching/Begleitung in Lebenskrisen. Sie arbeitet in Klinik und Praxis und bietet Workshops an...
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