Abenteuer Nachttauchen: Tauche in eine andere Welt

Abgetaucht mit evidero! Im sechsten Teil unserer Sport-Trends-Reihe stellen wir euch das Nachttauchen vor. Was ist das Besondere daran und was ist zu beachten?
von Eike Nitzsche
Nachts eröffnet sich unter Wasser eine neue Welt© Andrea Izzotti - Fotolia.com

Tauchen ist nun wirklich nichts Neues. Aber es gibt schon einen höheren Level: Bei Nacht zu tauchen kann völlig neue Welten erschließen. Nachtaktive Tiere, seltene Pflanzen und ein Leben im Dunkeln, das wir sonst nicht kennen. Tauchlehrerin Eike Nitzsche vom Deutschen Unterwasser Club (DUC) Köln erklärt, wie die wichtigsten Regeln fürs Tauchen lauten – und fürs Tauchen bei Nacht.

Die einzige Voraussetzung zum Nachttauchen ist: Man sollte tauchen können. Wer tagsüber tauchen kann, also entsprechend körperlich gesund ist und ein gutes Herz und funktionierende Lungen hat, der kann auch bei Nacht ins Wasser gehen. Dabei gilt es, erstens die allgemeinen Tauchregeln zu beachten und zweitens auch auf die besonderen Gegebenheiten bei Nacht Rücksicht zu nehmen.

Das ABC des Tauchens

  • Alleine tauchen verboten!
  • Beim Auftauchen nicht die Luft anhalten. Unter Wasser herrscht ein größerer Druck als an der Luft. Bereits in zehn Metern Tiefe hat sich der Druck, der auf einem lastet, von einem Bar auf zwei Bar verdoppelt. Was bedeutet das? Stellen wir uns einmal vor, wir nehmen einen aufgepusteten Luftballon mit unter Wasser. Oberhalb des Wassers ist er dem normalen Luftdruck ausgesetzt und hat seine normale Größe. In zehn Metern Tiefe hat sich der Druck verdoppelt und dadurch komprimiert sich die Luft innerhalb des Ballons: Er ist nur noch halb so groß! Bei unserer Lunge ist das genau so. Andersherum funktioniert das ebenfalls. Wenn wir also in zehn Metern Tiefe einatmen und die Luft anhalten würden und dann auftauchen, würde die Luft sich auf das Doppelte ausdehnen. Und das kann gefährlich sein!
  • Chaos ist nicht erwünscht. Man sollte die Unterwasser-Welt immer so zurücklassen, wie man sie vorfindet. Das heißt: Nicht mit den Füßen irgendwo anstoßen und vor allem nichts anfassen. Dann vermeidet man auch gefährliche Kontakte mit giftigen Tieren.

Orientierung im Dunkeln

Prinzipiell kann man nachts überall dort tauchen, wo auch tagsüber Tauchplätze sind. Ein paar Ausnahmen gibt es jedoch, etwa wenn sich die Gegebenheiten im Wasser ändern. Es könnten nachts Strömungen vorhanden sein, die es tagsüber nicht gibt, oder das Gewässer wird nachts von Schiffen befahren. In Holland, wo wir vom Club aus manchmal tauchen gehen, gibt es auch Netz-Reusen im Wasser. Dies sind längliche, meistens kegelförmige Netze für den Fischfang, man kann sich das vorstellen wie einen Tunnel aus Netz, der an einem Ende geschlossen ist. Das ist tagsüber kein Problem, weil man einfach wieder raustauchen kann. Wenn man jedoch nachts plötzlich überall von Netz umgeben ist, kann man auch in Panik geraten und Panik ist gefährlich. Verboten sind auch Wracks oder Höhlen, da man in ihnen schnell die Orientierung verlieren kann, wenn man kein Tageslicht sieht, das den Ausgang anzeigt. Nacht-Tauchgänge sind schon speziell genug, da braucht man keine weiteren erschwerenden Umstände. Sollte man trotzdem einmal die Orientierung verlieren und nicht mehr wissen, wo oben und wo unten ist, kann man auf die Luftblasen vom Ausatmen achten, denn diese steigen immer nach oben. Und wenn alle Stricke reißen, schaut man seinem Tauchpartner in die Augen und lässt sich von ihm wieder beruhigen. Dafür ist der Tauchpartner ja da.

Spezialkurse sind empfehlenswert

Erfahrene Taucher haben meistens auch ohne spezielle Nacht-Tauchgänge schon im Dunkeln getaucht, denn ab einer gewissen Tiefe verliert sich das Tageslicht in einem Gewässer. Das kann schon bei zehn Metern Tiefe der Fall sein, genauso gut aber auch erst in Tiefen, in die man als Sporttaucher nicht vordringt. Es kommt darauf an, wie trüb oder lichtdurchlässig das Wasser ist. Trotzdem empfiehlt es sich, einen speziellen Tauchkurs zum Thema Nachttauchen zu belegen. Es gibt zum Beispiel Zeichen unter Tauchern, für die beide Hände benötigt werden. Wenn man bei Nacht taucht und in einer Hand die Tauchlampe hält, braucht man also ein anderes Zeichen. So zeigt man “Okay” nachts an, indem man einen großen Kreis auf den Boden malt – oder aber man muss die Hand, die das “Okay”-Zeichen macht, anleuchten. Denn im Dunkeln sieht man immer nur den begrenzten Ausschnitt der Umgebung, der durch die Lampe erhellt wird. Diese ungewohnte Dunkelheit kann auch ein Problem sein, weil sie unter Umständen das Gefühl, eingeengt zu sein und Klaustrophobie zu bekommen, verstärkt. Mit einem guten und geduldigen Tauchlehrer kann man eventuelle Ängste aber in der Regel abbauen. Die Kommunikation ist nachts also schwieriger als tagsüber, weswegen Tauchgruppen bei Nacht auch kleiner sein sollten. Idealerweise taucht man nachts in Zweier- oder Vierer-Teams. Die Leitung sollte immer der erfahrenste Taucher übernehmen. Kurse zum Nachttauchen werden in manchen Vereinen als Spezialkurse angeboten, in anderen Vereinen sind sie in der generellen Ausbildung mit dabei. Die Kurse beim Tauchen mit dem CMAS-Verband, das ist eine weltweite Organisation, sind aufgeteilt in Bronze, Silber und Gold und wer einen Gold-Kurs machen will, muss immer auch ein Nachttauchen Seminar besuchen. Und ganz ehrlich: Wer nur tagsüber taucht, der verpasst etwas!

Eine neue Welt entdecken

Der besondere Reiz beim Nachttauchen fängt schon beim Ambiente an. Beim Mondschein mit dem Boot rauszufahren ist bereits ein ganz anderes Gefühl als bei Tageslicht. Auch unter Wasser sieht bei Nacht alles anders aus und man konzentriert sich wegen des schmalen Lichtkegels der Lampe viel mehr auf Details, als wenn es hell ist. Aber das Spannendste ist natürlich das Nacht-Leben von Tieren und Pflanzen, das man bei Tag einfach nicht zu sehen bekommt. Da kann man vielleicht Tiere beobachten, die man noch nie gesehen hat, wie in tropischen Gewässern freischwimmende und jagende Muränen oder Korallen, die in speziellen Farben leuchten oder in heimischen Gewässern unter anderem Aale und Krebse, die nachts aktiv sind. Auch schlafende Fische kann man finden, aber Achtung: Niemals Tieren unter Wasser in die Augen leuchten. Das blendet sie oder weckt sie auf und macht sie damit zu einer leichten Beute für Raubfische.

Viele werden nun denken: Dann mache ich meinen Nacht-Tauchkurs doch am besten im Urlaub, wo ich mir auch direkt die tropischen Fische und Pflanzen ansehen kann. Solche Kurse haben aber nicht nur Vorteile, denn meistens finden sie in zu großen Gruppen statt und auf die einzelnen Teilnehmer wird nicht individuell eingegangen. Dann hat man vielleicht am Ende seinen Schein, aber richtig tauchen kann man noch lange nicht. Bei Tauchvereinen ist das anders, weil die Tauchlehrer dort — wie ich zum Beispiel — ehrenamtlich arbeiten und kein Interesse daran haben, Geld zu verdienen, sondern ihr Wissen weitergeben, weil es ihnen Spaß macht. Im Deutschen Unterwasser Club geben wir Anfänger-Kurse immer im Einzelunterricht, Spezialkurse wie das Nachttauchen, die ja mit bereits erfahrenen Tauchern gemacht werden, vielleicht mit einem Lehrer und zwei Schülern. So kann der Lehrer sich ganz auf die Bedürfnisse der Schüler einstellen und es macht auch nichts, wenn es vielleicht länger dauert als es ursprünglich geplant war.

Und das Tauchen-Lernen in heimischen Gewässern hat noch einen weiteren Vorteil: Wer in trüben deutschen Seen das Tauchen lernt, ist in einem tropischen Meer mit 30 Metern Sichtweite der perfekte Taucher. Wer hingegen am Roten Meer tauchen lernt und dann hier in den Bodensee springt, kann dort unter Umständen Probleme beim Tauchen bekommen. Besser also den Tauchschein und den Kurs zum Nachttauchen daheim machen und anschließend im Urlaub in Ruhe die bunte Unterwasser-Welt bewundern. Es gibt nichts Schöneres!

Aufgezeichnet von: Manuela Hartung

Interviewpartnerin: Eike Nitzsche
Eike Nitzsche ist ehrenamtliche Tauchlehrerin beim Deutschen Unterwasser Club in Köln und hat auch schon Tauchkurse auf den Malediven oder auf Mallorca gegeben...