TCM - 5 Elemente Ernährung im Winter: Kraft für Neues mit der 5-Elemente-Ernährung im winterlichen Wasser-Element

Im Winter reinigen wir uns von Ballast und sammeln Kraft für Neues: Sabine Spielberg gibt Tipps, wie uns die chinesische 5-Elemente-Ernährung dabei unterstützen kann.
von Sabine Spielberg
Schwarzwurzelsuppe Rezept TCM© Sabine Spielberg

Der Winter, die kälteste Zeit des Jahres, wird in der chinesischen Ernährungslehre dem Wasser-Element zugeordnet. In den stürmischen, frostigen und nassen Wintertagen werden von Körper und Immunsystem Höchstleistungen abverlangt. Die dafür nötige Energie bekommen wir gerade bei den vielen dunklen Tagen aus der Ernährung. Sabine Spielberg, 5-Elemente-Köchin und Ernährungsberaterin nach der Traditionellen Chinesischen Medizin, erklärt, wie wir uns über die Ernährung stärken können, damit wir gut und gesund durch den Winter kommen.

Nachdem die Natur sich im Herbst unter dem Einfluss des Metall-Elements in sich zurückgezogen hat, beginnt mit dem Winter die Zeit des Wasser-Elements, wenn sich alles Leben verlangsamt und scheinbar erstarrt.

Die Zeit ist geprägt von Kälte, die Lichtstunden nehmen ab, die Farben verschwinden und es ist die Zeit der Nacht. Die Kälte des Winters verlangsamt die Bewegung und zwingt zur Ruhe.

Das TCM Wasser-Element: Gesund durch den Winter

So wie die Natur zur Ruhe kommt, so beschränken auch wir im Winter den Kontakt nach außen auf das Notwendigste. Die lange Dunkelheit der Nacht trägt zur Regeneration der verbrauchten Kräfte bei und gibt uns die Ruhe und die Kraft, von der wir im Frühling und Sommer zehren. Es ist eine Transformationsphase, die Zeit zwischen Tod und Wiedergeburt, das Ende von und die Vorbereitung auf einen neuen Zyklus, in der alles Überflüssige verschwindet, die aber keinen Schlusspunkt darstellt. Vielmehr verwahrt der Winter sozusagen das Wesentliche, woraus mit dem neuen Kreislauf neues Leben entsteht.

Im Stillstand des Winterschlafes überlebt in der Natur die Essenz des Lebens

Dies ist die Zeit der Stille und des scheinbaren Stillstandes, doch verborgen unter der Oberfläche vollzieht sich die Aktivität der Keimung, die im Frühling zur Erneuerung führen wird. Bevor Samen und Knollen keimen, brauchen sie eine Periode der Kühle und auch viele Tiere schlummern in tiefem Winterschlaf, in dem der gesamte Stoffwechsel auf ein Minimum reduziert wird. Während dieser Zeit des Winterschlafs überlebt in der Natur die Essenz des Lebens.

Besonders dieses Kraut versorgt dich im Winter mit allen nötigen Vitaminen.

Die Niere als Speicher unserer Lebenskraft ist dem winterlichen Wasser-Element zugeordnet

Diese Qualität, das Essenzielle zu speichern, hat auch die Niere. Sie ist Speicher unserer Lebenskraft und zusammen mit der Blase reguliert sie den Wasserhaushalt des Körpers. Der Organfunktionskreis Niere/Blase ist besonders empfindlich gegenüber Kälte und benötigt im Winter besondere Aufmerksamkeit. So kommt es durch eine Schwächung oftmals zu häufigem Wasserlassen von klarem Urin oder ersten Anzeichen von Inkontinenz, inzwischen sogar bei immer jüngeren Menschen. Auf emotionaler Ebene wird dem Wasser-Element die Angst zugeordnet – die Redewendung „sich vor Angst in die Hose zu machen“ macht die Verbindung deutlich.

Die 5-Elemente-Ernährung im Wasser-Element

Wegen seiner nach innen und unten ziehenden Bewegung wird der salzige Geschmack dem Wasser-Element zugeordnet. Er stärkt die Nieren, weil er auf sanfte Weise das Wasserlassen fördert und Blockaden auflöst. Es ist jedoch Vorsicht geboten, denn in unserer Gesellschaft wird Salz im Übermaß genossen, da es in vielen Nahrungsmitteln wie Brot, Käse und Wurst und in Fertiggerichten sowie Fastfood enthalten ist.

Und zu viel Speisesalz wirkt nicht mehr lösend, sondern verhärtend, weil es den Körper austrocknet – es erzeugt Durst und Hitze im Körper, Verhärtung der Gefäße und damit einhergehenden Bluthochdruck. Daher sollten wir es sparsam verwenden und auf eine hochwertige Qualität achten.

Natürliche und mineralstoffreiche Salze sowie Hülsenfrüchte unterstützen eine bessere Nierenfunktion

Das mineralstoffreiche, grobe, leicht graue Meersalz ist unter den verschiedenen Salzsorten am wertvollsten. Salz in Verbindung mit Getreide (Reis- oder Gerstenmiso), mit Soja (Tamari) oder mit Sesam (Gomasio) sind ebenfalls hochwertige Salzquellen, die uns gleichzeitig helfen, die quantitative Menge an Salz zu reduzieren. Einen salzigen Geschmack hat darüber hinaus auch die Nahrung der Flüsse und Meere – Algen, Fische und Meeresfrüchte – wie auch Mineralwasser, Oliven und Kapern. Sparsam eingesetzt intensivieren salzige Nahrungsmitteln den Geschmack der Speisen, weshalb man unter anderem ein Stück Alge zum Kochen von Hülsenfrüchten benutzt.

Hülsenfrüchte (und alle Produkte daraus) werden wegen ihrer häufigen Nierenform und ihrer positiven Wirkung auf die Nieren ebenfalls dem Wasser-Element zugeordnet. Vor allem schwarze Sojabohnen und Azukibohnen aber auch Linsen und andere Bohnen stärken die Nieren.

Flüssige Nahrung unterstützt die fließende Energie des Wasser-Elements: Getränke, Suppen, Soßen

Flüssige Konsistenzen, wie zum Beispiel von Getränken, Suppen und Soßen, unterstützen das Wasser-Element in seiner fließenden Energie. Auch alle Nahrungsmittel von dunkler Farbe wie zum Beispiel Auberginen, Rotkohl (Blaukraut) oder Kirschen haben eine unterstützende Wirkung auf das Wasser-Element.

Warme Eintöpfe und Suppen, anregende Gewürze und viele Mineralstoffe schützen gegen die Kälte und stärken die Abwehr

In der Ernährung stellt das Wasser-Element den Wechsel von der sammelnden Herbsternährung zu einer substanzbewahrenden Winterernährung dar. Die Nahrungsmittel sollten thermisch warm bis heiß sein, energetisch bewahrend sowie nährend und stärkend. Eintöpfe mit Hülsenfrüchten, langgekochte Suppen mit Kohl- und Wurzelgemüse, Kompotte mit wärmenden und anregenden Gewürzen wie Anis, Kardamom, Nelke, Wacholder, Zimt und Vanille sind typische Wintergerichte im Wasser-Element.

Aromatische Gewürze wie Oregano, Thymian, Majoran und Rosamarin wirken ebenfalls wärmend und außerdem stimmungsaufhellend – vor allem Rosmarin ist besonders wirkungsvoll. Daher ist im Winter auch ein Aromabad mit Rosmarin eine gute Alternative, um die trübe Stimmung hinter sich zu lassen.

Rohkost, kalte Salate, kalte Getränke, vor allem Mineralwasser, Orangensaft, sowie Joghurt und andere kühlende Milchprodukte sollten nach Möglichkeit vermieden werden. Denn durch kalte Ernährung erkaltet der Körper von innen und dadurch fehlt das innere Feuer, um sich vor Kälteangriffen von außen zu schützen. Zwei bis drei warme Mahlzeiten am Tagen bieten den stärksten Schutz vor Kälte, steigern die Abwehr und bewahren die Kraft der Nieren.

Algen und Wurzeln: Hohe Dichte an Mineralien und Spurenelemente für eine stabile Reinigungsfunktion der Niere

Algen (zum Beispiel mitgekocht in Suppen oder Eintöpfen) bieten nicht nur eine breite Mineralienversorgung, sondern unterstützen durch die enthaltene Alginsäure auch die Niere in ihrer Reinigungsfunktion, Schadstoffe aus dem Körper auszuleiten. Das gleiche gilt für Wurzelgemüse: Tief in das Erdreich reichende Wurzeln wie Schwarzwurzeln, Rettich, Kuzu- und Yamswurzeln (japanische Heilwurzeln) haben einen hohen Anteil an wichtigen Mineralien und Spurenelementen.

In einer Zeit, in der uns Stress und Hektik, aber auch falsche Ernährungsgewohnheiten (wie ein Zuviel an Kaffee, Nikotin, Zucker und tierischem Eiweiß) Mineralien in großen Mengen rauben, tun wir gut daran, solche die Nieren stabilisierende Nahrungsmittel in unsere Ernährung einzubeziehen.

Kraft schöpfen im winterlichen Wasser-Element mit Ruhe, Meditation und einer ausgewogenen Ernährung

Der Winter ist die Zeit, um sich zu regenerieren und Kraft für den Frühling zu schöpfen. Ruhe, Meditation und eine ausgewogene Ernährung können die Balance wiederherstellen zu unserem oftmals hektischen und schnell getakteten Leben. Wenn wir also diese Rückzugszeiten zum Auftanken nutzen, werden wir in Phasen der Aktivität erfahren, dass wir voll in unserer Kraft stehen. In anderen Worten: Ist das Wasser-Element im Gleichgewicht, wirkt sich dies stabilisierend auf unser ganzes Leben aus.

Im Winter solltest du besonders auf deine Darmgesundheit achten. So kommst du gesund durch die kalte Jahreszeit.

Ein 5-Elemente-Menü im Wasser-Element

Cremiges Schwarzwurzelsüppchen

Schwarzwurzelsuppe Rezept TCM © Sabine Spielberg
  • 1,2 kg frische Schwarzwurzeln
  • 6-8 EL Essig
  • Rapskernöl
  • 200 ml Weißwein
  • 400 ml Gemüsefond
  • 1 daumengroßes Stück Kombu-Alge
  • 1 Prise Salz
  • 200 ml Sojacuisine
  • 1 Bio-Zitrone
  1. Schwarzwurzeln schälen, abspülen und sofort in Essigwasser legen (mit Einweghandschuhen arbeiten). Nach und nach die Schwarzwurzeln in mundgerechte Stücke schneiden und danach wieder in das Essigwasser geben.
  2. Rapskernöl in einem großen Topf erhitzen und die Schwarzwurzeln darin anbraten. Mit Weißwein ablöschen. Gemüsefond zugießen, aufkochen und dann mit geschlossenem Deckel ca. 20 Minuten köcheln lassen.
  3. Mit einer Kelle einige Schwarzwurzelstücke aus der Suppe holen und beiseite stellen.
  4. Zitrone heiß abspülen, trocknen und die Schale abreiben.
  5. Salz, Sojacuisine und Schalenabrieb zur Suppe geben. Mit einem Stabmixer fein pürieren.
  6. Um die Suppe cremig werden zu lassen etwas Wasser aufkochen und heiß in die Suppe einpürieren.

Petersilien-Oliven-Gremolata:

  • 1 großes Glas schwarze entsteinte Oliven
  • 1 Bund frische Petersilie
  • 1 Bio-Zitrone
  • Salz
  1. Oliven abgießen, Petersilie waschen und grob hacken. Zusammen in einem Blitzhacker zerkleinern.
  2. Zitrone heiß abspülen, trocknen und die Schale abreiben. Abrieb unter die Petersilien-Oliven-Mischung heben und mit Salz abschmecken.

Suppe auf Tellern anrichten und 1-2 Tl Gremolata hinzugeben.

Bohneneintopf Rezept TCM © Sabine Spielberg

Schwarzer Bohneneintopf:

  • 1 Paket schwarze Bohnen
  • 1 Zwiebel
  • 1 Knoblauchzehe
  • 1 EL Rapskernöl
  • 1 EL Sesam
  • 1 EL Sonnenblumenkerne
  • 1 EL Kürbiskerne
  • 2 EL Mandeln
  • 1 Sternanis
  • 1 kleine Prise gemahlene Nelken
  • 1 kleine Prise gemahlene Kardamom
  • 1 kleine Prise gemahlener Zimt
  • 1 Prise Thymian, getrocknet
  • 1 Prise Oregano, getrocknet
  • 1 kleine getrocknete rote Chili
  • 1 EL Tomatenmark
  • 1 EL Rosinen
  • 4-5 Kellen gekochte schwarze Bohnen
  • 1,5 EL Carobella
  • 1 Paket Räuchertofu
  • Tamari
  1. Bohnen in einer Schüssel mit reichlich Wasser und Alge über Nacht einweichen lassen. Am nächsten Tag Einweichwasser wegschütten und samt Alge in frischem Wasser ca. 3 Stunden kochen. Dabei die ersten 10-15 Minuten ohne Topfdeckel und den entstehenden gräulichen Schaum abschöpfen. Dieser enthält Blähstoffe.
  2. Für den Eintopf: Zwiebel und Knoblauch grob hacken. Rapskernöl in einem Topf erhitzen und Zwiebel darin anbraten. Sämtliche Samen, Kerne, Nüsse und Gewürze dazu geben, mit Wasser auffüllen bis alle Zutaten bedeckt sind und 10 Minuten mit geschlossenem Deckel köcheln lassen.
  3. Tofu würfeln und zusammen mit Bohnen und Carobella dazu geben. Weitere 10 Minuten köcheln.
  4. Mit Sojasauce abschmecken.

Hirse-Brokkoli-Stampf:

  • 250 g Hirse
  • 1 kleiner Brokkoli
  • Muskatnuss
  • Salz
  1. Hirse in einem Topf anrösten, bis es anfängt zu duften. Mit dreifacher Menge Wasser ablöschen und mit geschlossenem Deckel ca. 20 Minuten köcheln lassen, bis die Flüssigkeit aufgenommen wurde.
  2. Brokkoli in kleine Röschen zerteilen und 5 Minuten in einem separatem Topf in 2 Fingerbreit Salzwasser kochen. Kochwasser abgießen und Brokkoli zur fertigen Hirse geben.
  3. Grob zerstampfen und mit Muskatnuss und Salz abschmecken.

Kokos-Pakchoi:

  • 400 ml Kokosmilch
  • 1 mittelgroßer Pakchoi
  • Kuzu
  1. 200 ml Kokosmilch in einem offenen Topf aufkochen und dann auf kleiner Flamme auf die Hälfte einkochen lassen.
  2. Pakchoi in Streifen schneiden, dabei den Strunk herausschneiden. Pakchoi waschen und abtropfen lassen.
  3. Restliche Kokosmilch in den Topf gießen und aufkochen. Pakchoi hinzugehen und kurz aufkochen lassen.
  4. Kuzu dickflüssig in kaltem Wasser anrühren und in einem gleichmäßigem Strahl in das kochende Gemüse einrühren, bis eine dickflüssige Sauce entstanden ist.

Birne Helene:

Birne Helene TCM © Sabine Spielberg
  • 1 Liter Apfelsaft
  • 1 kräftige Prise Vanille
  • 4 kleine Birnen
  • 4 EL Carobella-Creme
  • Sojadrink
  1. Apfelsaft und Vanille in einem kleinen Topf erhitzen und zum Kochen bringen.
  2. Birnen schälen und nebeneinander in den Topf setzen (eventuell mit einem Teller beschweren, damit sie ganz vom Sud bedeckt sind) und auf mittlerer Hitze ca. 25 Minuten gar köcheln.
  3. Für die Carobella-Sauce die Creme in einem separaten Topf bei mittlerer Hitze mit etwas Sojadrink unter Rühren schmelzen. Soviel Sojadrink einrühren, bis eine dickflüssige Sauce entsteht.
  4. Birnen abgießen, am unteren Ende begradigen und auf Teller setzen. Mit Carobella-Sauce servieren.

Die 5-Elemente-Ernährung basiert auf der Weisheit der Traditionellen Chinesischen Medizin

Die Ernährung nach den 5 Elementen basiert auf dem jahrtausendealten Wissen, den Beobachtungen, dem Erfahrungsschatz und der Lebensweisheit der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Wie viele alternative Ernährungsformen geht die TCM davon aus, dass man mit der richtigen Ernährung Krankheiten vorbeugen und diese auch heilen kann. Es handelt sich hierbei um ein ganzheitliches Konzept, das die Gesundheit fördern und zu mehr Wohlbefinden führen soll.

Sabine Spielberg ist Köchin und Ernährungsberaterin nach den 5 Elementen der Traditionellen Chinesischen Medizin. Sie gibt regelmäßig Kochkurse in Köln und betreibt einen veganen Foodblog...
Kochen nach TCM
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